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Wie ein Rededuell zur politischen Zeitreise wird

Wie ein Rededuell zur politischen Zeitreise wird

Saarbrücken. Landtagswahlen entscheiden sich nicht über Kehlen, sondern über Stimmen. So dauert es auch für die über 300 Zuhörer, Parteianhänger und Jubler noch bis zum 30. August, ehe sie wissen, ob ihr Gebrüll und ihr Applaus beim gestrigen Rededuell zwischen Peter Müller und Heiko Maas im vollbesetzten Festsaal des Saarbrücker Schlosses dem Sieger der Landtagswahl gegolten hat

Saarbrücken. Landtagswahlen entscheiden sich nicht über Kehlen, sondern über Stimmen. So dauert es auch für die über 300 Zuhörer, Parteianhänger und Jubler noch bis zum 30. August, ehe sie wissen, ob ihr Gebrüll und ihr Applaus beim gestrigen Rededuell zwischen Peter Müller und Heiko Maas im vollbesetzten Festsaal des Saarbrücker Schlosses dem Sieger der Landtagswahl gegolten hat. Oder dem Verlierer. Mit reichlich Unterstützung angereist und von der Bildzeitung als Veranstalter auf ein Podium in weiße Ledersessel drapiert, blickten Ministerpräsident Müller (CDU) und Herausforderer Maas (SPD) abwechselnd vor und zurück: In eine politische Vergangenheit, in der der Ursprung allen Übels in der Zeit der jeweiligen Vorgängerregierung liegt, und eine Zukunft, die sich nach dem eigenen Parteiprogramm richten sollte. Schulschließungen beherrschten die Bildungsfragen: Maas erinnerte an die bereits geschlossenen Grundschulen im Land. Müllers Befreiungsschlag: Er referierte erneut das von seiner Regierung geänderte Schulordnungsgesetz, das keine weiteren Schließungen allein durch die Landesregierung vorsehe, sondern die Zustimmung der Schulträger voraussetze. Die Attacke des Amtsinhabers folgte unmittelbar: Wo "Herr Kollege Maas" als Ministerpräsident denn Grundschulen wieder aufmachen wolle? "Eine Option in manchen Orten" sei das, konterte Maas. Der SPD-Spitzenkandidat warnte derweil vor einem "großen Kahlschlag" und schmerzhaften Einsparungen angesichts der aus der Perspektive der saarländischen SPD drohenden Schuldenbremse. Mit dieser haben sich die Länder selbst ausgeglichene Haushalte ab 2020 verordnet. Womöglich stelle eine Diskussion zur Länderneugliederung ab 2015 den Fortbestand des Saarlandes in Frage, entwarf Maas ein düsteres Szenario für das kleinste Flächenland. "Kann das Saarland auf 2,5 Milliarden Euro Konsolidierungshilfe verzichten?", hielt Müller beim munteren Schlagabtausch dagegen. Für beide Beiträge ernteten die Kontrahenten Zustimmung und Ablehnung - die Lautstärke wurde nicht gemessen. Die Stimmen werden am 30. August ab 18 Uhr gezählt.