1. Saarland

Wildpark-Tiere haben auch feiertags Hunger

Wildpark-Tiere haben auch feiertags Hunger

Zwischen den Jahren dürfen sich die meisten Menschen in unserer Region gemütlich zurücklehnen. Aber einige haben keine Ferien, sie müssen arbeiten – oder tun das aus freien Stücken. In unserer Serie „Unterwegs mit . . .“ begleiten wir sie. Heute: Sandra Hartmann (34), Leiterin des Völklinger Fachdienstes Forstwirtschaft.

Sandra Hartmann (34), seit Februar 2012 Leiterin des Fachdienstes Forstwirtschaft bei der Stadt Völklingen, hat an Weihnachten und zum Jahreswechsel frei - und doch nicht. Der Betrieb im Völklinger Forst ruht zwischen den Jahren zwar, aber es gibt eine Rufbereitschaft. Schließlich kommt der Hunger bei den Tieren der beiden städtischen Wildparks auch an Sonn- und Feiertagen. Und ansonsten kann bei den unberechenbaren Launen des Wetters allerlei Unvorhersehbares passieren.

Nachdem es in den letzten Wochen recht rund ging, verbrachte Hartmann Heiligabend mit Freund und Familie in ihrer Heimat Bad Dürkheim. Noch am Samstag zuvor herrschte am Forsthaus am Simschel Hochbetrieb, denn die letzten Weihnachtsbäume aus dem Völklinger Forst mussten verkauft werden. "Ein besonderer Service für die Völklinger Bürger", sagt Hartmann, "ein Service, der sich jedoch nicht wirklich rechnet - viel Arbeit, wenig Geld."

Sandra Hartmann hat dennoch Dienst. Genauer: Rufbereitschaft. Das bedeutet nicht nur, für den Fall der Fälle jederzeit auf dem Sprung zu sein; täglich stehen zudem Kontrollgänge an, und auch die zahlreichen Tiere wollen regelmäßig gefüttert werden. "Ein schöner Dienst, den alle gern machen", sagte Hartmann, als sie sich zusammen mit Forstwirtin Maya Bilke (21) zum Völklinger Wildpark aufmacht.

Hier gibt es dann Hafer und Gerste für das Rot- und Damwild und die Sika-Hirsche, Mais und Zuckerrüben für die Wildschweine. Rund 80 Tiere werden so täglich in den beiden Parks in Völklingen und Ludweiler versorgt. Den größten Bestand stellt dabei das Damwild mit sechs Hirschen, acht Kälbern und 32 weiblichen Alttieren. Auch die Besucher dürfen die Tiere füttern. Sie bringen zumeist trockenes Brot mit, das dann aber in keinem Fall schimmelig sein darf.

Die Rufbereitschaft an und zwischen den Feiertagen ist aber nicht nur für die Tierfütterung zuständig. Täglich müssen die Zäune kontrolliert werden, damit die Tiere nicht entweichen können. Auch bei Sturmschäden muss die Rufbereitschaft raus in den Wald, Gefahrenstellen entschärfen, umgestürzte Bäume beseitigen.

Dienst außerhalb der Bürozeiten schreckt Sandra Hartmann überhaupt nicht. Vor ihrem Wechsel ins Saarland war sie auch schon selbstständig tätig , und so sind ihr Arbeitseinsatze zu außergewöhnlichen Zeiten und über den Acht-Stunden-Zyklus hinaus bestens bekannt. "Der Försterberuf ist eben eine echte Lebensaufgabe", betont sie, "man lebt für den und mit dem Beruf." Ihr Elan ist auch nach der Anstellung in Völklingen ungebremst. Sie fühlt sich hier ausgesprochen wohl, freut sich täglich mit ihrer "leistungswilligen und leistungsfähigen" Mannschaft - Hartmann ist verantwortlich für ein achtköpfiges Team - auf ihre Arbeit und die immer wieder neuen Herausforderungen.

Schon der Opa von Sandra Hartmann war Förster. Auch wenn sie nicht allzu viel von ihm mitbekommen hat - er wurde schließlich im Jahre 1900 geboren -, so hat der Großvater die Enkelin doch in ihrem Denken und in ihrer Berufsphilosophie mitgeprägt. Nachdem sie in Baden-Württemberg ihr Studium der Forstwirtschaft an der Fachhochschule in Rottenburg erfolgreich abgeschlossen hatte, arbeitete sie in den Landesforsten Niedersachsens, danach in der baden-württembergischen forstlichen Versuch- und Forschungsanstalt in Freiburg. Unternehmenserfahrung sammelte sie in der Folge in der Firma "Pro Natur", um dann ins Landesamt für Geoinformation und Landesentwicklung von Baden-Württemberg zu wechseln. In Völklingen liegt ihr besonders die Umweltbildung am Herzen.

In ihrer Freizeit wandert sie gerne. Wenn es ihr zu turbulent wird, flüchtet sie auch mal in die Berge. Sie liebt die Stille und zuweilen die Einsamkeit, legt aber auch großen Wert auf die Kommunikation. Und nicht zuletzt mag sie es, zu genießen.