Wo die Realität den Touristen belohnt

Wo die Realität den Touristen belohnt

Journalisten verspäten sich öfter mal, wenn sie von Termin zu Termin hetzen. Wieder mal kein Parkplatz in Saarlouis zu finden. Weil die Leute parken, naja, vielleicht wie in Frankeich. Manchmal warten Journalisten auch. Wie dieser Tage in der Mairie, pardon, im Rathaus der französischsten aller deutschen Städte. Beim Warten fällt der Blick auf saarländische Tourismus-Broschüren im Info-Ständer

Journalisten verspäten sich öfter mal, wenn sie von Termin zu Termin hetzen. Wieder mal kein Parkplatz in Saarlouis zu finden. Weil die Leute parken, naja, vielleicht wie in Frankeich. Manchmal warten Journalisten auch. Wie dieser Tage in der Mairie, pardon, im Rathaus der französischsten aller deutschen Städte. Beim Warten fällt der Blick auf saarländische Tourismus-Broschüren im Info-Ständer. Die englische Fassung bewirbt "Saarland - A German Region with a French Flavour". Unser französisches Flair, das ist gemeint. Punktet der Saarländer damit auch in Frankreich? Nein. Dieselbe Broschüre auf Französisch: "Une région à portée de main", heißt: "Zum Greifen nah". Kein französisches Flair. Über Saarlouis erzählt die französische Broschüre von Maréchal Ney, dessen Epoche in Saarlouis wiederauflebt. Kein Wort davon zu den Briten. Über Sarrelouis erfährt der Franzose weiter: Saarlouis wird als "la capital sècrete", heimliche Haupstadt, betrachtet - also nur behauptet. Den Briten aber wird das als Fakt vorgesetzt: Saarlouis "ist" die "secret capital" des Saarlandes.Und was der Tourist erst in der Altstadt erlebt! Wir hier wissen ja, was das ist. Der Franzose wird elegant vorbereitet: auf "l'ambiance convivale et le légendaire art des vivre sarrois". Fast zu schön, um es zu übersetzen. Also: gastfreundliche Umgebung und die legendäre Kunst des saarländischen Lebens, oder so ähnlich. Den Briten verschlägt's im Prospekt in einen sprachlichen Salto. Ihn erwartet hier eine "joie de vivre made in Saarland." Lebensfreude, hergestellt im Saarland, vielleicht. Ob der Brite oder der Franzose, der in die Saarlouiser Altstadt kommt, das alles wirklich erwarten möchte? Erfahrungsgemäß: Nein. Der hofft dort auf das legendäre deutsche Bier. Er wird mit der Realität belohnt.

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