1. Saarland

Zehn Tage Schatzsuche am Ringwall

Zehn Tage Schatzsuche am Ringwall

Otzenhausen. "Hey", schallt es lang gezogen über den Dollberg. In den Ausruf von Evi Zarth fallen sogleich weitere ein, das "Hey" wird länger und lauter. Dann lachen alle gemeinsam und sie hält triumphierend ein kleines rotbraunes Stück in die Höhe

Otzenhausen. "Hey", schallt es lang gezogen über den Dollberg. In den Ausruf von Evi Zarth fallen sogleich weitere ein, das "Hey" wird länger und lauter. Dann lachen alle gemeinsam und sie hält triumphierend ein kleines rotbraunes Stück in die Höhe. "Das ist eine Tonscherbe", sagt Evi Zarth über ihren Fund, den sie innerhalb des keltischen Ringwalls ausgegraben hat. Die Gästeführerin aus der Gemeinde Nonnweiler, die auch Mitglied im Freundeskreis keltischer Ringwall ist, hilft gemeinsam mit weiteren Freundeskreis-Mitgliedern beim zehntägigen Grabungscamp, das am Freitag zu Ende gegangen ist. Zu Gast waren - im dritten Jahr in Folge - Mitglieder des befreundeten Luxemburger Vereins de Georges Kayser Altertumsfuercher, ein Archäologieverein mit rund 1200 Mitgliedern.Die jüngste Teilnehmerin war 16 Jahre. Mit 85 Jahren ist Michel Baudet aus Luxemburg-Stadt dagegen der Älteste. Zum dritten Mal hilft er bei den Ausgrabungen der Terrex im Ringwall. Schläft wie fast alle seiner Mitstreiter in der Schutzhütte auf einem Feldbett. Ein grün-weiß gestreiftes Verpflegungszelt ist daneben aufgebaut, auf dem Vorplatz stehen drei Schwenker. Seit 8.30 Uhr sind die Grabungshelfer bei der Arbeit, verteilt auf zwei Grabungsstellen. Mit einer kleinen Harke lockert Michel Baudet die Erde rings um große Steinbrocken, dann schaufelt er sie in einen Eimer. Quadrat für Quadrat. Denn das Grabungsfeld, das einem Kirchenkreuz gleicht, ist in Quadrate mit einem halben Meter Seitenlänge eingeteilt. Die Seiten sind mit Ziffern in der einen Richtung und Buchstaben in der anderen versehen, sodass jedes Quadrat seine eigene Registrierung hat. Mit dieser versehen, bringt der 85-Jährige Luxemburger den Eimer zur Siebstelle. Die Erde rieselt durch die Löcher zurück bleiben Steine und Erdklumpen. Die Erde wird zurück, Steine aneinander geklopft. "Steine klingen hell, Ton dagegen dunkler", erklärt Evi Zarth. Michel Baudet ist schon wieder zurück und schaufelt Erde in den nächsten Eimer. "Mir macht das hier so viel Spaß. Das Beste ist der Teamgeist", sagt er, und schon tönt das nächste "Hey" über den Dollberg. Wieder eine Tonscherbe. Später gesellt sich noch ein Nagelkopf dazu. "Wir suchen hier nach einem alten Grabensystem", erklärt Thomas Fritsch, Projektleiter bei Terrex. Schon früher sei man an der Stelle aber auf Reste römischer Zivilisation gestoßen. "Wir haben hier auch viel Sandstein gefunden. Das deutet darauf hin, dass hier in der römischen Zeit Weihedenkmäler für eine Muttergottheit standen. Vermutlich ein Kult, der auf die Kelten zurückgeht."

Auf der anderen Seite wird nach Überresten von Keltenhütten gesucht. Auf den ersten Blick sind nur Erde sowie größere und kleinere Steine zu erkennen. Michael Koch, Vorsitzender des Freundeskreises keltischer Ringwall, zeigt auf eine Vertiefung. "Die Erde ist hier viel dunkler, teilweise schwarz. Das deutet auf Holzkohle hin. Die Kelten haben die Pfosten früher angesengt, damit sie länger halten", erklärt der Archäologe. Mehrere dieser dunklen Stellen sind in dem Grabungsfeld zu finden. Eine hat Isabell Fuchs aus Clerf gemeinsam mit ihrem Vater Carlo freigelegt. "Meine Tochter hat mich mitgeschleppt", sagt der 60 Jahre alte Luxemburger. Er habe sich erst viel Wissen anlesen müssen. "Aber es spornt an, wenn man auch was findet." Carlo Fuchs und seine 28 Jahre alte Tochter, die Archäologie und Ägyptologie studiert, waren bereits im vergangenen Jahr dabei. "Aber da war das Wetter viel schlechter, es hat nur geregnet. Das hier war jetzt eher Ferienstimmung", sagt Carlo Fuchs.

Die Luxemburger helfen nicht nur beim Graben, sondern vermessen und dokumentieren auch die Funde. Zehn Tage lang waren zwischen 20 und 25 Helfer im Bereich der Kernburg am Werk. "In der Zeit des Camps und auch bedingt durch das gute Wetter schaffen wir ungefähr das Doppelte, was wir nur mit Terrex-Mitarbeitern in einem Jahr schaffen", erklärt Projektleiter Fritsch. Zurzeit stünden der Terrex aber nur fünf Mitarbeiter zur Verfügung. "Die Fläche ist so groß, hier liegt mit Sicherheit noch so viel", meint Nonnweilers Bürgermeister Franz Josef Barth, der dem Grabungscamp einen Kurzbesuch abstattete. Vom Einsatz der Luxemburger und des Freundeskreises ist er begeistert. Nicht nur er hofft auf eine Fortsetzung im kommenden Jahr.