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Wie krisenfest ist der Landkreis Saarlouis?

Wie krisenfest ist der Landkreis Saarlouis?

Kreis Saarlouis. Bankenkollaps, Massenarbeitslosigkeit, Rohstoffknappheit, Klimakatastrophe, Energiecrash - die nächste Krise kommt bestimmt, sagen Experten. Und wenn sie da ist, ist der Landkreis Saarlouis an vielen Stellen anfällig. Das sagen jedenfalls die Experten des Pestel-Instituts aus Hannover in einer Studie zur Krisenfestigkeit deutscher Landkreise und kreisfreier Städte

Kreis Saarlouis. Bankenkollaps, Massenarbeitslosigkeit, Rohstoffknappheit, Klimakatastrophe, Energiecrash - die nächste Krise kommt bestimmt, sagen Experten. Und wenn sie da ist, ist der Landkreis Saarlouis an vielen Stellen anfällig. Das sagen jedenfalls die Experten des Pestel-Instituts aus Hannover in einer Studie zur Krisenfestigkeit deutscher Landkreise und kreisfreier Städte. Der Kreis Saarlouis mit rund 206 000 Einwohnern belegt in der Untersuchung einen krisenhaft anmutenden Platz 405 von 412. Warum?Weil er in den meisten der 18 Kategorien der Studie nur mäßig oder schlecht abschneidet, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut gegenüber der SZ: "In drei Krisen-Kategorien liegt der Landkreis Saarlouis im bundesweiten Spitzenbereich, acht Mal wurde ein Mittelplatz erreicht und bei sieben Indikatoren reicht es nur für einen Rang am Ende der Tabelle." Die Daten, die für die Studie erhoben wurden, stammen aus der Regionaldatenbank des Statistischen Bundesamts, aus dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung und aus der Solarbundesliga.

18 Indikatoren

Für seine Studie hat das Pestel-Institut 18 Indikatoren zu Grunde gelegt - also "Bereiche, in denen dann die Verletzbarkeit einer Region ermittelt wurde" (Günther). Sie umfassen soziale, infrastrukturelle, ökologische und ökonomische Verhältnisse vor Ort. Mit diesem Ansatz betrete man Neuland, sagt Günther: "Beim Thema Krise wurden bisher meist ökonomische Ansätze diskutiert. Wir erweitern das Spektrum. Wir wollen zeigen, dass auch andere Bereiche der Gesellschaft krisenanfällig sind."

Keine Panikmache

So hänge die Handlungsfähigkeit einer Region im Krisenfalle auch von Flexibilität, Ressourcenausstattung und Sozialkapital ab: "Wir wollen an die Politik appellieren, sich in ihrer Region schon jetzt besser vorzubereiten." Auch jeder Einzelne könne im Hinblick auf künftige Krisen vielleicht seine eigene Lebensweise - Stichwort Energiesparen - kritisch reflektieren.

Dem Vorwurf der Panikmache hält Günther entgegen: "Wissenschaftliche Studien und reale Entwicklungen weisen darauf hin, dass große Krisen drohen, etwa beim Thema Rohstoffe. Wir wissen also, dass wir unser Leben ändern müssen - und die Politik weiß es auch. Warum nicht schon jetzt?" Die schlechte Platzierung bedeute für den Landkreis Saarlouis zwar nicht, "dass er in der Krise sofort abstürzen wird", sagt Günther. Trotzdem empfehle die Pestel-Studie krisenanfälligen Landkreisen, sich mit Krisenszenarien "wesentlich intensiver zu befassen als bisher und ihre Qualität schon jetzt zu überprüfen - und zu verbessern". > weitere Berichte Seite C 3

Meinung

Erstmal in Ruhe ansehen

Von SZ-RedakteurMathias Winters

Es ist zwar verständlich, wenn ein Platz 405 von 412 erstmal einen Protest-Reflex bei der Kreisverwaltung auslöst. SLS als Zeichen für einen der schlechtesten Landkreis in der ganzen Republik - das kann und darf nicht sein.

Doch wer so reagiert, macht einen Methodenfehler. Die Pestel-Studie bespricht nicht zum Beispiel die Lebensqualität oder Wirtschaftskraft 2011. Sie untersucht die Krisenfestigkeit, sprich: Was blüht uns in Lagen, die in den Bereich von Katastrophen gehören?

"Kommt Zeit, kommt Rat", kann unsere Haltung dazu sein. Oder: "Wenn es so weit kommt, ist sowieso alles vorbei." Wir können uns die Thesen der Hannoveraner aber auch erstmal in Ruhe ansehen. Vielleicht sind ein paar Aspekte bedenkenswert. Und das Nachdenken kostet nichts - außer ein bisschen Zeit.