Wie große Sprünge kann ein Kino machen?

Wie große Sprünge kann ein Kino machen?

Saarbrücken. Michael Krane ist ein erfolgreicher Kino-Manager. 2005 hat er den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt und aus dem alten Scala-Kino in der Saarbrücker Futterstraße das "Camerea zwo" gemacht, ein Kino, das mit Erfolg - meist - anspruchsvolle Filme spielt

Saarbrücken. Michael Krane ist ein erfolgreicher Kino-Manager. 2005 hat er den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt und aus dem alten Scala-Kino in der Saarbrücker Futterstraße das "Camerea zwo" gemacht, ein Kino, das mit Erfolg - meist - anspruchsvolle Filme spielt. Dass ihm nun unterstellt wird, sein Erfolg trage zum offenbar zunehmenden Misserfolg des städtischen Filmhauses in der Mainzer Straße bei, ärgert ihn.Die "Camera zwo" zeige die Filme, die früher im Filmhaus gelaufen sind, sagte der Leiter des Filmhauses, Michael Jurich. Das private Kino mit sechs Sälen sei für die Filmverleihfirmen interessanter als das kleine Filmhaus. Ein nicht unerheblicher Teil des Publikums sei abgewandert.

Er schätze Jurich sehr, sagt Krane. Und er halte das Filmhaus für wichtig. Aber so wie Jurich das darstelle, sei es nicht. Denn die Filme, die er zeige, gehören gar nicht in ein kommunales Kino, sagt Krane. Es dürfe nämlich nicht Aufgabe eines mit Steuergeld finanzierten Kinos sein, steuerzahlenden Privat-Kinos Konkurrenz zu machen. Er stehe in Konkurrenz zum Cinestar, nicht zum Filmhaus, sagt Krane. Wie beim kleinen Kino achteinhalb im Nauwieser Viertel sei die Entwicklung in der "Camera zwo" positiv. Aber man habe nicht so viele Zuschauer dazugewonnen, wie das Filmhaus offenbar verloren hat.

Die Aufgabe der kommunalen Kinos in ganz Deutschland sei es, das zu zeigen, was die kleinen Programmkinos wie die "Camera zwo" - und die großen Multiplexkinos schon gar nicht - nicht zeigen können: Filme in Originalsprache, Film-Retrospektiven und Filme, für die sich eben kein großes Publikum findet.

Nur deshalb seien Zuschüsse gerechtfertigt. Was nicht heiße, dass ein solches Filmhaus wie in Saarbrücken jährlich 600 000 Euro kosten muss. Dass das Kino als Amt für kommunale Filmförderung mit 3,5 Stellen betrieben wird, müsse zum Beispiel nicht sein. Würde er sich so viel Personal leisten, hätte er die "Camera zwo" längst zusperren müssen, sagt Krane. Er managt das Kino nur mit Aushilfskräften - und das, obwohl das Kino doppelt so viele Säle wie das Filmhaus hat.

Die Personalkosten für die 3,5 festen Stellen im Filmhaus (hinzukommen wie bei Krane Aushilfen) betragen nach Angaben der Stadtverwaltung 185 000 Euro pro Jahr. Im Filmhaus beschäftigt sind neben dem Amtsleiter insgesamt drei Mitarbeiterinnen: eine Sekretärin, eine Buchhalterin (halbe Stelle) und eine Mitarbeiterin für Filmdisposition und Abrechnung.

Michael Krane bei der Eröffnung seines Kinos 2005. Foto: Engel.
Michael Krane bei der Eröffnung seines Kinos 2005. Foto: Engel.
Michael Krane bei der Eröffnung seines Kinos 2005. Foto: Engel.

Das Filmhaus zeige nicht nur Filme, sagt Stadtpressesprecher Thomas Blug. Es organisiere auch Vorträge und Diskussionsrunden, Vorführungen für Kinder und Schulklassen. Es gebe drei einwöchige Schulfilm-Festivals im Jahr und zweimal im Monat Seniorenkino. Außerdem müsse unter anderem der Franz-Hofer-Filmpreis organisiert werden. Und weil die Filme, die das Filmhaus zeigt, keine Massenware sind und von den Verleihfirmen weniger beworben werden, erfordere so eine Programmplanung "einen erhöhten Aufwand".