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Wie fit sind Viertklässler?

Wie fit sind Viertklässler?

Wie fit die Kinder der vierten Klassen der Grundschule Hasborn sind, haben Ärzte und Wissenschaftler der Universität des Saarlandes untersucht. Ein Experten-Team für Haltungsschwächen hat 44 Mädchen und Jungen unter die Lupe genommen.

Hasborn. Ärzte und Wissenschaftler der Universität des Saarlandes beschäftigen sich seit 1998 im Rahmen des Projekts Kid-Check mit Haltungsschwächen bei Kindern und Jugendlichen. Über 2500 Mädchen und Jungen im Alter von acht bis 18 Jahren wurden bislang intensiv untersucht. 55 Prozent fielen durch ihre schlechte Körperhaltung auf. Sie waren nicht in der Lage, sich gerade hinzustellen und nur eine Minute lang aufrecht stehen zu bleiben. Die Ursachen für Haltungsdefizite wie hängende Schultern, Rundrücken, vorstehender Kopf, starkes Hohlkreuz oder abstehende Schulterblätter sind vielfältig. Zu schwache und schlecht gedehnte Muskeln, fehlendes Körpergefühl oder einseitig trainierte Muskeln können der Grund sein.Vor wenigen Tagen war kurz vor den Ferien ein sechsköpfiges Team des Kid-Check-Projekts zu Gast an der Grundschule Hasborn. Den Termin hatte Schulleiter Bernd Henkes mit dem ärztlichen Leiter des Kid-Checks, Professor Dr. Eduard Schmitt, vereinbart. Der Orthopäde von der Uniklinik Homburg ist in Hasborn-Dautweiler zu Hause. Den Anlass für das "Gastspiel" in Hasborn gab das Modellprojekt "Gesundheitsförderung in Kindergärten und Grundschulen" der Gemeinde Tholey, das im vergangenen Jahr gestartet wurde und auf sieben Jahre angelegt ist. Kein Wunder also, dass der Initiator dieses Gesundheitsprojekts, der Tholeyer Bürgermeister Hermann Josef Schmidt, die Mitglieder des Kid-Check-Teams gut gelaunt begrüßte. Er machte dabei eine gute Figur, auch wenn er sich einer genaueren orthopädischen Untersuchung eilig entzog.

Doch die Kid-Check-Experten hatten noch genug zu tun. Einen Schultag lang nahmen sie 44 Mädchen und Jungen der vierten Klassen genau unter die Lupe. Bei der orthopädischen Untersuchung fahndete Eduard Schmitt nach verkrümmten Wirbelsäulen, Fehlstellungen der Beinachsen und verkürzter Muskulatur, die oft die Beweglichkeit der Gelenke einschränkt. Dr. Oliver Ludwig, der wissenschaftliche Leiter des Kid-Checks, prüfte bei der biomechanischen Haltungsanalyse die Fähigkeit der Schüler, ihre Körperhaltung gezielt zu steuern. "Auf den ersten Blick recht gute Ergebnisse", bescheinigten Schmitt und Ludwig den Kindern. Die große Mehrheit von ihnen gab an, regelmäßig Sport im Verein zu treiben.

Doch um ein genaues Urteil fällen zu können, müssen die Testergebnisse erst im Detail ausgewertet werden. Da sind zahlreiche Daten zu verarbeiten, denn die Kinder mussten auch Gleichgewichts- und Koordinationsübungen absolvieren. Beispielsweise mit geschlossenen Augen über eine umgedrehte Bank balancieren oder einen Ball in die Luft werfen, sich dann schnell um die eigene Achse drehen und den Ball wieder auffangen, all das sind keine einfachen Aufgaben. Die Wissenschaftler suchten dabei nach Defiziten im Bewegungsfluss, bei der Präzision und im Rhythmus.

Bei der biomechanischen Haltungsanalyse testete Dr. Oliver Ludwig die Fähigkeit der Kinder, ihre Körperhaltung gezielt zu steuern.
Bevor es losgeht, füllen die Kinder ihre Laufzettel für die folgenden sechs Stationen aus.

Bei den Krafttests konnten die Kinder zeigen, ob sie genug Muckis in Bauch, Armen, Schultergürtel und Rücken haben. "Ich hatte den Eindruck, dass die Mädchen hier besser abgeschnitten haben als die Jungen", bemerkte Stationsleiterin Martina Fery. red