Wie geht's weiter mit dem Busverkehr im Landkreis?

Wie geht's weiter mit dem Busverkehr im Landkreis?

St. Wendel. Anderthalb Monate ist der neue Betreiber Behles für Busstrecken im nordöstlichen Teil des St. Wendeler Landes verantwortlich. Anderthalb Monate, in denen der Weiskircher Unternehmer Zeit hatte, sich und seine Kunden an neue Verbindungen zu gewöhnen

St. Wendel. Anderthalb Monate ist der neue Betreiber Behles für Busstrecken im nordöstlichen Teil des St. Wendeler Landes verantwortlich. Anderthalb Monate, in denen der Weiskircher Unternehmer Zeit hatte, sich und seine Kunden an neue Verbindungen zu gewöhnen. Das bisherige Resultat: Es gab und gibt bei der Umstellung Probleme, wie Nutzer melden: verspätete Schulbusse, neue Umstiegszeiten, gestrichene Verbindungen. Das gibt Dirk Dannenfeld auch unumwunden zu. Aber der Behles-Sprecher versicherte am Montag vor dem Kreistag, dass es bereits zahlreiche Korrekturen am Konzept gebe. Das betreffe sowohl Schüler- als auch Fahrten für jedermann. Weitere Änderungen seien vorgesehen, die Abläufe verbessern sollen. Dies geschehe in Absprache mit Kreisverwaltung, Schulen, Gemeinden. Dannenfeld betonte: "Die meisten Probleme sind seit dem 16. Januar gelöst."Dannenfeld und sein Kollege Marcus Weigl, bei Behles für das Streckennetz verantwortlich, mussten dazu während der Kreistagssitzung Auskunft geben. Denn die SPD-Fraktion hatte diese Aussprache wegen der Schwierigkeiten beim Betreiberwechsel von der Saar-Pfalz-Bus GmbH hin zu Behles beantragt (siehe auch "Hintergrund").

Doch nicht nur dies allein beschäftige die Sozialdemokraten, wie deren Fraktionschef Magnus Jung sagte. Es hat im Vorfeld dieser Sitzung zudem Kritik seitens der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, zu den Löhnen für Behles-Busfahrer gehagelt. Diese lägen demzufolge bis zu 400 Euro unter dem Bruttomonatsgehalt eines Saar-Pfalz-Bus-Beschäftigten. Dem widersprach Dannenfeld. Diese Größenordnung treffe nicht zu. Es stimme, dass es unterschiedliche Tarifverträge gebe, Unterschiede zwischen Saar-Pfalz-Bus-Abschlüssen und denen privater Anbieter.

Hier allerdings reagierte Jung verwundert auf die aus seiner Sicht mangelnde Vorbereitung seitens der beiden Behles-Vertreter. Zuvor hatte Heribert Schmitt (CDU) wissen wollen, ob sich die Entgeltverträge nach dem 2009 noch mit Verdi abgeschlossenen Tarifvertrag richten oder der 2007 abgespeckten Variante, die auch längere Arbeitszeiten - 42- statt 40-Stunden-Woche - vorsieht. Weigls nicht von Sicherheit geprägte Aussage dazu: "Meines Wissens nach die mit Verdi." Dannenfeld sprang ihm darauf zur Seite: "Die Tarifverträge befinden sich in Nachwirkung, weil es keine Neueinstellung gab." Allgemeine Auskunft von Weigl: Es werde nach Stundenlohn berechnet. Und Dannenfeld: "Wir zahlen nach Tarif und auch unsere Partner", die im Behles-Auftrag auf den Routen im St. Wendeler Land mit unterwegs sind (Jochem aus Schmelz, GRS Verkehrsdienste in Ottweiler sowie Lorenz/Bubach). Jung forderte, dass die konkreten Zahlen dem Gremium nachgeliefert werden.

Außerdem regte er an, bei künftigen Ausschreibungen des Landkreises Sozialstandards festzuschreiben, um einen Wettbewerb "nicht auf dem Rücken der Arbeitnehmer über abgesenkte Entlohnung" auszutragen. Schmitt von der CDU pflichtete bei: "Beim nächsten Mal müssen wird darauf achten." Termin für die kommende Ausschreibung: 1. Januar 2013.

Hintergrund

Bis Jahresende war die zur Deutschen Bahn (DB) gehörende Gesellschaft Saar-Pfalz-Bus auf den Linien 602 (St. Wendel - Türkismühle), 603 nach Haupersweiler und 604 mit Ziel Freisen zuständig, musste diese aber abgeben. Der Kreistag hatte das für den Landkreis St. Wendel preiswertere Behles-Angebot für die unrentablen Strecken angenommen. Hintergrund: Saar-Pfalz-Bus verlangte an die 500 000 Euro Zuschuss aus öffentlichen Kassen (Steuergeld), um Verbindungen aufrecht zu erhalten, kündigte zugleich an, den Fahrplan auszudünnen. Behles war mit ungefähr der Hälfte zufrieden bei weniger Einbußen für Fahrgäste und erhielt damit den Zuschlag (wir berichteten). hgn

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