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Wohnungseinbrüche im Saarland: Kriminalstatistik wirft Fragen auf

Wohnungseinbrüche im Saarland : Kriminalstatistik zu Einbrüchen wirft weiterhin Fragen auf

Ein Serientäter soll für einen Anstieg der Delikte gesorgt haben. Die Kripo-Gewerkschaft hält das für plausibel, ein Linken-Politiker meldet Zweifel an.

Ein Serientäter soll im Saarland die Zahl der Wohnungseinbrüche in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) in die Höhe getrieben haben (wir berichteten). „Das ist plausibel“, sagt Helge Stoll, der Landes-Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter. „Da ist nichts geschönt, das ist ein Effekt, der immer auftreten kann. In diesem Fall ist es extrem.“ Allgemein sagt Stoll zur Statistik, die bei den Einbruchszahlen in der Region eine Steigerung um 23,4 Prozent ausweist: „Man muss davon Abstand nehmen, dass die Kriminalstatistik ein Abbild der Kriminalität ist, die in einem Jahr stattgefunden hat.“

Das Innenministerium hatte am Donnerstag auf die „statistische Besonderheit“ bei den Wohnungseinbrüchen hingewiesen: den mutmaßlichen Serientäter, dem die Polizei mehr als 420 Einbrüche anlastet. Er soll in Nächten durch die Saarbrücker Innenstadt gestreift sein, mit einem Schraubenzieher die Türen von Mietshäusern und Geschäften aufgehebelt haben, um in die Keller zu kommen. Im Juni 2018 nahm die Polizei den 30-jährigen Deutschen fest.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn, das Verfahren umfasst insgesamt 428 Fälle. 20 DNA-Spuren konnte die Polizei sichern. Ansonsten ergab sich der Verdacht einer Einbruchserie aus dem Vorgehen des mutmaßlichen Täters, dem gleichen Modus Operandi. Nach der Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten wegen acht weiterer Einbrüche ordnete das Amtsgericht Saarbrücken die Unterbringung des Mannes in einer Entziehungsanstalt an.

Nach Auskunft des Innenministeriums flossen seine angeblich 420 Wohnungseinbrüche allesamt 2018 in die Kriminalstatistik ein, obwohl der Beutezug des 30-Jährigen bereits 2017 begonnen haben soll, zum Jahresende. Ungewöhnlich ist diese statistische Zeitverschiebung nicht: Die PKS enthält immer auch Einbrüche aus den Vorjahren, den sogenannten Überhang. Denn in der Kriminalstatistik taucht ein Vergehen erst auf, wenn die Polizei ihre Ermittlungen abschließt. So kann ein Jahreswechsel zwischen Tat und Zählung liegen.

Laut Ministerium lag der Überhang in den vergangenen Jahren im Durchschnitt bei 400 Einbrüchen. 2018 steigerte sich dieser Anteil überraschend auf 600. „Die Überhänge sind nachvollziehbar, denn was 2017 im November und Dezember an Einbrüchen stattgefunden hat, war in der Statistik 2017 bei Abgabe nicht drin“, sagt Gerald Stock vom Landeskriminalamt (LKA). „Wir hatten einen Peak kurz vor Weihnachten.“

Dazu dürfte die Einbruchserie in Saarbrücken in den Wochen vor Silvester einiges beigetragen haben. Die Delikte landeten sofort im polizeilichen Erfassungssystem Kristal. Aber nicht unmittelbar in der Kriminalstatistik. Gezählt wurden sie erst als Überhänge im Folgejahr, also 2018. Das LKA erklärt dies mit den Ermittlungszeiten.

Ohne diese Zahlen wies die Kriminalstatistik 2017 nur 1391 Wohnungseinbrüche aus, einen erheblichen Rückgang (2016: 1947). Jetzt verursachen die Überhänge ein sattes Plus. Innenexperte Dennis Lander von der Linksfraktion im Landtag vermutet politische Eingriffe. Er wiederholt seinen früheren Vorwurf: „Wir sind nach wie vor der Meinung, dass da getrickst wurde.“ Weil Innenminister Klaus Bouillon (CDU) seinerzeit wegen der LSVS-Finanzaffäre unter Druck stand. „Man hat damals eine gute Nachricht gebraucht, und die hat man sich dann geschaffen.“

Helge Stoll, Landes-Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter. Foto: Becker&Bredel Foto: BeckerBredel

So weit will die SPD-Innenpolitikerin Petra Berg nicht gehen: „Ich halte das für überzogen.“ Die Sozialdemokratin sagt: „In der Tat ist es so, dass Statistiken gewissen Unwägbarkeiten unterliegen.“ Berg schaut eher kritisch auf die Erfolgszahlen der Polizei.„Mit dem Habhaftwerden dieses einen Täters hat man auf einen Schlag natürlich dann 420 Straftaten aufgeklärt“, sagt sie. Das schlage sich in derselben Höhe in der Aufklärungsquote nieder. Damit meint die Abgeordnete: Bei den übrigen Fällen müsste die Quote abfallen.