1. Saarland

Windräder ja, aber nicht in dieser großen Zahl

Windräder ja, aber nicht in dieser großen Zahl

Sitzerath. Bundesumweltminister Peter Altmaier hat sie schon, Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer auch. Landrat Udo Recktenwald und der Nonnweiler Bürgermeister Franz Josef Barth ebenso. Die Rede ist von einer Resolution der Interessengemeinschaft Windwahn Sitzerath. Die hat sich vor einem Monat gegründet

Sitzerath. Bundesumweltminister Peter Altmaier hat sie schon, Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer auch. Landrat Udo Recktenwald und der Nonnweiler Bürgermeister Franz Josef Barth ebenso. Die Rede ist von einer Resolution der Interessengemeinschaft Windwahn Sitzerath. Die hat sich vor einem Monat gegründet."Die Interessengemeinschaft Windwahn bekennt sich zum Ausbau von erneuerbaren Energien zur Stromerzeugung." Mit diesen Worten beginnt die Resolution. Allerdings hat die IG etwas dagegen, dass rund um Sitzerath sichelförmig zahlreiche neue Windräder gebaut werden könnten. Von bis zu 35 neuen Anlagen ist in der Resolution die Rede. "Eine Horrorvorstellung für viele Bürger Sitzeraths", schreibt die IG.

Am 10. September haben sich etwas 20 Sitzerather Bürger zum ersten Mal getroffen und überlegt, was sie gegen eine solche Häufung von Windrädern machen könnten. Sie erarbeiteten ein Infoblatt und luden zu einem Infoabend am 19. September ein. Zu dem kamen schon 50 Sitzerather, die IG Windwahn wurde gegründet. "Da wir kein gewähltes Gremium sind, wollten wir die Legimitation von möglichst vielen Bürgern", erklärt Stephan Stroh, einer der Initiatoren. Die IG sammelte Unterschriften im Dorf. Bisher haben mehr als 350 Sitzerather durch ihre Unterschrift bekundet, dass sie die Arbeit der IG unterstützen.

Beim SZ-Gespräch mit dabei sind auch Patric Anslinger, Dieter Maus, Cornelia Louis-Paulus und Christian Straß. Stephan Stroh: "Mittlerweile haben wir mit drei Flyern informiert, die Resolution erarbeitet. Ein weiteres Flugblatt ist in Arbeit." In Gesprächen mit Politikern wolle man Überzeugungsarbeit leisten. Die Kerngruppe der IG bestehe aus etwa zehn Bürgern. "Mit sachlich fundiertem Protest kommen wir am ehesten ans Ziel", ist sich Stroh sicher. Das Ziel: Einen Konsens zu finden, wie viele Anlagen entstehen können. Dass es deutlich weniger sein müssen, da ist sich die IG sicher.

Derzeit stehen auf dem Benkelberg drei Windräder. Neun weitere sollen auf der Gemarkung Sitzerath hinzukommen. Die saarländische Nachbarstadt Wadern plant zudem auf dem Höhenzug Windräder, ebenso die rheinland-pfälzischen Nachbargemeinden Grimburg und Gusenburg auf dem Felsenberg und der Grendericher Höhe. Auf der Grendericher Höhe sollen laut IG zum Beispiel sieben Windräder gebaut werden, jedes mit einer Leistung von drei Megawatt und einer Höhe von 185 Metern. Unbestätigten Informationen zu Folge seien bis zu 35 Windräder auf den Höhenzügen Sitzeraths geplant, so die IG. Aufgrund der Grenzlage zum Kreis Merzig-Wadern und zu Rheinland-Pfalz werde das Dorf verstärkt belastet.

Aspekte des Naturschutzes, die Problematik Infraschall, die Abstandsgrenzen zu Wohn- und Naturschutzgebieten, Lärmbelästigung, all das muss nach Ansicht der IG bei der Planung stärker berücksichtigt werden. In der Resolution heißt es: "Wir befürchten ebenfalls eine Beschleunigung des demografischen Wandels, wenn in der Folge der Windenergieanlagen junge Familien Sitzerath verlassen und Sitzerath als Wohnort für junge Familien unattraktiv wird."

Die IG fordert die Einrichtung einer überregionalen Arbeitsgruppe, die nach Lösungen für die hohe Konzentration von Windrädern sucht. In dieser solle die IG einen Platz haben. Die Interessengemeinschaft fordert den Kreistag von St. Wendel auf, sich mit dem Thema zu befassen. Die saarländische Landesregierung müsse sich dem Thema mit Blick auf die hohe Konzentration von Windrädern annehmen. Der Appell der IG: "Es ist noch nicht zu spät zum Handeln. Suchen wir gemeinsam nach Lösungen."