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"Wir wollen das gleiche Recht für alle"

"Wir wollen das gleiche Recht für alle"

Nonnweiler. Spätestens im Sommer 2017 geht in der Erweiterten Realschule (ERS) in Nonnweiler das Licht aus - sollte der Plan des saarländischen Bildungsministeriums umgesetzt werden

Nonnweiler. Spätestens im Sommer 2017 geht in der Erweiterten Realschule (ERS) in Nonnweiler das Licht aus - sollte der Plan des saarländischen Bildungsministeriums umgesetzt werden. Denn im Entwurf zum neuen Schulordnungsgesetz steht, dass die Erweiterten Real- und Gesamtschulen im Saarland, die in den letzten drei Schuljahren jeweils nur eine Klasse fünf bildeten, nicht in Gemeinschaftsschulen umgewandelt werden, damit keine neuen Schüler aufnehmen dürfen. Betroffen sind zwei Erweiterte Realschulen: die Nonnweiler ERS am Standort Primstal sowie die in Mandelbachtal. Beide bleiben nach dem Ministerplan als ERS nur so lange noch bestehen, bis ihre angemeldeten Schüler alle Klassenstufen durchlaufen haben.Der Landkreis St. Wendel als Schulträger will dies nicht hinnehmen. unterstrich Landrat Udo Recktenwald (CDU) im SZ-Gespräch ebenso wie die Vertreter der beiden Kreistagsfraktionen von SPD und CDU (SZ-Ausgabe 1./2./3. Oktober).

Widerstand kommt auch aus Nonnweiler. "Der Vorschlag des Bildungsministeriums ist nicht nachzuvollziehen und nicht zu akzeptieren", sagt Bürgermeister Franz Josef Barth. Er will Bildungsminister Klaus Kessler (Grüne) beim Wort nehmen. In der gestrigen SZ-Ausgabe sagte Kessler: "Wir müssen einkalkulieren, dass sich mit der neuen Schulform auch die Anmeldezahlen an dem jeweiligen Schulstandort positiv verändern." Barth reagiert darauf: "Genau das wollen wir in Anspruch nehmen." Und betont: "Wir wollen das gleiche Recht für alle. Die Erweiterte Realschule Nonnweiler muss ebenfalls fünf Jahre Zeit bekommen, ihr Profil zu entwickeln und sich zu behaupten."

Die Schule habe einen neuen Schulleiter, ein neues pädagogisches Konzept. "Jetzt muss man ihm auch eine Chance geben. Die Schule hat die volle Unterstützung der Gemeinde."

Dies zeige sich an den Investitionen. So habe Nonnweiler in die Energie sparende Sanierung der kleinen Turnhalle im Vorjahr 200 000 Euro gesteckt. Zudem seien dieses Jahr 100 000 Euro fürs Multifunktionsfeld ausgegeben worden. Barth empört sich: "Wir stützen den Standort, und jetzt soll die Schule geschlossen werden."

Im Einsatz für deren Erhalt seien sich Gemeinde und Landkreis einig. Mit dem Landrat werde er sich deshalb zusammensetzen. Ein Brief an den Bildungsminister mit der Bitte um ein Gespräch sollte noch am Mittwoch verschickt werden.

"Jetzt hat die Schule einen neuen Weg eingeschlagen, und dann gibt man ihr keine Zukunft": Empört ist auch Bettina Zimmer aus Primstal. Zimmer ist die neue Elternsprecherin, ihre Zwillinge besuchen die fünfte Klasse. Vom pädagogischen Konzept ist sie überzeugt, dies baue auf der Arbeit der Kindertagesstätte auf. Der Schulleiter sei sehr engagiert, ebenso die Lehrer. Und jetzt ersticke das Land diese Ansätze im Keim. Zimmer fragt: "Wenn die jetzige Schule doch noch Jahre weiter besteht und ausläuft, warum kann man ihr auch nicht eine neue Chance geben?" Kosten liefen doch weiter.

Hintergrund

Ab kommendem Schuljahr gibt es im Saarland nur noch zwei weiterführende Schulformen: Gymnasien und Gemeinschaftsschulen. Erweiterte Realschulen und Gesamtschulen werden zu Gemeinschaftsschulen. Das dafür nötige "Gesetz zur Änderung des Schulordnungsgesetzes" ist noch nicht beschlossen. Der Entwurf befindet sich in der externen Anhörung, dort werden zum Beispiel die Schulträger gehört. Dann wird es im Landtag beschlossen.

Die Erweiterte Realschule in Nonnweiler ist die kleinste weiterführende Schule im St. Wendeler Land. Sie zählt zurzeit 136 Schüler, davon 17 in der Klasse fünf. vf