Winterbacher halten ihr Gelübde

Winterbach. 1858 wurde das damals noch bäuerliche Dorf Winterbach von der Rinderpest heimgesucht und die Bauern gerieten nahezu an den Bettelstab. Feierlich gelobten sie, künftig alljährlich an Christi Himmelfahrt in den Wallfahrtsort Eberhard-Klausen an der Mosel zu pilgern, wenn das Dorf von weiteren Seuchen verschont bliebe. Und so geschah es

 Alois Görgen.

Alois Görgen.

Winterbach. 1858 wurde das damals noch bäuerliche Dorf Winterbach von der Rinderpest heimgesucht und die Bauern gerieten nahezu an den Bettelstab. Feierlich gelobten sie, künftig alljährlich an Christi Himmelfahrt in den Wallfahrtsort Eberhard-Klausen an der Mosel zu pilgern, wenn das Dorf von weiteren Seuchen verschont bliebe. Und so geschah es. Im Jahre 1859 zog die dankbare Bevölkerung zum ersten Male in großer Zahl nach Klausen, um ihren Dank abzustatten. So ist es bis heute geblieben. Die Erfüllung des Gelübdes wurde bisher nicht unterbrochen, auch nicht im schlimmen Kriegsjahr 1944, als nur ein einziger Winterbacher nach Klausen pilgerte.Wenn sich in den Vormittagsstunden des Feiertages die Wallfahrer zusammenfinden, dann liegt ein 75 Kilometer langer Fußmarsch vor ihnen. Nach dem pastoralen Segen in der Pfarrkirche machen sich die jeweils etwa 70 bis 100 Personen auf den Weg das Gelübde zu erfüllen. Viele sind schon seit Jahrzehnten dabei.

Angeführt werden die Pilger von Alois Görgen, der in wenigen Wochen seinen 75. Geburtstag feiern kann. Er ist in diesem Jahr zum 45. Male dabei und führt nun schon seit 37 Jahren die Gläubigen an. Zunächst gemeinsam mit seinem Vorgänger Sepp Scheid. Als dieser aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr teilnehmen konnte, übernahm er die Führung. Aus seinen Händen erhielt er den Pilgerstab mit dem Auftrag das Brauchtum, weiter zu pflegen.

Die Wegstrecke ist, bis auf kleinere Abweichungen, die gleiche geblieben.

Die erste Teilstrecke führt durch den Winterbacher Wald in Richtung Tholey-Theley. Hier stoßen seit ein paar Jahren weitere Pilger aus Alsweiler und Tholey hinzu. Von Tholey geht es weiter in Richtung Primstal, Nonnweiler bis nach Hermeskeil.

Am nächsten Tag geht es weiter in Richtung Bescheider Mühle bis Trittenheim, dann durch die Weinberge nach Klausen. Das Glockengeläut kündigt das Erreichen des Zieles an. Die abendliche Maiandacht wird von Alois Görgen gestaltet.

Der jetzt fast 75-jährige gelernte Dreher stammt aus einer religiösen Familie und ist seit seiner Kindheit der Marienverehrung zugetan. Viel beschäftigt ist er in der Winterbacher Pfarrei, wo er die pastoralen Kräfte unterstützt, sei es als Kommunionhelfer, Lektor oder als Mitglied im Pfarrgemeinderat. maw

Hintergrund

 Die Winterbacher Pilger vor dem Start. Fotos: VA

Die Winterbacher Pilger vor dem Start. Fotos: VA

Die Wallfahrtskirche Klausen kann auf eine über 500-jährige Geschichte zurückblicken. Sie nimmt ihren Anfang in dem Wirken des Marienverehrers Eberhard, ein Winzer, Bauer und Tagelöhner. Um das Jahr 1440 stellte er am Ort der heutigen Wallfahrtskirche eine Figur der schmerzhaften Muttergottes auf. Neben dem Bildstock errichtete er im Jahre 1442 das Häuschen (clausa). Bald darauf fanden sich die ersten Besucher und Pilger ein, die Opfergaben vor dem Marienbild ablegten. Um den Diebstählen der Opfergaben vorzubeugen, baute Eberhard neben dem Marienhäuschen eine Hütte und lebte dort als Einsiedler. Das Marienhäuschen wurde 1444 durch eine größere Kapelle ersetzt. Die heutige Wallfahrtskirche wurde im Jahr 1502 eingeweiht. Mittlerweile ist Klausen der wohl bekannteste Wallfahrtsort in Rheinland-Pfalz. maw

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