Wilde Waschbären aufgetaucht

Niederkirchen. Etwa 17 Jahre lang wurde in freier Wildbahn kein Waschbär mehr im Ostertal gesichtet. Walter Cullmann aus Niederkirchen, seit 1986 Jäger und auch Jagdaufseher, fuhr kürzlich über die Landstraße L 307 zwischen St. Wendel und Niederkirchen in Richtung Hundeheim und sah am Straßenrand ein totes Tier liegen, das von einem Auto überfahren wurde

Niederkirchen. Etwa 17 Jahre lang wurde in freier Wildbahn kein Waschbär mehr im Ostertal gesichtet. Walter Cullmann aus Niederkirchen, seit 1986 Jäger und auch Jagdaufseher, fuhr kürzlich über die Landstraße L 307 zwischen St. Wendel und Niederkirchen in Richtung Hundeheim und sah am Straßenrand ein totes Tier liegen, das von einem Auto überfahren wurde. Von weitem sah das Tier einem Dachs ähnlich. Cullmann stieg aus seinem Auto und erkannte sofort einen Waschbären. An der Abnutzung seiner Zähne erkannte er, dass es ein älteres Tier war. Cullmann war erstaunt, nach so langer Zeit mal wieder einen Waschbären zu sehen, leider von einem Auto überfahren. Und er vermutet jetzt, dass im Tiefenbachtal noch weitere Waschbären vorhanden sind. Laut Aussagen von auswärtigen Jägern seien hier vor einigen Jahren wieder Waschbären gesichtet worden, aber beweisen könne man das nicht.Prunkstück für AusstellungWalter Cullmann setzte sich mit Jagdpächter Arno Zimmer in Verbindung. Beide haben nun vor, den überfahrenen Waschbären zu präparieren und ihn später als Prunkstück auf Jagdausstellungen zu präsentieren, wie das auch mit dem ersten saarländischen Waschbären 1973 der Fall war. Eine Sensation war es, als im Juni 1973, also vor genau 36 Jahren, vier Waschbären im Tiefenbachtal bei Niederkirchen erlegt wurden. Besonders der drei bis vier Monate alte Jungbär "Coon", der vom Jäger Gerd Kern aus Niederkirchen geschossen wurde, erregte damals über die Grenzen des Ostertales hinaus Aufsehen. Es war der erste Waschbär, der im Saarland zur Strecke kam. Der "Räuber mit der Ganovenmaske" ging in die Geschichte der Jäger im Jagdrevier Niederkirchen ein. Außer dem "Kernschen" Jungbären wurden 1973 noch ein Muttertier und ein weiteres Waschbärenbaby in einer Kastenfalle gefangen, ein Jahr später ein Bär auf der Landstraße zwischen Niederkirchen und St. Wendel unterhalb des Wendelinushofes von einem Auto totgefahren. Ende der siebziger Jahre wurden weitere Waschbären an feuchten, flachen Sandlöchern im Tiefenbach- und Dombachtal von verschiedenen Jägern im Hegering Ostertal "gespürt". Doch vor die Flinte kam bislang keiner der nachtaktiven Räuber mehr. Die Waschbären drangen nach 1973 weiter nach Norden vor. Sowohl im oberen Bliestal als auch im Alsbachtal hatten die Jäger am Trittsiegel das Vorkommen festgestellt. Allerdings wurde kein weiteres Tier mehr erlegt. Die "Waschbären-Wanderung" ging damals quer durch die Stadt St. Wendel. In der Wendalinusstraße wurde 1977 ein Waschbär von einem Auto überfahren. Am Tholeyerberg stellten Anwohner fest, dass sich die nachtaktiven Tiere an Früchten in den Gärten gütlich getan hatten. Trittsiegel entdecktMehr als ein Jahrzehnt blieb es dann ruhig um den Fremdling in unseren Wäldern. Erst im Jahr 1992 machte der Waschbär wieder von sich reden, als Eberhard Schuld, damals Hegeringleiter im Ostertal, Trittsiegel im Bereich der Fischerhütte im Dombachtal sichtete. Und Walter Cullmann stellte im gleichen Jahr Trittsiegel im "Weidenbösch" im Tiefenbachtal fest. Und Jungjäger Jens Zimmer sichtete einen ausgewachsenen Waschbären am "Hasenwald", der ihm dort vor seinem fahrenden Auto flink über den Weg lief.

StichwortDer Waschbär stammt aus Nordamerika. Das weiche Fell der Waschbären war schon bei den Indianern und Pionieren Nordamerikas sehr gefragt. Auch die Europäer legten Anfang der 30er Jahre die ersten Waschbärzuchtfarmen, aber auch Wildgehege an. Sicher ist heute, dass die Geschichte des Waschbären in Deutschland ihre Wiege am Edersee in Nordhessen hatte. Hier siedelte ein Forstmeister 1934 zwei Waschbärpärchen an, um "die einheimische Fauna zu bereichern". 1950 schätzte man den bestand in Hessen bereits auf etwa 300 Tiere. In der Folge entkamen immer wieder Tiere aus Zuchtfarmen und Wildgehegen in ganz Deutschaland. Heute sind Waschbären in ganz Deutschland auf dem Vormarsch. Sie bewohnen am liebsten Laubmischwälder mit Feuchtgebieten, Seen und Teichen und landwirtschaftliche Flächen. Als Verstecke nutzen sie Baumhöhlen, Erdbaue, Felsnischen, Fuchs- und Dachsbaue, Holzstapel und alte Gebäude. Waschbären sind typische Allesfresser. Beeren, Getreide, Obst, Insekten, Schnecken, Fische und Würmer stehen auf ihrem Speiseplan. Dank ihrer großen Anpassungsfähigkeit sind Waschbären zu Kulturfolgern geworden und siedeln sich sogar heute schon in der Nähe des Menschen an. Mülltonnen werden dabei als zusätzliche Nahrungsquelle entdeckt. kp