Wildsau aus Pool in Sulzbach gerettet

Sturz in Sulzbacher Swimmingpool : Dramatische Rettung einer Wildsau

Borstentier war am Mittwoch in Sulzbacher Swimmingpool gefallen und kämpfte ums Überleben.

„Komm, immer schön atmen. Immer schön atmen.“ Mark Alexander Eichelmann, eigentlich Tierarzt im Neunkircher Zoo, sprach dem verunglückten Opfer ruhig und mit fester Stimme immer mal wieder Mut zu. Dabei hielt er mit einem Besenstiel dessen  Kopf über Wasser.

An Dramatik kaum zu überbieten war am Mittwoch die Rettung eines jungen Wildschweins in einem Sulzbacher Wohngebiet. Kein Mensch weiß, wie es vom gegenüber liegenden Wald  auf das umzäunte Grundstück gelangen konnte, doch plötzlich war es da. Und fiel kopfüber in einen Swimmingpool.

Tierarzt Mark Alexander Eichelmann hält im Pool mit einem Besen den Kopf des Wildschweins über Wasser, damit es nicht ertrinkt. Zwei Feuerwehrleute helfen ihm dabei. Foto: Michele Hartmann

Das kalte Wasser stand dem Borstentier etwa 50 bis 60 Zentimeter hoch bis zum Bauch. Aus eigener Kraft konnte es  sich nicht mehr aus seiner misslichen Lage befreien. Ein Nachbar der Familie Scherwarth, der das Grundstück mit Pool gehört, bemerkte als erster den verzweifelten Eindringling und rief Hilfe herbei. Die kam auch schnellstmöglich mit Tatütata. Am Ende waren elf Mann der Freiwilligen Feuerwehr, Löschbezirk Stadt-Mitte, zwei Polizeibeamte, ein Vertreter des Ordnungsamtes, Revierförster sowie Bürgermeister und eben der Tierarzt vor Ort, um die äußerst schwierige, weil bedrohliche Rettungsaktion einzuleiten.

Dass es sich um ein junges Tier, nicht älter als ein Jahr, handelte, das schätzte Förster Nils Lesch.  Er war es auch, der erklärte, dass der Vierbeiner sich im Angesicht so vieler Menschen gerade in einer unglaublichen Stress-Situation befinde. Die Wildsau selbst durchlebte rund zweieinhalb Stunden teils in Todesangst. Sie gab in vollkommener Verzweiflung ganz erbärmliche  Laute von sich und versuchte ständig, ihrem  nassen wie kalten Gefängnis zu entkommen. Vergeblich. Die glatten Wände hoch - selbstredend ein Ding der Unmöglichkeit. Zunehmend schien das Lebewesen im Pool an Kraft zu verlieren. Doch ohne Weiteres sich ihm zu nähern, das kam natürlich auch nicht in Frage. Wer weiß, wie gefährlich es in seiner Panik geworden wäre.

Und dann begann die Rettungsaktion - mit dem ersten Einsatz des Veterinärs. Per Blasrohr vom Rand des Beckens erhielt  es eine Betäubungsspritze in die linke Körperhälfte. Dann hieß es Geduld bewahren, drei Feuerwehrleute in wasserdichten Anglerhosen warteten auf die Wirkung des Medikaments. Neben ihnen eine Schleifkorbtrage. Doch über viele Minuten tat sich nichts. Die Wildsau blieb erstaunlich lange wach. Also nochmal das Ganze. Auch die zweite Spritze, per Blasrohr injiziert, blieb im Körper stecken. Und der Kampf im Becken ging weiter. Bis sich die ersten Ermüdungserscheinungen einstellten. Nun musste alles schnell gehen. Denn als dem Tier ein ums andere Mal die Beine wegknickten, stieg Tierarzt Eichelmann mit einem Besen ins Wasser. Und hielt damit den Kopf des Vierbeiners über Wasser, damit er nicht elend ersäuft. Hilfe erhielt er von den Wehrleuten, die sich ebenfalls ins Schwimmbecken begaben. Plötzlich jedoch bäumte sich das Wildschein  auf. Mit einem langgezogenen klagenden Schrei, der durch Mark und Bein ging.

Doch dann wurde es immer schlapper, alle Gegenwehr,  schien ganz allmählich aus ihm zu entweichen. „Immer schön den Kopf hoch. Immer schön atmen.“ Wieder eine beruhigende Ansprache des Veterinärs. Bis es schließlich gelang, das arme Viech mit vereinten Kräften aus dem Pool zu wuchten. Unverzüglich hob man es auf die Trage und fixierte es mit daran befestigten Gurten. Problemlos wurde es von der Terrasse durchs Treppenhaus und anschließend in den Wald verfrachtet. Wegen des gewaltigen Stresses, den das Tier durchlebte und den dadurch bedingten Adrenalinschub, habe man die doppelte Narkose-Dosis als üblich verabreichen müssen, erklärte Tierarzt Eichelmann gegenüber der SZ nach dem Happy-End.

Foto: Michèle Hartmann

Derweil meinte die ebenfalls im Haus lebende 97-jährige Seniorin Ernfriede Oberer, die das Spektakel hinter der Terrassentür mitverfolgte: „Das dóó hätte ma nimmee gebraucht.“ Und Schwiegertochter Irmtraud Scherwarth war am Ende sehr  erleichtert. Lieber jedoch hätte sie die  Fenster  geputzt, als die Rettung des ungebetenen Gastes im Pool mitzuverfolgen. 

Mehr von Saarbrücker Zeitung