1. Saarland

Würdevolle Bestattung von "Sternenkindern" tröstet Eltern

Würdevolle Bestattung von "Sternenkindern" tröstet Eltern

Merzig. Glas und indischer Sandstein sind die Materialien, aus denen die Stele entstanden ist, die auf dem Waldfriedhof an die "Sternenkinder" erinnert. "Denn Merzig gibt jetzt Totgeborenen einen Platz", sagt Ulrich Kiefer, Qualitätsmanager im SHG-Klinikum Merzig - "Babys mit einem Gewicht unter 500 Gramm". Ab 500 Gramm ist ein totgeborenes Kind ein Mensch

Merzig. Glas und indischer Sandstein sind die Materialien, aus denen die Stele entstanden ist, die auf dem Waldfriedhof an die "Sternenkinder" erinnert. "Denn Merzig gibt jetzt Totgeborenen einen Platz", sagt Ulrich Kiefer, Qualitätsmanager im SHG-Klinikum Merzig - "Babys mit einem Gewicht unter 500 Gramm". Ab 500 Gramm ist ein totgeborenes Kind ein Mensch. "Wiegt es 499 Gramm, ist es eine Fehlgeburt", sagt der Klinik-Mitarbeiter und verweist auf die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Geburten. "Ein totgeborener Säugling, der 500 Gramm wiegt, erhält eine Eintragung ins Geburtenbuch mit seinen Eltern, bekommt einen Namen, eine Adresse und ein Grab." Das werde dem leichteren Kind versagt. Bei ihnen gelte nur eines: Die Entsorgung müsse "hygienisch einwandfrei und dem sittlichen Empfinden entsprechend" erfolgen."Wir wollen den Eltern, den Großeltern und Geschwistern die Möglichkeit geben, trauern zu können. Wir wollen ihnen durch die Bestattungen auf dem Waldfriedhof einen Ort zum Gedenken geben", sagt Kreißsaalkoordinatorin Monika Eiserloh (wir berichteten kurz). Daher habe das geburtshilfliche Team des Klinikums die Initiative ergriffen - bereits vor fünf Jahren, wie sie ergänzt. "Diese ist endlich mit der Klinikseelsorge und der Stadt Merzig umgesetzt worden."

Für die Einweihung des Gräberfeldes am heutigen Dienstag, 22. Januar, 16 Uhr, hat Musiktherapeutin Ute Ripplinger ein Lied komponiert. Der Titel "Sternenkinder" wird erstmals erklingen, wenn Pfarrerin Sophia Csöff und Pastor Lothar Wilhelm die ökumenische Feier an dem Gedenkstein zelebrieren. Die Säule haben Gabriele Lembach, die integrative Therapiegruppe "Bildhauerei" der Psychiatrie Merzig und Steinbildhauer Michael Hau aus Beckingen gestaltet: aus Sandstein und Glas. Die 2500 Euro für die Stele haben der Förderverein des Klinikums und die Krankenhausseelsorge aufgebracht. Der Termin für die erste Urnenbeisetzung ist festgelegt: 29. Mai. "Immer mittwochs vor Fronleichnam sollen die Beerdigungen sein", sagt Kiefer. Die Pathologie am Klinikum Saarbrücken, zuständig für die Merziger, hat nach seinen Worten die Möglichkeit geschaffen, Kinder, deren Beerdigung erwünscht ist, kostenfrei aufzubewahren. "Bestattungsunternehmerin Monika Gantner aus Schwemlingen hat sich angeboten, die Bestattungen kostenneutral zu begleiten."

"Wir wollen Eltern einen Ort zum Trauern geben."

Ulrich Kiefer,

Qualitätsmanager

Auf einen Blick

Als Fehlgeburt (Abort) bezeichnet man totgeborene Babys unter 500 Gramm. Die Säuglinge können in den meisten Bundesländern auf Wunsch der Eltern bestattet werden, auch wenn es keine entsprechenden Gesetze, sondern nur Empfehlungen gibt.

Untereiner Totgeburt versteht man die Geburt eines im Mutterleib oder während der Geburt verstorbenen Kindes über 500 Gramm. Quelle: Sternenkinder Homburg