1. Saarland

Wohl des Kindes wird gesichert

Wohl des Kindes wird gesichert

Kreis Neunkirchen. Fälle verwahrloster Kinder haben unsere Gesellschaft und die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert. Vor diesem Hintergrund schauen die Mitarbeiter der Jugendämter - im Kreis Neunkirchen, aber auch anderswo - noch genauer hin, versichert Joachim Brill, Leiter Allgemeine Soziale Dienste (ASD) beim Kreisjugendamt

Kreis Neunkirchen. Fälle verwahrloster Kinder haben unsere Gesellschaft und die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert. Vor diesem Hintergrund schauen die Mitarbeiter der Jugendämter - im Kreis Neunkirchen, aber auch anderswo - noch genauer hin, versichert Joachim Brill, Leiter Allgemeine Soziale Dienste (ASD) beim Kreisjugendamt. Und sie verstärken ihre Anstrengungen, vorbeugend zu arbeiten, etwa im Kreis Neunkirchen durch eine Aufstockung der so genannten School-Worker. Bereit stehen vielfältige Hilfsangebote für Familien, die Erziehung nicht mehr allein schaffen (wir berichteten). Im Mittelpunkt steht immer das Wohl der Kinder oder Jugendlichen. Ist dieses Wohl massiv gefährdet, kann das Jugendamt das Kind oder den Jugendlichen aus der Familie raus "in Obhut nehmen". Dieses Verfahren ist klar geregelt und fußt auf gesetzlichem Auftrag (siehe Infokasten). Im Kreis Neunkirchen gab es im Jahr 2007 diesen Fall 28 Mal, wie Joachim Brill auf Anfrage mitteilt. Bis Jahresmitte 2008 waren es zehn Fälle. Brill: "Ziel unserer verstärkten Präventionsarbeit ist es, die Zahl von Inobhutnahmen zu senken.""Minderjährige haben ein Recht auf Schutz und Versorgung", sagt Michael Becker, Sozialarbeiter beim Kreisjugendamt. "Das Kinder- und Jugendhilfegesetz gibt uns den klaren Auftrag, das Wohl des Kindes oder Jugendlichen zu sichern." Darin heißt es: "Werden dem Jugendamt gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines Kindes oder Jugendlichen bekannt, so hat es das Gefährdungsrisiko im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte abzuschätzen." Im Falle der Jugendlichen sind es oft die Jugendlichen selbst, die "in Obhut" genommen werden wollen, erzählt Becker. So genannte "Selbstmelder". Für die Jugendlichen gibt es die Kriseninterventionsstelle und Wohngruppen. Anders liegt der Fall bei Säuglingen oder kleinen Kindern, die sich nicht selbst melden können. "Hier muss das Jugendamt nach umfassender Bewertung entscheiden, ob eine Gefährdung für das Wohl des Kindes vorliegt", fährt Michael Becker fort. Das Jugendamt versucht, eine Hilfe anzubieten. Sollte die Familie diese Hilfe nicht akzeptieren, hat das Jugendamt die Pflicht zu handeln. Michael Becker: "Wir machen gegebenenfalls eine Gefahrensmitteilung ans Familiengericht. Bei akuter Gefahr nehmen wir das Kind in Obhut." Für die Säuglinge und Kinder stehen Bereitschafts-Pflegefamilien für die allererste Zeit zur Verfügung.

HintergrundSozialgesetzbuch (SGB) § 8a: Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung (Auszug)(3) Hält das Jugendamt das Tätigwerden des Familiengerichts für erforderlich, so hat es das Gericht anzurufen; dies gilt auch, wenn die Personensorgeberechtigten oder die Erziehungsberechtigten nicht bereit oder in der Lage sind, bei der Abschätzung des Gefährdungsrisikos mitzuwirken. Besteht eine dringende Gefahr und kann die Entscheidung des Gerichts nicht abgewartet werden, so ist das Jugendamt verpflichtet, das Kind oder den Jugendlichen in Obhut zu nehmen. red