Windkraft auf Kosten der Natur?

Regionalverband · In der Debatte über Windräder hat der Regionalverband vor zu viel Egoismus der Kommunen gewarnt. Darunter könnte zum Beispiel die Biosphäre Bliesgau leiden. Das Umweltministerium will in Kürze entscheiden, ob Windräder auch in Landschaftsschutzgebieten aufgestellt werden dürfen.

Regionalverband. "Beim Ausbau der Windenergie darf nicht jede Kommune ihr eigenes Ding machen", forderte Sven Uhrhan, Leiter des Amtes für Regionalentwicklung beim Regionalverband. Er plädiert für ein "abgestimmtes Vorgehen". Passiert das nicht, könne zum Beispiel die einzigartige Kulturlandschaft der Biosphäre Bliesgau darunter leiden, zu der auch die Gemeinde Kleinblittersdorf gehört. "Wir dürfen nicht alle Höhenrücken mit Windrädern zustellen", sagt Uhrhan. Denn die Biosphäre und der Jakobsweg lockten viele Touristen in die Region.Der Amtsleiter kann sich einen Windpark West und Ost in der Biosphäre vorstellen, um die Windräder auf bestimmte Flächen zu konzentrieren. Alle Kommunen würden sich an den Kosten beteiligen und von den Erträgen profitieren. Der Regionalverband könnte dann mit den Themen Energie und Kulturlandschaft noch mehr Touristen in die Region holen. Allerdings sei die Gemeinde Mandelbachtal mit ihren Plänen für die Windräder schon ziemlich weit. Gersheim plant bei den Windanlagen eine Zusammenarbeit mit der Stadt Blieskastel. Uhrhan: "Wenn jede einzelne Kommune allein vorgeht, führt das zum Ausverkauf der Kulturlandschaft."

Gutachten kostet 75 000 Euro

Thorsten Bischoff, Pressesprecher des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr, sprach sich entgegen Uhrhan dafür aus, dass jede Kommune ihre Planungen vorantreibt. Allerdings wolle das Land die Kommunen stärker beraten, damit "ökonomisch sinnvolle Konzentrationsgebiete von Windanlagen" entstehen. Bischoff findet es gut, dass der Regionalverband ein Gutachten in Auftrag gegeben hat. Darin untersucht die Technische Universität Dortmund, wie sich Windanlagen auf das Landschaftsbild auswirken.

Nach Angaben Uhrhans kostet dieses Gutachten 75 000 Euro für alle zehn Kommunen, davon übernehme die Landesregierung 32 000 Euro. Er fand es besser, dass es früher "Vorranggebiete" für Windräder gab. Das hat die ehemalige Umweltministerin Simone Peter aber gekippt und den Kommunen die Entscheidung überlassen, ob und wo sie Windanlagen zulassen. Daraufhin hatte der Regionalverband gefordert, dass sich das Land an den Kosten des Gutachtens beteiligt.

Ende September wird Uhrhan erste Ergebnisse des Gutachtens vorstellen und die Öffentlichkeit in vier Veranstaltungen informieren. Im Frühjahr 2013 werde der Kooperationsrat des Regionalverbandes dann das Standortkonzept beschließen, das Grundlage des Flächennutzungsplans sei. Zurzeit sind Windräder in Landschaftsschutzgebieten untersagt, berichtet Uhrhan. Doch das könnte sich ändern. Das Umweltministerium sei derzeit in der "hausinternen Abstimmung", sagte Pressesprecherin Sabine Schorr. Die soll in den nächsten Wochen abgeschlossen werden. Schorr: "Es ist alles offen." Von dieser Entscheidung hänge auch ab, ob Windräder in der Biosphäre aufgestellt werden dürfen.

Ministerin sucht das Gespräch

Ministerin Anke Rehlinger (SPD) werde darüber mit den Bürgermeistern der Kommunen reden. Uhrhan ergänzte, wenn die Landesverordnung kippe, sei das Gutachten des Regionalverbandes eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Kommunen.

Hintergrund

Die Landesregierung hat nach Angaben Sven Uhrhans empfohlen, bei 2-Megawatt-Anlagen einen Mindestabstand zu den Häusern von 525 Metern, bei 3-Megawatt-Anlagen von 650 Metern einzuhalten. Der Kooperationsrat werde entscheiden, wie groß im Regionalverband der Abstand zwischen Windrädern und Häusern sein wird. Nur 1,8 Prozent der Fläche des Regionalverbandes sei für Windräder geeignet, davon ausgeschlossen sind auf jeden Fall der Warndt und der Urwald, sagt Uhrhan. sm

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