Wohin entwickelt sich die Kirche?

Bistum Trier : Wohin entwickelt sich die Kirche?

Das Bistum Trier wird reformiert. Ein Treffen des Bischofs mit Gläubigen in Dillingen zeigte: Nicht alle sind darüber erfreut.

Drei Stunden hörten und fragten am Freitagabend 300 meist haupt- und ehrenamtlich engagierte Katholiken in Dillingen Bischof Stephan Ackermann, wie das denn gehen solle mit der kompletten Neuaufstellung der Pfarreien in Deutschlands ältestem Bistum. Es war die erste von zwei sogenannten Resonanzveranstaltungen im Saarland, die fünfte insgesamt im Bistum. Rund 2000 Teilnehmer kamen laut Bistum zu den Treffen.

Der Plan: Alle bestehenden Pfarreien sollen aufgelöst werden. Das Bistum will an deren Stelle 35 ganz neue Pfarreien gründen, zehn davon im Saarland. Hier mit  28000 bis 76000 Katholiken je Pfarrei. Das hat, bekräftigte Ackermann, mit der herkömmlichen Pfarrei nur noch den Namen gemeinsam.

Wie also geht es weiter? Kaum einer in Dillingen fragte, wie das wirklich Neue denn genau aussehen solle: die Verlagerung der kirchlichen Heimat eines Katholiken von der Pfarrei als Ganzes auf eigenständige kleine Gruppen von Christen in den neuen großen Pfarreien. Dieser Geist hat offenbar noch nicht richtig verfangen. Ein Meinungsbild mit farbigen Karten ergab: Die überwältigende Zahl der Besucher kam „entspannt“ her, nur wenige „geladen“ – aber genauso wenige auch „hoffnungsvoll“.

Die Fragerichtung in Dillingen zielte fast durchweg darauf ab, was aus dem bisher Vertrauten in der großen Pfarrei werden solle: aus der Identifizierung mit der Pfarrei, aus lieb gewordenen Traditionen, aus den jetzt aktiv Engagierten, aus den Arbeitsplätzen, den Ansprechpartnern, dem Gemeindevermögen, dem Pfarrgemeinderat. Und warum etwas besser werden soll, bloß weil es größer wird. Die meisten Fragen müssen laut Bischof Ackermann und Manfred Thesing, dem Vorsitzenden des Katholikenrates im Bistum, noch geklärt werden. Zum Beispiel, was die bisherigen Pfarrgemeinderäte oder Pfarrverwaltungsräte ersetzen wird.

Ackermann erinnerte vehement daran, „dass wir uns in einer Krisensituation befinden. Das ist nicht der Untergang, fordert uns aber heraus. Vielleicht ist es die Weise, in der Christus mit uns spricht“. Es „kann so nicht weitergehen. Sonst fahren wir vor die Wand.“

Da seien einerseits Klagen der Engagierten, „am Limit“ zu sein.Andererseits gehe die Zahl der engagierten Katholiken zurück, ebenso die der Pastoralreferenten und der Priester. Er kritisiere niemanden, der den Verlust „lieb gewordener Traditionen“ betrauere, unterstrich Bischof Ackermann. Er bestehe aber darauf, dass jeder sich selbst Rechenschaft ablege, ob er Trauer letztlich um sich selbst oder wirklich um die Weitergabe des Glaubens empfinde.

Kirche, das wurde deutlich, soll künftig viel mehr in der alltäglichen Lebenshaltung der Christen anzutreffen sein als in Strukturen wie etwa einer Pfarrei.

Was gemeint sein kann, schilderte eine Mitarbeiterin des Kirchenladens Momentum in der Innenstadt von Neunkirchen. Dort treffe man Menschen an, die „zuhören, gemeinsam schweigen, sich anderen öffnen“. Das werde rege nachgefragt. „Man hört oft: Da hinten ist was von der Kirche. Da kannst du hingehen.“ Und ihr entscheidender Satz, der für die ganze Reform des kirchlichen Lebens stehen könnte: „An was wollen wir denn erkannt werden?“ Dafür gab es von den Anwesenden viel nachdenklichen Applaus.

Ein vielfach Engagierter, Martin Bock aus Dillingen, sagte: „An mir soll es auch künftig nicht liegen. Aber ich bin gewähltes Mitglied des Pfarrverwaltungsrates. Den wird es dann ja so nicht mehr geben. Ich gehe davon aus, dass ich von Ihnen ein Schreiben zu meiner Entpflichtung bekomme.“ Die Bistumsleitung hat es sogleich notiert.

Am Freitag, 16. Juni, findet um 18 Uhr in der Kirche der Jugend (Hellwigstraße 15) in Saarbrücken eine weitere Resonanzveranstaltung statt.

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