Immer mehr Praxen dicht Zahnärzte-Protesttag trifft heute das Saarland – Mediziner schlagen Alarm

Saarbrücken · Die Zahnärzte im Saarland gehen am Dienstag auf die Barrikaden. Sie sehen die Patientenversorgung bedroht und führen alarmierende Zahlen auf.

 Die Zahnärzte im Saarland protestieren (Symbolbild).

Die Zahnärzte im Saarland protestieren (Symbolbild).

Foto: dpa/Markus Scholz

Im Saarland gehen immer mehr Zahnarztpraxen in immer schnellerem Tempo verloren. „Im Jahr 2022 haben neun Zahnärzte ihre Praxen für immer geschlossen, im vergangenen Jahr waren es zehn Praxen“, sagt Jürgen Ziehl, der Präsident der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Saarland (KZV). In den Jahren zuvor sind im Saarland im Schnitt drei bis vier Zahnarztpraxen pro Jahr verloren gegangen.

Saarland hat die niedrigste Zahnarzt-Dichte aller Bundesländer

Heute gibt es noch 418 Zahnarztpraxen im Saarland, zehn Prozent weniger als vor zehn Jahren. Das Saarland hat inzwischen die niedrigste Zahnarzt-Dichte aller Bundesländer. In den Landkreisen Merzig-Wadern sowie im Regionalverband Saarbrücken liegt der Versorgungsgrad nur noch bei 72 Prozent.

Das beschleunigte Praxissterben führen Standesvertreter auf schlechte politische Rahmenbedingungen zurück. Daher schließen sich die Zahnärzte im Saarland am Dienstag, 18. Juni, einem bundesweiten Protesttag an. „Wir wollen darauf hinweisen, dass die flächendeckende und wohnortnahe zahnärztliche Versorgung durch Honorarkürzungen, Nachwuchsmangel, ausufernde Bürokratie und fehlerhafte Digitalisierung bedroht ist“, sagt Dr. Christiane Wagner, Vorstandsmitglied im Landesverband Saarland des Freien Verbands der Zahnärzte.

Jeder vierte Zahnarzt im Saarland ist eigentlich bereits im Rentenalter

Zum Protesttag werden die Zahnärzte ihre Praxen aber nicht schließen. Stattdessen wollten sie ihren Patienten Flugblätter mit ihren wichtigsten Forderungen überreichen und in Gesprächen ihre Probleme darstellen, informiert Wagner.

Dr. Lea Laubenthal, die Vorsitzende der Zahnärztekammer des Saarlandes, weist darauf hin, dass bereits heute 23,4 Prozent der saarländischen Zahnärzte das Rentenalter erreicht haben. „Nur weil diese Kolleginnen und Kollegen weiterhin arbeiten, ist die zahnärztliche Versorgung noch einigermaßen gesichert“, sagt Laubenthal.

24 Stunden für Bürokratie pro Woche pro Praxis

Als Gründe für das Praxissterben nennt Ziehl unter anderem die gesetzlich verordneten Honorarkürzungen. „Das läuft darauf hinaus, dass viele Zahnärzte im Schnitt nur für 90 Prozent ihrer Arbeit bezahlt werden“, sagt Ziehl.

Wagner fordert eine deutliche Reduzierung der „unsinnige Verwaltungsvorgaben“: „Jede Praxis muss pro Woche durchschnittlich über 24 Stunden für Bürokratie aufwenden. Diese Zeit fehlt für die Behandlung der Patienten.“

Die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Kosten verschärfen die wirtschaftlichen Probleme der Zahnärzte. „Daher sind immer weniger Zahnärzte bereit, eine eigene Praxis zu führen. Stattdessen arbeiten sie lieber als Angestellte“, erläutert Laubenthal. Im Saarland seien es bereits 21,5 Prozent.