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"Wie früher der Feldschütz"

"Wie früher der Feldschütz"

Saarbrücken. Die alte Dame hat einen Fehler gemacht. Sie hat am Telefon ihre Bankdaten verraten. Der Mann klang vertrauenswürdig. Er wollte ihr einen Gewinn überweisen. Stattdessen hat er dann Geld von ihrem Konto abgebucht - immer wieder, so lange, bis eine Mitarbeiterin der Bank sich wunderte und nachfragte. Von alleine wäre die alte Dame nicht zur Polizei gegangen

Saarbrücken. Die alte Dame hat einen Fehler gemacht. Sie hat am Telefon ihre Bankdaten verraten. Der Mann klang vertrauenswürdig. Er wollte ihr einen Gewinn überweisen. Stattdessen hat er dann Geld von ihrem Konto abgebucht - immer wieder, so lange, bis eine Mitarbeiterin der Bank sich wunderte und nachfragte. Von alleine wäre die alte Dame nicht zur Polizei gegangen. Sie schämte sich zu sehr.Solche Geschichten erzählen Polizeibeamte, die in Sachen Trickdiebstahl ermitteln, immer wieder. Die Scham, die Hemmung, zur Polizei zu gehen, sei groß. Das weiß auch Wolfgang Gelff. Der 69-Jährige aus Brebach ist einer von 99 Seniorensicherheitsberatern im Saarland. Er leitet die neu gegründete Gruppe von Seniorensicherheitsberatern in Saarbrücken. "Wir sind auf Augenhöhe vom Alter her", erklärt Gelff. Er und seine 45 Kolleginnen und Kollegen im Regionalverband verstehen sich als Mittler zwischen alten Menschen und der Polizei.

Mindestens genauso wichtig, wie alten Menschen beizustehen, nachdem etwas passiert ist, ist aber die Verhinderung von Verbrechen - die so genannte Prävention. Die Seniorensicherheitsberater sind geschult in Sachen Kriminalitätsvorbeugung. Sie lassen sich von Vereinen zu Vorträgen einladen, kommen aber auch gerne zu alten Menschen nach Hause, um Tipps zu geben.

"Wir beraten nur, wir können nicht die Polizei ersetzen. Wir wissen nicht alles, aber wir wissen, wo man Hilfe kriegt", sagt Gelff. Er selbst bekommt Hilfe von Hermann Lehberger. Der Kriminalhauptkommissar koordiniert im Sozialministerium die Arbeit der Seniorensicherheitsberater. Er informiert sie fast täglich über neue Maschen von Trickbetrügern und gibt Hinweise darauf, wo im Saarland gerade jemand sein Unwesen treibt.

Dass sich ältere Menschen bereiterklären, anderen älteren Menschen helfend zur Seite zu stehen, hält er für wegweisend. "Prävention braucht ein Gesicht", sagt er. Diejenigen, die als Berater unterwegs sind, "müssen in den Orts- und Stadtteilen als Ansprechpartner bekannt sein - so wie früher der Feldschütz oder der Gendarm", erklärt Lehberger. Wolfgang Gelff und seine Kollegen sind nun dabei, sich bekannt zu machen.

Sicherheitsexperten: Kriminalhauptkommissar Hermann Lehberger (links) und Seniorensicherheitsberater Wolfgang Gelff an der Statue des Bildhauers Hans Schröder im Hof der SZ. Foto: Dietze

Info: Wolfgang Gelff, Telefon (06 81) 87 23 86, E-Mail wolfgang.gelff@schlau.com, Hermann Lehberger, Telefon (06 81) 5 01-33 21, E-Mail h.lehberger@arbeit.saarland.de