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Exklusive Zahlen
Saar-Kliniken behandeln immer mehr Notfälle

Die Saarländische Krankenhausgesellschaft beobachtet die Zunahme der Notfall-Zahlen mit Sorge.
Die Saarländische Krankenhausgesellschaft beobachtet die Zunahme der Notfall-Zahlen mit Sorge. FOTO: dpa / Hauke-Christian Dittrich
Saarbrücken. Experten sehen den deutlichen Anstieg der Fallzahlen in den vergangenen Jahren mit Sorge. Von Cathrin Elss-Seringhaus
Cathrin Elss-Seringhaus

Die Zahl der Notfall-Behandlungen in Krankenhäusern im Saarland hat sich zwischen 2012 und 2016 um rund 28 Prozent auf 211 225 erhöht. Das teilte die Kassenärztliche Vereinigung auf SZ-Anfrage mit. Demnach wurden in den 13 Bereitschaftspraxen der Kassenärzte an Kliniken rund 75 000 Fälle abgerechnet, ein Plus von 18 Prozent. Die Kliniken selbst versorgten zusätzlich rund 136 000 Menschen.


Nach Darstellung des stellvertretenden KV-Chefs Dr. Joachim Meiser hätten viele Menschen keinen festen Hausarzt mehr und sähen deshalb die Krankenhäuser als erste Anlaufstelle. Insgesamt sei die Schwelle gesunken, in „gefühlten“ Notsituationen fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen: „Was Oma noch an medizinischem Grundwissen hatte, ist flächendeckend verlorengegangen. Man informiert sich über das Internet und wird dort zusätzlich beunruhigt. Dr. Google ist das Hauptproblem.“ Laut Meiser bringen die Kassenärzte rund zwei Millionen Euro jährlich für die Zusatzversorgung durch die Bereitschaftspraxen an den Kliniken auf. Notfall-Leistungen müssten generell „deutlich besser vergütet werden“, sonst könnten nicht alle Standorte gehalten werden.

Die Saarländische Krankenhausgesellschaft beobachtet die Zunahme der Notfall-Zahlen mit Sorge und erwartet, dass sich der Trend noch verstärken wird. Geschäftsführer Dr. Thomas Jakobs macht dafür eine „erhöhte Erwartungshaltung“ verantwortlich. „Man will sofort eine umfassende Diagnostik und weiß, dass die Klinik das leistet“, sagte Jakobs der SZ. Er hält dies auch für eine Reaktion auf die schwindende Bereitschaft vieler Ärzte, Hausbesuche anzubieten oder Bereitschaftsdienste am Wochenende zu machen, die dann an Honorarärzte delegiert würden. „Wenn ich als Patient die Erfahrung mache, dass in Notfällen sowieso ein fremder Arzt vor der Tür steht und womöglich mit meinem Krankheitsbild überfordert ist, dann sage ich mir: Geh’ lieber gleich ins Krankenhaus.“