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Wie Hindus ihren Göttern huldigen

Wie Hindus ihren Göttern huldigen

Besucher konnten am Tag der offenen Tür im Altenwalder Hindu-Tempel einen Gottesdienst miterleben.

Etwa 50 Besucher haben am Montag die feierliche Zeremonie verfolgt, bei der Hindu-Priester Sukithasan Sanmugasarma mit traditioneller Bekleidung und nacktem Oberkörper singend und betend von Schrein zu Schrein verschiedener Gottheiten geht und diesen mit Glöckchen und Gesang huldigt. Sie waren der Einladung der Hindu-Gemeinde gefolgt und wohnten beim Tag der offenen Tür im Sri Maha Mariamman Tempel in Altenwald dem rituellen Gebet bei.

Dieser hinduistische Gottesdienst, Pooja genannt, dauert etwa eine halbe Stunde und entführt die Besucher in eine exotische fremde Welt. Drei Mal täglich wird dieser Gottesdienst gefeiert. Ein besonderer Höhepunkt war ein Tempeltanz der Tänzerin Sonata Dasis. Mit ausdrucksstarken, grazilen und rhythmischen Bewegungen huldigte sie mit ihrem bezaubernden Tanz auf höchst eindrucksvolle Art den Göttern.

"Dieser Tempel in Altenwald ist etwas ganz besonderes im Südwesten Deutschlands und wir sind stolz darauf, ihn hier bei uns zu haben", sagte Bürgermeister Michael Adam bei seiner Ansprache. "Ich erinnere mich noch an die anfänglichen Vorbehalte und Skepsis, aber heute kann man - auch an der Zahl der Gäste - deutlich sehen, wie sehr die Akzeptanz und die Integration dieser besonderen Kultur fortgeschritten und bei uns angekommen ist." Den Tempel in der Grubenstraße in Altenwald gibt es seit 1994. Er ist Sri Maha Mariamman, der indischen Muttergöttin, gewidmet. Ihr Schrein ist der größte von allen und steht in der Mitte des großen Saales als Mittelpunkt des Tempels. Rund um den Hauptschrein stehen noch zahlreiche kleinere Schreine mit anderen Gottheiten, beispielsweise dem Elefantengott Ganesha, dem Herr der Wissenschaften oder Shiva, dem Gott der Weisheit und Bildung, Murugan, Vairavar und die Navagrahas (basierend auf unserem Sonnensystem). Vor ihnen stehen Schalen mit Opfergaben wie Früchten und Reis oder brennenden Öllampen.

Der Priester und seine Helfer binden die Gäste in die feierliche Zeremonie des Pooja mit ein, verteilen jedem ein Löffelchen süße Milch auf die Hand und einen weißen und roten Punkt aus Asche oder Kurkuma auf die Stirn. "Alle Menschen sind hier bei uns willkommen", erklärt Kajen Jegatheesan bei seiner Begrüßung. Er ist der Neffe des hinduistischen Priesters und erklärt den Besuchern das Geschehen. "Die Punkte auf der Stirn haben je nach Farbe eine unterschiedliche religiöse Bedeutung. Der weiße Aschepunkt soll an die Endlichkeit des körperlichen Lebens erinnern. Rot steht für Blut und Fleisch und die Reinkarnation."

Alles ist bunt und farbenfroh, die Frauen tragen festliche Saris. An den Wänden hängen Gemälde hinduistischer Götter und den Saal durchströmen süße Düfte. Die Statue der Muttergöttin ist wie die meisten der Statuen aus Lavastein oder Bronze. Sie wurden auch heute - wie jeden Tag - frisch gebadet und in festliche, bunte Stoffe gehüllt. Der Priester macht dies täglich und schmückt die Figuren reich mit Ketten aus Blumen, Stoffen und glitzernden Steinen. "Sie werden genauso behandelt, wie Menschen", sagt Kajen.

Für den ehemaligen Physik-Studenten ist der Hinduismus eine Mischung aus Glaube, Tradition, Philosophie und Wissenschaft. "Er ist weniger eine Religion als vielmehr eine Anleitung, wie man sein Leben gestalten kann", erklärt er. "Viele Elemente und Statuen sind aus den Naturwissenschaften abgeleitet oder dem Mond und Planeten aus dem Sonnensystem gewidmet, die mit ihren kosmischen Strahlen Einfluss auf uns haben."

Sukithasan Sanmugasarma wurde auf Sri Lanka geboren und stammt aus einer Priesterkaste, der höchsten Kaste der Hindus. Auch seine Vorfahren waren bereits Priester und im Alter von sieben Jahren begann er seine Ausbildung. 1992 floh er vor dem Bürgerkrieg nach Deutschland und seit 1994 lebt und arbeitet er im Altenwalder Tempel.

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Die drittgrößte Religion der Welt Der Hinduismus ist nach dem Christentum und dem Islam die drittgrößte Weltreligion und hat weltweit 900 Millionen Anhänger. Seine Anfänge reichen mehr als 4000 Jahre zurück. Im Saarland leben rund 600 Hindus. Der Tempel in Altenwald ist der größte im Südwesten Deutschlands.