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Wo zum Fest die Löffel fliegen

Wo zum Fest die Löffel fliegen

Saarbrücken. Premiere heißt Aufregung. Vorher, aber auch wenn die Zuschauer gegangen sind. "Wir kommen heute bestimmt erst gegen Mitternacht zur Ruhe", sagt Akrobatin Stefanie Casselly-Frank. Jetzt, um acht, geht es los: Aladin nimmt seinen Mut zusammen, dann einen guten Anlauf und hopp, hopp ist er über drei sibirische Steppenkamele gesprungen. Ohne fliegenden Teppich

Saarbrücken. Premiere heißt Aufregung. Vorher, aber auch wenn die Zuschauer gegangen sind. "Wir kommen heute bestimmt erst gegen Mitternacht zur Ruhe", sagt Akrobatin Stefanie Casselly-Frank. Jetzt, um acht, geht es los: Aladin nimmt seinen Mut zusammen, dann einen guten Anlauf und hopp, hopp ist er über drei sibirische Steppenkamele gesprungen. Ohne fliegenden Teppich. Dafür braucht er keine Magie. Nur ein Leckerli und ein bisschen Getätschel auf seine lockige Wolle.Denn dieser Aladin ist kein Märchenheld, sondern ein Lama aus dem Circus Alberti, der auf den Saarterrassen seine Weihnachtsvorstellungen gibt.

Kaum hat Aladin die Manege geräumt, da ziehen Bauchtänzerinnen auf dem Seil die Blicke auf sich. Und als Martino Alberti einen einarmigen Handstand auf einem vier Meter hohen Stuhlturm macht, steht mancher Mund im Publikum offen. Gebrannte Mandeln sind plötzlich unwichtig.

Glucksendes Kinderlachen begleitet die Revue der Ziegen, die - als wäre es das Normalste auf der Weide - keck über ein Brett auf zwei Pferderücken promenieren. Dann lässt sich ein Pony von einem bizarren, elfenartigen Weihnachtswesen durch die Manege jagen.

Als es trippelnd seinen kleinen Fellhintern mit vier anderen Ponys im Takt zu einem Schlittenlied schwingt, zücken Zuschauer die Kamera.

Aber es sind erst die Clowns, die aus der Aufführung einen Zirkusabend machen. Sie erzählen als jonglierende Komiker die Geschichte vom Weihnachtsessen. Dazu hat Tellerjongleur Charlie in die Porzellankiste gegriffen und wirbelt Keramik durch die Luft. Merke: Lässt er zu viel fallen, sieht es schlecht aus für das Weihnachtsessen.

Doch das Weihnachtsessen kommt in noch größere Gefahr: Zehn Teller will der flinke Clown auf langen Stäbchen in der Luft kreiseln lassen. Gleichzeitig, sonst fehlte ja der artistische Schmackes. Nur die letzten beiden treiben ihm den Schweiß unter seine Kochmütze. "Achtung, Charlie!", ruft ihm Casselly-Frank zu. Er saust von links nach rechts. "Nein, Charlie, das andere Rechts!" Vor den Zuschaueraugen fängt Charlie gut. Am Ende hat er alle Teller heil rauf und runtergebracht. Happy End in der Manege.

Aber wie ist das bei Artisten überhaupt an Weihnachten mit dem Essen? Gekocht wird schon am Abend des 23. Dezember, "damit wir es am Heiligabend nur noch aufwärmen müssen, wir haben ja vorher eine Vorstellung", erzählt die Akrobatin Stefanie Casselly-Frank später hinter der Bühne.

Nach der Vorstellung, noch im Kostüm, wiegt Casselly-Frank ihre drei Monate alte Tochter. "Die neunte Artistengeneration, die im Wohnwagen aufwächst", sagt die 35-Jährige. Dann versorgen alle die Tiere, ziehen sich um, räumen auf und besprechen die Vorstellung.

Auf einen Blick

Der Weihnachtscircus gastiert bis Sonntag, 8. Januar 2012, auf dem Festplatz Saarterrassen. Die Weihnachtstermine: Aufführungen sind am Heiligabend um 14 Uhr sowie am 1. und 2. Weihnachtstag jeweils um 15 und 19 Uhr.

Weitere Infos über Termine: Tel. (01 63) 2 44 82 18 oder im Internet. sop

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 Die Akrobatinnen Shirley Frank und Sina Richter auf dem Seil.
Die Akrobatinnen Shirley Frank und Sina Richter auf dem Seil.

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