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"Wir müssen die Arbeitsplätze sichern"Burbacher Draht für Stahlgürtelreifen

"Wir müssen die Arbeitsplätze sichern"Burbacher Draht für Stahlgürtelreifen

Burbach. Ein Stadtteil und "seine" Hütte, Burbach und Stahl - Begriffe die seit der Gründung der Saarbrücker Eisenhüttengesellschaft 1856 untrennbar miteinander verbunden sind. Nicht nur, dass der Industriebetrieb einen großen Teil der Fläche im Stadtteil einnahm, in Spitzenzeiten fanden bis zu 7000 Menschen "uff der Hitt" Lohn und Brot

Burbach. Ein Stadtteil und "seine" Hütte, Burbach und Stahl - Begriffe die seit der Gründung der Saarbrücker Eisenhüttengesellschaft 1856 untrennbar miteinander verbunden sind. Nicht nur, dass der Industriebetrieb einen großen Teil der Fläche im Stadtteil einnahm, in Spitzenzeiten fanden bis zu 7000 Menschen "uff der Hitt" Lohn und Brot. Heute arbeiten am Standort Burbach der Saarstahl AG "nur" noch rund 700 Mitarbeiter in den blauen Hallen an der Saar, die Verbundenheit ist aber geblieben. "Schon mein Vater war hier Schlosser", berichtet Sascha Rebmann. Der 34-jährige Burbacher ist in der Halbzeugvorbereitung - praktisch in der Wareneingangsstelle - beschäftigt. "Als Burbacher ist man natürlich auch emotional mit dem Unternehmen verbunden", sagt der gelernte Zweiradmechaniker, "und bei uns ist es ja fast Familientradition." Dieses enge Verhältnis wird durch die Verlässlichkeit der Saarstahl-Führung selbst in schwierigen Zeiten weiter verstärkt. "Saarstahl ist ein Weltkonzern", betont Jörg Haßdenteufel. Der 33-jährige Kranführer ist seit 2003 im Betrieb. "Man muss sich keine Sorgen machen um seinen Lohn. Auch jetzt nicht in der Wirtschaftskrise."Die ging auch diesmal nicht spurlos an Burbach vorbei. Im Januar wurde Kurzarbeit beantragt. "Dieser Wechsel von Voll- in Kurzarbeit zehrt schon an den Nerven", gesteht Rebmann. Sein Kollege Haßdenteufel ergänzt: "Nachdem wir in den letzten Jahren sehr gut verdient haben, ist das jetzt auch finanziell ein Einschnitt. Aber uns geht es besser als anderen. Während andernorts Mitarbeiter vierzehn Tage zu Hause bleiben mussten, waren es bei uns zwei." Einer der alle Stahl- und Wirtschaftskrisen sowie das langwierige Konkursverfahren des Unternehmens miterlebt hat, ist Dieter Raubuch. Der 64-jährige Betriebsratsvorsitzende hat 1960 seine Ausbildung zum Walzendreher in Burbach begonnen. "Damals gab es nur vier Arbeitgeber: die Grube, die Hütte, kleine Handwerker oder den öffentlichen Dienst", erinnert sich Raubuch, der in sieben Monaten in Ruhestand gehen wird, "unsere Hütte war Burbach, darauf waren wir stolz und haben sie verteidigt. Völklingen - das war Röchling. Die Fusion damals, war schon ein Schlag." Die zunehmende Technisierung und Automatisierung, die Stilllegung der Hochöfen bedingt auch durch den Preisverfall auf dem Stahlmarkt kostete in Burbach viele Arbeitsplätze. Auch wenn der Abbau mit Sozialplänen einherging, traf er den Stadtteil schwer. "Es bringt nichts, sich mit der Vergangenheit aufzuhalten", sagt der Betriebsratsvorsitzende, "wir müssen die bestehenden Arbeitsplätze sichern. Wir setzen uns heute dafür ein, dass die Auszubildenden von heute übernommen werden." Da stehen die Chancen an einer der weltweit modernsten Drahtstraßen nicht schlecht, wie Werksleiter Gerd Becker bestätigt: "Wir sind für die Zukunft gut aufgestellt." Die Geschichte von Burbach und seinem Stahl wird also weitergehen. Burbach. Ein Stückchen Burbach nutzt jeder von uns - eine für viele sicher überraschende Feststellung. "Der Draht für das Drahtgeflecht vieler Autoreifen wird bei uns vorgefertigt", erklärt Gerd Becker, Diplom-Ingeneur und Werksleiter der Saarstahl AG am Standort Burbach, "unser Draht wird aber auch für Brücken eingesetzt oder in Magnetstreifen von Scheckkarten." Aus 22 Meter langen und bis zu 2,5 Tonnen schweren, quadratischen Stahlstangen - den so genannten Knüppeln - wird auf der modernen vieradrigen Walzstraße ein bis zu 19 Kilometer langer Draht hergestellt, der als Ausgangsmaterial für viele alltägliche Produkte dient. Weltweit gibt es nur eine Hand voll derartiger Walzstraßen. In einem vollautomatischen Verfahren wird der Knüppel zunächst auf bis zu 1200 Grad aufgeheizt und anschließend auf Drahtstärken von fünf bis 16 Millimeter ausgewalzt. An der über 200 Meter langen Anlage arbeiten pro Schicht etwa 16 Mitarbeiter. 54 junge Menschen werden derzeit am Standort Burbach ausgebildet, ihre Zukunftsaussichten sind gut. "Wir bilden für unseren eigenen Bedarf aus", sagt Unternehmenssprecher Uwe Schneider: "Es gibt zwar keine Entwarnung in der Wirtschaftskrise, aber wir spüren eine leichte Belebung. Auch darum haben wir uns entschlossen, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird."In Burbach werden im Jahr bis zu eine Million Tonnen Draht erzeugt.