1. Saarland

Wolfsmenschen unter sich

Wolfsmenschen unter sich

Merzig. Der Wolfspark von Werner Freund im Merziger Kammerforst, dessen Gehege-Erweiterung demnächst abgeschlossen ist, soll um ein Informationszentrum erweitert werden. Dies hat der Merziger Oberbürgermeister Alfons Lauer bei einem Empfang für polnische Wissenschaftler in Aussicht gestellt, die zur Zeit den Wolfspark im Auftrag der Universität Poznan (früher Posen) in Augenschein nehmen

Merzig. Der Wolfspark von Werner Freund im Merziger Kammerforst, dessen Gehege-Erweiterung demnächst abgeschlossen ist, soll um ein Informationszentrum erweitert werden. Dies hat der Merziger Oberbürgermeister Alfons Lauer bei einem Empfang für polnische Wissenschaftler in Aussicht gestellt, die zur Zeit den Wolfspark im Auftrag der Universität Poznan (früher Posen) in Augenschein nehmen.

Nach den Vorstellungen von Lauer soll das Info-Zentrum in "ökologischer Holz-Glas-Bauweise" entstehen und als Anlaufstation für "alles, was man über den Wolf und Werner Freund wissen will", dienen. Zudem wolle man auch Raum für Seminare schaffen. Allerdings sei dies noch Zukunftsmusik, weil man dafür erst noch die finanziellen Mittel aufbringen müsse, was in Zeiten von Finanz- und Wirtschaftskrise nicht leicht falle. Zumal die Erneuerung der Wolfsgehege weit über zwei Millionen Euro erfordere.

Dazu kam prompt ein Vorschlag von polnischer Seite: Man könnte ja das erforderliche Geld wenigstens zum Teil über den Verkauf von Souvenirs zum Wolfspark, mit Motiven von Wölfen oder Werner Freund, wieder hereinholen.

Im Gespräch mit den polnischen Biologen und Forstwissenschaftlern, die für die polnische Universität Wolfsgehege nach dem Vorbild des Merziger Parks und nach dem Buch "Werner Freund - der Wolfsmensch" errichten wollen, plauderten der Wolfsforscher und seine Frau Erika auch aus dem Nähkästchen darüber, was sie alles schon mit ihren Tieren erlebt haben. So schilderte Freund seine Beobachtungen an Wölfen: "Die merken sich schon im Alter von vier Wochen Sachen, die sie das ganze Leben nicht vergessen."

So habe er vor vielen Jahren versucht, ein paar junge Wölfe leinenführig zu machen. Doch plötzlich sei einer der Wölfe nicht mehr mitgegangen. Offenbar war er mit dem Mitarbeiter, der ihm das Laufen an der Leine beibringen sollte, nicht mehr einverstanden. Diese Abneigung, so Freund, habe sich ein Wolfsleben lang gehalten: "Wenn der Wolf diesen Mitarbeiter am Gehege auftauchen sah, ist er verschwunden."

Thema des Austauschs zwischen den Wolfsfreunden aus Polen und von der Saar war auch die Fortpflanzung und die Frage, wie man unerwünschtem Nachwuchs vorbeugt. "Wir verhüten mit der Anti-Baby-Pille seit 30 Jahren", sagte Erika Freund. Das sei bei Wölfen deswegen nicht schwierig, weil die Paarungszeit dieser Tiere immer im Februar liege. Dann werde die Pille der Wölfin täglich in einem Stück Fleisch verabreicht. Danach könne es zwar noch zum Deckakt kommen, aber die Wölfin nehme nicht auf. Den Tipp für die Pille habe man von Erik Zimen bekommen, einem Biologen, der das Verhalten von Wölfen und Hunden unter anderem im Saarland studierte.

Anders als im Saarland gibt es in Polen noch wild lebende Wölfe; und so wird es auch Aufgabe des Wolfsparks der Uni Poznan sein, Wölfe von Privatpersonen zu übernehmen - von Menschen, die junge Wildfänge zu Hause aufgezogen haben, die Tiere aber nicht mehr beherrschen, wenn sie heranwachsen. Ein solcher Wolf, ein Prachtexemplar, war Freund bei seinem Besuch in Polen im November vorgestellt worden.

 Ein Wolf, der sich wohlfühlt.
Ein Wolf, der sich wohlfühlt.