Wie Fremde in einer Zwischenwelt

Wie Fremde in einer Zwischenwelt

Die Figuren verschwimmen, Unschärfen werden zu Untiefen, verschiedene Ebenen und Realitäten schieben sich ineinander. Was auf den ersten Blick gegenständlich und nahezu fotorealistisch anmutet, entpuppt sich als ein raffiniertes Vexierspiel.

"Between" - "Dazwischen" hat die junge Künstlerin Nayoung Lee ihre Ausstellung, die derzeit im alten Dillinger Schloss zu sehen ist, überschrieben. Die großformatigen Gemälde, die sie dort zeigt, wirken überaus anziehend und fast dekorativ, gleichzeitig aber auch irritierend und befremdlich. Die Figuren in Nayoung Lees Bildern, viele davon junge Frauen und Kinder, lassen keine Rückschlüsse auf sich zu, sondern wirken entpersonalisiert und sind Fremde in einer Zwischenwelt, in der sie gefangen scheinen. Die Bilder von Nayoung Lee sind nicht einfach einzuordnen.

Denn trotz ihrer gegenständlichen und figurativen Darstellung bleiben ihre Personen unbestimmt und sind in ihrer stillen Konzentration nicht zu fassen. Durch eine verhaltene Farbgebung mit dominierenden Grau- und Schwarztönen steigert Nayoung Lee diesen Effekt noch.

So attestierte auch Laudator Andreas Bayer ihr bei der Vernissage eine "Sonderposition im Rahmen der aktuellen Kunst in unserer Region". Bayer ist einer, der es wissen muss, denn er ist Kurator der Landeskunstausstellung "Saar-Art 2013" und künstlerischer Leiter des Saarbrücker Kuba. Nayoung Lee, so Andreas Bayer, habe einen anderen Weg als viele zeitgenössische Künstler gewählt. Denn Lees Entwicklung begann im Abstrakten und hat sich erst in ihren letzten Studienjahren zum Figurativen hin entwickelt.

Nayoung Lee, die seit zwei Jahren in Saarbrücken lebt, gehört im Übrigen zum Kreis der 75 Künstlerinnen und Künstler, die in diesem Jahr bei der Landeskunstausstellung vertreten sind. Studiert hat sie in ihrer südkoreanischen Heimat sowie in Braunschweig und Münster.

Die Bilder von Nayoung Lee sind noch bis zum 26. Mai im Alten Schloss in Dillingen zu sehen: Do, Fr, Sa von 16 bis 19 Uhr, Sonntags von 14-17 Uhr.

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