Wohneigentümer bekommen 20 000 Euro fürs Sanieren

Wohneigentümer bekommen 20 000 Euro fürs Sanieren

Baumholder. Nach einer langen Zitterpartie haben im Sommer 2008 die Bürger aus Baumholder und Umgebung gefeiert. Die amerikanische Regierung hatte den US-Standort als "enduring", also als langfristig gesichert eingestuft

Baumholder. Nach einer langen Zitterpartie haben im Sommer 2008 die Bürger aus Baumholder und Umgebung gefeiert. Die amerikanische Regierung hatte den US-Standort als "enduring", also als langfristig gesichert eingestuft. Der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch wertete diese Entscheidung damals als Ergebnis der guten Partnerschaft und der engen Zusammenarbeit mit der US-Seite. Unter anderem war Bruch zuvor in Washington und warb dort mit dem "Housing-Programm" der Landesregierung. Das Land wolle mit Hilfe von Investoren, so hieß es damals, dringend benötigten Wohnraum für die Soldaten schaffen und diesen an die Army vermieten. Im März 2004 war im Innenministerium von 582 neuen Wohneinheiten bei einer Übernahme von "Wetzel Housing" durch Privatinvestoren die Rede. Mit diesem Programm könnten die USA bis 2013 theoretisch 3,4 Milliarden Dollar sparen, hieß es damals.Das ist nun Jahre her. Und in Baumholder ist von den neuen Wohnungen noch nichts zu sehen. Genauso wenig wie von einer verbesserten Infrastruktur, die damals angekündigt worden war. Im Gegenteil: In Baumholder kursieren Gerüchte, der Standort sei längst nicht so gesichert wie angenommen. Zumal auch der Truppenübungsplatz von der Bundeswehr-Reform betroffen sein könnte.

Besonders prekär wird die Situation, da auf dem US-Standort in Baumholder in den nächsten Wochen neun Wohnblocks abgerissen werden, um neue, zeitgemäße Wohnungen zu bauen. Das heißt, mehr Soldaten als bisher müssen außerhalb des Standortes wohnen. Und in Baumholder werden die Wohnungen knapp, wie James Chen, der neue Stellvertreter des Kommandeurs, betont: "Ich würde gerne in Baumholder wohnen, aber es ist so schwierig, ein Haus zu finden." So wie ihm geht es auch anderen Soldaten - viele von ihnen weichen in den Landkreis St. Wendel aus.

Keinen Grund zur Eile sehen wohl die rheinland-pfälzische Landesregierung als auch die übergeordnete US-Seite. Die Zusammenarbeit klappe hervorragend, eine Arbeitsgruppe beschäftige sich mit dem Thema. "Die inhaltliche Ausgestaltung von Konzepten wird derzeit von den zuständigen Fachreferaten im Innenministerium vorbereitet", erklärt Elke Herberger, Pressesprecherin beim USAREUR-Hauptquartier (US Armee in Europa) in Heidelberg. Konkreter wird Eric Schäfer, ihr Pendant beim Innenministerium: "Die Landesregierung plant die Durchführung eines Modernisierungsprogramms auf Grundlage des Instrumentariums der Dorferneuerung." Ein solches Sonderförderprogramm für den privaten Markt solle Hauseigentümern in den Landkreisen um den US-Standort Baumholder helfen, über Modernisierungen Wohnraum für Angehörige der US-Streitkräfte anbieten zu können. Über die Ergebnisse aus den Fachreferaten werde das Ministerium "in naher Zukunft" nach Abstimmung mit den betroffenen Landkreisen detailliert informieren. Was die Konzepte konkret beinhalten, wann es losgehen soll und wieviel Geld in die Hand genommen wird, darüber konnten beide Seiten noch nichts sagen. Schäfer stellte lediglich in Aussicht, dass Privatpersonen mit bis zu 20 000 Euro unterstützt würden, wenn sie ihre Häuser sanieren müssen, um Amerikanern Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Schäfer: "Wenn dafür Geld gebraucht wird, ist es da."

Und auch in Sachen Sicherung des Standortes beruhigen Herberger und Schäfer. Die Pressesprecherin der US-Armee sagt: Baumholder steht auf der derzeitigen Liste von verbleibenden Standorten nach Abschluss der Transformations-Maßnahmen." Und auch Schäfer beteuert, dass der Status "enduring" gegenüber der Landesregierung sowohl auf Arbeitsebene als auch in Gesprächen zwischen Innenminister Bruch und Vertretern des US-Verteidigungsministeriums in Washington mehrmals bestätigt worden sei: "Nach den dem Innenministerium vorliegenden Informationen ist der Standort Baumholder - auch unabhängig von der derzeit ausstehenden Entscheidung seitens des US-Verteidigungsministeriums über die Anzahl der in Europa zu stationierenden Brigaden - insoweit gesichert."

Meinung

Taten müssen folgen!

Von Merkur-MitarbeiterinMelanie Mai

Mit einem Konzept warb Innenminister Karl Peter Bruch vor rund vier Jahren in Baumholder. Mit einem Konzept, das hunderte von Wohnungen für die Amerikaner vorsieht. Mit einem Konzept, das die amerikanische Seite beeindruckt habe, hieß es damals. Dieses Konzept sei mit ein Grund dafür, warum der Standort Baumholder erhalten bleibe, verlautete es später. Das Konzept heißt Housing-Programm. Spricht man den Innenminister heute auf dieses so erfolgreiche Konzept an, heißt es, die Ausgestaltung werde vorbereitet. Da stellt sich doch die Frage, was die Verantwortlichen in den vergangenen vier Jahren gemacht haben? Und mit welchem Konzept ist Karl Peter Bruch überhaupt nach Washington gereist?

Ein Teil dieser Wohnblocks wird abgerissen. Foto: privat.

Baumholderern und Außenstehenden drängt sich der Eindruck auf, dass die Bemühungen eingeschlafen sind, seitdem klar ist, die Amerikaner bleiben in Baumholder. Das ist, als würde ein Verehrer um die Angebetete werben. Dann sagt sie endlich ja - und muss jahrelang auf die Hochzeit warten. Als die Verantwortlichen Angst um den US-Standort haben mussten, war Baumholder ständig im Blickpunkt. Versprechungen wurden gemacht. Aber bis heute gibt es keine Ergebnisse. Das ist gefährlich. Denn diese Entscheidung ist keine bis in alle Ewigkeit. Sie wird immer wieder überprüft. Nach wie vor steht Baumholder in Konkurrenz zu anderen US-Standorten in Deutschland. Deshalb sollten die Politiker die Beziehung auch dann pflegen, wenn man sich die Treue geschworen hat. Sonst kommt es doch zur Trennung.

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