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Neue Studie
Wir-Gefühl im Saarland besonders groß

Das Wir-Gefühl im Saarland ist besonders groß. (Symbolbild)
Das Wir-Gefühl im Saarland ist besonders groß. (Symbolbild) FOTO: Werner Baum / dpa
Gütersloh/Saarbrücken. Der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland ist besser als sein Ruf. Einer Umfrage zufolge ist er im Saarland, Baden-Württemberg und Bayern am größten. Schlechter sieht es in den neuen Bundesländern aus.

In keinem anderen Bundesland ist der gesellschaftliche Zusammenhalt so stark wie im Saarland. Das geht aus einer gestern vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor. Die Forscher hatten insgesamt neun verschiedene Kategorien unter die Lupe genommen – vom intakten Verhältnis zu Nachbarn und Arbeitskollegen, über die Akzeptanz von unterschiedlichen Lebensstilen oder der Verbundenheit mit dem Wohnort bis hin zum Vertrauen in staatliche Institutionen und der Frage nach gelebter Solidarität und Hilfsbereitschaft.


Bei fast allen abgefragten Themen liegen die Werte für das Saarland teils deutlich über dem Durchschnitt. Nur beim Vertrauen in Mitmenschen und dem Gerechtigkeitsempfinden werden die bundesweiten Werte leicht unterschritten. Insgesamt erreicht das kleinste Flächenland damit 63 von 100 möglichen Punkten – das ist das deutsche Top-Ergebnis. Hinter dem Saarland folgen Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz. Am Ende der Rangliste liegen alle ostdeutschen Bundesländer, Schlusslicht ist Sachsen mit einem Gesamtwert von 57.

Auch das Zusammenleben mit Flüchtlingen scheint im Saarland besser zu funktionieren als in vielen anderen Regionen. Die Frage, ob es in der Nachbarschaft große Probleme mit Geflüchteten gibt, verneinten 83 Prozent der Saarländer. Das ist der bundesweit fünfthöchste Wert, Spitzenreiter ist Schleswig-Holstein. Die größten Schwierigkeiten gibt es den Angaben zufolge in Sachsen, Baden-Württemberg, Bremen und Nordrhein-Westfalen.

Insgesamt ist nach Einschätzung der Studienautoren der gesellschaftliche Zusammenhalt dort größer, wo das durchschnittliche Wohlstandsniveau hoch ist und wo mehr Menschen gegenüber der Globalisierung positiv eingestellt sind. Wie viele Ausländer und Migranten in einer Region oder einem Bundesland lebten, spiele dagegen keine zentrale Rolle. Um den Zusammenhalt zu stärken, empfiehlt der Bertelsmann-Experte Kai Unzicker mehr Engagement gegen soziale Ungleichheit und Armut. Auch die wirtschaftliche Situation in den ostdeutschen Bundesländern müsse verbessert werden, betonte er. Vor allem auf lokaler Ebene sollte es zusätzliche Maßnahmen geben, um die Teilhabe und den Kontakt zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu ermöglichen. Auch die Förderung des Ehrenamts sei ein wichtiger Bausteine für das allgemeine Wir-Gefühl.

Für die Studie mit Namen „Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt“ wurden im Frühjahr mehr als 5000 Menschen befragt.