1. Saarland

Wo Akkorde durch die Nase gehen

Wo Akkorde durch die Nase gehen

Saarlouis. "Mögen sie grüne Noten?", fragt Philipp Große-Beck seine Kundin Gabriele Jaeck. Große-Beck ist Parfümeur und bietet seit einiger Zeit in seiner Parfümerie in Saarlouis mit seiner Duftorgel eine Besonderheit an. Dort dürfen Kunden ihren eigenen Duft kreieren. Er führt Jaeck langsam an ihre eigene Kreation heran

Saarlouis. "Mögen sie grüne Noten?", fragt Philipp Große-Beck seine Kundin Gabriele Jaeck. Große-Beck ist Parfümeur und bietet seit einiger Zeit in seiner Parfümerie in Saarlouis mit seiner Duftorgel eine Besonderheit an. Dort dürfen Kunden ihren eigenen Duft kreieren. Er führt Jaeck langsam an ihre eigene Kreation heran. Die Saarlouiserin weiß, sie mag keine Zitronendüfte, ansonsten möchte sie sich überraschen lassen. Und manche Akkorde (eine bestimmte Duftrichtung) sorgten für Überraschungen.Große-Beck taucht den Teststreifen in einen Akkord mit Bambusnote. "Ich wusste gar nicht, dass Bambus riecht. Es ist ein angenehmer Duft, sehr frisch", folgert Jaeck. Der Parfümeur bestimmt zunächst die Kopfnote, der erste Eindruck eines Duftes, der unmittelbar nach dem Aufsprühen wahrzunehmen ist. "Kopfnoten sind flüchtige Essenzen, die nach 15 bis 30 Minuten nicht mehr präsent sind und den Weg ins Herz öffnen", erklärt der Parfümeur.

Die Herznote ist die zweite Stufe der Kreation. Sie sind meist die umfangreichsten und persönlichsten Noten eines Duftes, je nach Zusammensetzung hält er bis zu drei Stunden an. Um das Parfüm am Ende abzurunden, braucht es eine Basisnote. Sie besteht oft aus Hölzern, Harzen, animalischen Essenzen und Balsamen.

Eine Duftorgel ist in die drei Bereiche Kopf-, Herz- und Basisnoten aufgeteilt. "Sie kann aus unendlich vielen Essenzen bestehen", sagt der Parfümeur. Er baute sich seine Duftorgel ganz nach seinen Vorstellungen auf. Über 100 Akkorde hat Große-Beck bisher zusammengestellt. Jede einzelne besteht aus drei bis fünf Essenzen. Damit steht dem Kunden ein breites Spektrum bekannter und weniger bekannter Duftnoten zur Verfügung.

Bei den fertigen Kreationen handelt es sich stets um ein "Eau de Parfüm". Möchte ein Kunde jedoch ein Parfüm, so kann Große-Beck auch diesen Wunsch erfüllen. "Die Konzentration des Parfüms lege ich in Saarlouis fest und lasse die Kreation in Südfrankreich mischen und reifen", sagt er. Apropos reifen: Zwischen vier und sechs Wochen dauert die Reifezeit eines Duftes.

"Bei den Akkorden handelt es sich um Kreationen, die den Grundlagen der Chemie unterliegen. Alle zusammengestellten Akkorde müssen zunächst aufeinander einwirken und der Duft muss seine Ordnung finden", erklärt der Parfümeur.

Wenngleich sich Gabriele Jaeck nun noch ein wenig gedulden muss, bis sie ihr Parfüm an sich tragen darf, ihren Duft selbst kreiert zu haben, begeisterte sie. Zwei Stunden lang saß sie mit dem Parfümeur an der Duftorgel, tastete sich nach und nach an ihre Kreation eines Sommerduftes heran, der ganz sicher einzigartig ist. Diese Einzigartigkeit kostet 290 Euro für 75 Milliliter.