Wieder ein echter Publikumsmagnet

Wieder ein echter Publikumsmagnet

Trotz der Sommerferien kamen am vergangenen Wochenende wieder etwa 3000 Zuschauer in den Stadtteil Hühnerfeld, um sich den großen Kirmesumzug anzuschauen. Sie bereuten ihr Kommen nicht.

Hühnerfeld. Acht Schläge brauchte Sulzbachs Bürgermeister Michael Adam, bis er als Schirmherr der 34. "Hinnerfelder Kerzekerb" am vergangenen Freitag das erste Fass Bier angeschlagen hatte. "Die Hühnerfelder Kirmes hat eine Strahlkraft weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus", betonte der Verwaltungschef. Die vornehmste Aufgabe des Schirmherrn - nämlich für gutes Wetter zu sorgen - bewältige Adam deutlich besser als den Fassanstich, und auch die kurzfristige Veränderung des Zugweges (die Baumaßnahmen in der Kettelerstraße waren pünktlich abgeschlossen) am Samstag gelang den Verantwortlichen mit Hilfe des Bürgermeisters deutlich leichter.So machten sich bei strahlendem Sonnenschein über 400 Teilnehmer auf den knapp sechs Kilometer langen Weg entlang der Grühlingsstraße. Auch in diesem Jahr säumten - trotz der Ferien - wieder rund 3000 Schaulustige den bunten Lindwurm. Angeführt wird der Zug traditionell von den Straußebuwe des THW, gefolgt vom Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Sulzbach. Kerwehannes Werner Rink im Kostüm eines Urzeitmenschen begleitete den Schirmherrn, die Damen und Herren des Obst- und Gartenbauvereins verteilten auch in diesem Jahr fast 700 Rosen. Ein echter Hingucker waren die Sexy-sexy-Walker in ihren knappen Outfits.

Nach den Guggemusikern der Node Pirade nahm die Fußgruppe der KaJuKa die Umstehenden mit auf eine Zeitreise. Getreu ihrem Sessionsmotto spannten die Karnevalistinnen und Karnevalisten den Bogen von der Steinzeit - mit einem "Original-Auto" der Familie Feuerstein - über die Rock'n'Roll-Ära bis hin in die Star-Trek-Zukunft. Die Jury belohnte den farbenfrohen Auftritt mit dem 1. Platz und einem damit verbundenen kleinen Geldpreis.

Beim Anschießen der Kirmes am Freitag fehlte dem Schützenverein Tell etwas die Wucht, beim Umzug war man aber wieder mit voller Stärke vertreten. Neu im Reigen der Clubs und Vereine zeigten sich die Kobolde aus Bildstock. Ein Dutzend grüner Männchen - den irischen Leprachauns nachempfunden - hütete den Schatz am Ende des Regenbogens. Platz zwei gab es für den Debütauftritt der Kobolde - ein Rang den der Bayern-Fanclub in diesem Jahr öfter erleben durfte.

Als "Frösche aus dem Trenkelbach" verkleidet, zeigten die Vogelfreunde Hühnerfeld, dass sich in ihrem Biotop nicht nur die Vögel wohlfühlen. Der Wanderverein Frei Weg, die Fußballer der Viktoria, die Jugendfeuerwehr Altenwald, der Fanfarenzug Ensdorf und der Musikverein Harmonie rundeten das über 45-minütige Zug-Schauspiel ab.

Etwas Wehmut spielte aber auch mit. Denn der Biergarten am Martin-Luther-Haus war diesmal wohl zum letzten Mal Veranstaltungsort. Im kommenden Jahr wird dort der Kindergarten ausgebaut. Die Organisatoren vom Arbeitskreis "Hühnerfelder Kirmes" haben die Gespräche mit der Stadt für eine neue "Party-Arena" aufgenommen. Angedacht ist das Gelände unterhalb des neuen Kunstrasenplatzes der Viktoria. Zur Umsetzung der Pläne wird erneut die tatkräftige Unterstützung des diesjährigen Schirmherrn Michael Adam benötigt. Die Kerzekerb 2012 endet morgen. Hühnerfeld. Er ist die "Stimme der "Hinnerfelder Kerb": Michael Bleif gehört zum größten Volksfest der Stadt Sulzbach wie Biergarten und Kirmesstrauß. Seit 2006 moderiert der heute 52-jährige, gebürtige Bebelsheimer den Umzug im Sulzbacher Stadtteil.

"1979 bin ich der Liebe wegen nach Hühnerfeld gekommen", erzählt der ehemalige Verkaufsleiter eines Unternehmens für Klinikbedarf. Seit 2005 ist Bleif Sitzungspräsident des Karnevalsvereins KaJuKa.

Die Eröffnung der Kirmes am vergangenen Freitag und vor allem der Umzug am Samstag sind für den erfahrenen Hobby-Moderator aber jedes Jahr eine neue, freudige Aufgabe. "Die Vorbereitung beginnt schon einige Wochen zuvor", sagt Bleif, "ich schaue im Internet. Viele Vereine haben ja mittlerweile vorzügliche Homepages. Dann telefoniere ich mit den Vorsitzenden oder gehe einfach mal vorbei".

Nachdem die Moderationskärtchen geschrieben sind, gibt es einen heimatlichen Testlauf. "Meine Frau muss sich das dann immer anhören und Feedback geben", sagt Bleif lachend, "da fast alle Teilnehmer jedes Jahr dabei sind, habe ich den Anspruch, mich nicht zu wiederholen. Darum die akribische Vorbereitung. Wenn der Zug aber dann kommt, kann es schon sein, dass ich spontan abweiche, weil mir irgendetwas Besonderes auffällt".

Und Besonderes liefern die teilnehmenden Vereine dem Sprecher und dem Publikum jedes Jahr bei der "Hinnerfelde Kerzekerb" aufs Neue. cor

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