1. Saarland

Wie Karikaturisten mit spitzem Pinsel die Zensur umgingen

Wie Karikaturisten mit spitzem Pinsel die Zensur umgingen

Spiesen-Elversberg. "Historische sozialdemokratische Satire zwischen 1890 und 1933" lautet der Titel einer Ausstellung, die am Donnerstagabend im Sitzungssaal des Rathauses von Spiesen-Elversberg eröffnet wurde

Spiesen-Elversberg. "Historische sozialdemokratische Satire zwischen 1890 und 1933" lautet der Titel einer Ausstellung, die am Donnerstagabend im Sitzungssaal des Rathauses von Spiesen-Elversberg eröffnet wurde. Zu sehen sind etwa 300 Karikaturen, die in den Satirezeitschriften "Süddeutscher Postillon", "Der wahre Jacob" und "Lachen Links" veröffentlicht wurden. Die Ausstellung widmet sich den drei Themenschwerpunkten König Stumm von Saarabien, Wirtschaftskrise der 20er Jahre und Kampf gegen Hitler. Alle Exponate stammen aus der Karikaturensammlung von Hiltrud und Karl Lambert, die die Ausstellung gemeinsam mit Bürgermeister Reiner Pirrung und Heinz Bierbaum, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Partei Die Linke, eröffneten. Karl Lambert schilderte in seiner Rede unter anderem den schwierigen, aber zugleich auch virtuosen Umgang der damaligen Verleger mit der Zensur und der polizeilichen Überwachung ihrer Blätter. "'Der wahre Jacob' erreichte ein Auflage von bis zu 380 000 Exemplaren. Als im März 1933 die allerletzte Ausgabe erschien, wähnten die Macher Hitler auf seinem Abstieg. Eine grotesk falsche Annahme, wie sich herausstellte", so Lambert. Aktueller BezugViele der gezeigten Karikaturen seien auch heute noch ohne Kommentierung verständlich, zumal Ähnlichkeiten mit aktuellen Problemlagen nicht zufällig seien, wie Lambert erklärte. Auch Heinz Bierbaum ging auf den nach wie vor aktuellen Bezug der Zeichnungen ein. "Heraufziehender Faschismus und die damit verbundenen Fehleinschätzungen sind heute wie damals hochaktuell. Diese Ausstellung ist ein Gewinn für uns alle", betonte Bierbaum. Für die Besucher der Ausstellung liegen Info-Blätter bereit, die Anmerkungen zu den einzelnen Zeichnungen liefern. Eine der etwa 50 Karikaturen, in denen Kritik an Carl Ferdinand von Stumm geübt wird, zeigt einen Feldarbeiter mit Sense. Erst bei näherer Betrachtung der vermeintlich harmlosen Zeichnung fallen die im Getreide versteckten Köpfe auf, unter denen sich auch der von Stumm befindet. "Reif zum Schnitt" steht unter der Zeichnung. Auf anderen Exponaten wird Stumm als Wolf, als Waldgeist, als Stier oder als übler Qualm aus der Lampe dargestellt, der die eiserne Faust gegen das allgemeine Wahlrecht reckt. praDie Ausstellung, die von Hiltrud und Karl Lambert in Zusammenarbeit mit dem Gemeindeverband Die Linke Spiesen-Elversberg präsentiert wird, dauert noch bis zum morgigen Sonntag an und ist täglich zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet.