1. Saarland

Wo Rittersleut' und Kelten gemeinsam feiernSchmalzbrote von Prinzessin Margret

Wo Rittersleut' und Kelten gemeinsam feiernSchmalzbrote von Prinzessin Margret

Orscholz. Charmant reicht der kleine Ritter Schokoladen-Riegel in die Menge. "Der Schild ist ja fast größer als der junge Mann", schmunzelt ein Zuschauer - eine Feststellung, die den Knirps zu einer Zugabe anspornt: noch eine Süßigkeit. Die knuffigen Mini-Recken und süßen Burgfräuleins der Kita St

Orscholz. Charmant reicht der kleine Ritter Schokoladen-Riegel in die Menge. "Der Schild ist ja fast größer als der junge Mann", schmunzelt ein Zuschauer - eine Feststellung, die den Knirps zu einer Zugabe anspornt: noch eine Süßigkeit. Die knuffigen Mini-Recken und süßen Burgfräuleins der Kita St. Marien jedenfalls genießen die Aufmerksamkeit der zahlreichen Festbesucher in vollen Zügen. Dicht an dicht die Gäste beim historischen Umzug in Orscholz - trotzen dem Wind, der ihnen herbstlich-kühl um die Ohren pfeift, halten den dicken Regentropfen stand, die hin und wieder auf sie niederprasseln. Die fast 50 Wagen und Fußgruppen gestalten am Sonntag eine Geschichtsstunde in farbenfrohen Bildern.Nur zu gerne schenkt Wolfgang Kohn, Hauptamtsleiter des Mettlacher Rathauses, Hochprozentiges aus - und findet Abnehmer zuhauf. Eine Amtstube anno 1900 haben Kohn, sein Chef Carsten Wiemann und zehn Mitarbeiter der Verwaltung für ihren Auftritt bei dem Umzug "Orscholz im Wandel der Zeiten" auf den Wagen gestellt. "Wir haben den alten Schreibtisch und den Stuhl im Rathaus gefunden", verrät Nicole Kraus.

"Wenn's uns zu kalt wird, wärmen wir uns am Bulleröfchen", lacht Hannelore Schneider-Büdinger. "Das Wetter hält", ist Bürgermeister Carsten Wiemann sicher. Dass es dann doch etwas nass wird, kann den Verwaltungschef nicht schocken. Ganz im Stile der "guten, alten Zeit" ist er gewandet - Stock und Brille inklusive. "Guten Tag, guten Tag", grüßt er freundlich in die Runde und wird mit seinem Team zu einem heißbegehrten Fotomotiv. Zur Feier des Tages hat Förster Hans-Peter Pitzer die Farben vertauscht: In Rot statt im obligatorischen Grün lenkt er den Traktor, der die "Amtsstube" zieht.Derweil verschenken Oliver Wacht, Bernhard Schneider und weitere Helfer Brot, Lyoner und Viez. Mit "Osen EiseMascht" erinnern die Christdemokraten an die Stelle, von der aus ein Omnibus das Essen für die Mitarbeiter von V&B brachte. "Diese Deppches brachten die Ehefrauen zum eisernen Mast", erzählt Wacht, während auf dem Wagen im Akkord der "Proviant" zusammengestellt wird. Ins "Grumberstick" von einst nehmen die Messdiener mit. Die Historie der Gesamtschule Orscholz erzählen Schüler und Lehrer. Schlepperbande, Frauengemeinschaft, die Orscholzer Touristik als Kelten, Inliner, Musikverein, der Partnerschaftsverein und die Angler reihen sich in den Umzug ein. Historisch spritzig: die Abordnung der Wellinger Feuerwehr.

Längst mit dem Drahtesel verwachsen, nehmen die Varadeser so manche Kurve. Eigens für diesen Tag sind 20 Franzosen aus der Orscholzer Partnerstadt an der Loire an die Cloef geradelt. Stolz auf sein Dienstfahrzeug mit zwei Rädern ist der Orscholzer Ortsvorsteher Hermann Kiefer - eines mit Blaulicht. "Jetzt kann ich Feuerwehr und Polizei spielen. Orscholz ist jetzt von jeder Reform unabhängig", lacht er und freut sich über vielen Zuschauer, die zu der Geburtstagsfeier an die Cloef kommen.Orscholz. Wie viele Schmalzbrote die Fußballerinnen der Victoria geschmiert haben, vermag Margret Michel nicht zu sagen. Ihre königliche Kleidung hat die Prinzessin vom närrischen "Prinzenpaar des Jahres" aus Nohn mit der Robe eines Burgfräuleins vertauscht. "Tolle Atmosphäre, schöne Veranstaltung", strahlt sie und lässt ihren Blick schweifen. "Damit auch unsere Frisur zu der Ritterzeit passt, hat unsere Friseurin Sandra Berg am Morgen unzählige Zöpfe geflechtet", verrät sie und winkt ihrer Sportsfreundin, die den Festumzug auf der rollenden Ritterburg genießt, fröhlich zu. Derweil warten Mitglieder des Kultur- und Heimatvereins Keßlingen auf den Start. Einen phantasievollen Wagen haben sie für ihren Auftritt zusammengestellt. "Wir sind mit 18 Leuten und vier Traktoren hier", verraten sie. Und so einige Schmankerl in flüssiger Form hat die muntere Truppe aus dem Perler Ortsteil für die Zuschauer ebenfalls im Gepäck. Während sie unbekümmert ihre Köstlichkeiten ausschenken, müssen die kleinen Majoretten aus Forbach zunächst ihre Scheu überwinden. Gut, dass Mama und Papa ihnen zur Seite stehen, noch besser, dass sie sich auf "Erfahrenen" der Crew verlassen können. Und die Musik spielt dazu. Ob die Orscholzer, der Fanfarenzug aus Oberesch oder Ensembles aus anderen Orten: So mancher Ohrwurm erklingt.

Während Teilnehmer und Zuschauer den Umzug genießen, konzentrieren sich Polizisten und Feuerwehr ganz auf die Sicherheit. So wird das Funkgerät für Feuerwehrfrau Tanja Remmel zum ständigen Begleiter - selbst die kleinste Kleinigkeit wird registriert. Über das bunte Treiben - ob beim Bauernmarkt am Cloef-Atrium oder beim Umzug - ist Simone Dreja, bekennende Wahl-Orscholzerin, begeistert. Vor zehn Jahren ist sie aus Wiebaden hierher gezogen - und hat es nach eigenen Worten noch nie bereut. "Mit Rad und Blau- licht: Jetzt kann ich Feuerwehr und Polizei spielen."

Herrmann Kiefer

Ortsvorsteher