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Wie Altmaier wirklich Umweltminister wurde

Wie Altmaier wirklich Umweltminister wurde

Saarlouis. Peter Altmaier hat gestern Abend verraten, wie er wirklich Bundesumweltminister wurde. Die wahren Umstände sind offenbar selbst gut unterrichteten nationalen Medien entgangen. Seine Berufung schilderte Altmaier gestern Abend, als ihm zu Beginn des Altstadtfestes der Tonton-Preis verliehen wurde

Saarlouis. Peter Altmaier hat gestern Abend verraten, wie er wirklich Bundesumweltminister wurde. Die wahren Umstände sind offenbar selbst gut unterrichteten nationalen Medien entgangen.Seine Berufung schilderte Altmaier gestern Abend, als ihm zu Beginn des Altstadtfestes der Tonton-Preis verliehen wurde. Den gibt's nur in Saarlouis, für Menschen, die sich um das Kneipenviertel Altstadt verdient gemacht haben. Und die man sich vorstellen kann als würdigen Wahrer des Umgangs mit der Wahrheit öffentlicher Rede, für den der legendäre Erzlügner Michel Tonton angeblich ewige Maßstäbe gesetzt hat. Man hörte schon, Tonton habe sich einst selbst erfunden.

Anfang März also, räsonierte Altmaier, habe er raunen gehört, er werde als Tonton-Preisträger in Betracht gezogen. Als erstes sei er "bei die Angela Merkel gegangen" und habe geklagt: Heiko Maas ist Tonton-Preisträger und Minister, Georg Jungmann ist Preisträger und Staatssekretär, Ottmar Schreiner ist Preisträger und hätte "schon hundert Mal Minister genn gewenn senn". Und er sei nur erster Parlamentarischer Geschäftsführer. Da müsse man sich regelrecht schämen, bei dem Preis. "Angela, der Tonton-Preis ist kein Popelpreis." Angela habe nicht so genau zugehört. "Was, du kriegst den Nobelpreis? Den gibt's zig Mal im Jahr, da kann ich keine Rücksicht nehmen." Nein, den Tonton-Preis. Da habe Angela "so Augen gemacht". Was? "Da kannste unmöglich bloß als Parlamentarischer Geschäftsführer hin." Entwicklungsminister, Bildungsminister, alles nicht angemessen für den Tonton-Preis, damit werde Saarlouis nicht zufrieden sein. Also: "Ich mache dich zum Umweltminister. Aber sag noch nichts zum Norbert Röttgen."

So also wurde gestern Abend klar: Tonton war die Voraussetzung für den Umweltminister, nicht etwa umgekehrt.

Tonton werde man nur mit Verdiensten um die Altstadt, fuhr Altmaier fort. Die habe er. Wer ihn dort vermisste in den letzten Jahren, der irre. Besser aufgepasst habe, wer meine, er habe Ottmar Schreiner an mehreren Stellen in der Altstadt gleichzeitig gesehen. Als Politiker der ersten Reihe in Berlin komme das Abhängen in der Altstadt nicht so gut in den Medien. "Aber weil ich mich nicht von der Altstadt trennen wollte, habe ich ein naturgetreues, täuschend echtes Ottmar-Schreiner-Kostüm nähen lassen. Damit kann ich mich völlig frei in der Altstadt bewegen."

Eine Tonton-Rede, im Dialekt, zur echten Gaudi des Publikums, hintergründig, ausgefeilte Kleinkunst. "Die beste Rede seit langem", frohlockte OB Roland Henz.

Der Tradition folgend, hätte der vorangehende Tonton 2011, Friedhelm Schwan, eine Laudatio auf Altmaier halten sollen. Aber Schwan ließ sich krankheitshalber entschuldigen. Die Lobrede übernahm Wolfgang Meunier, früherer Vorsitzender des Altstadtfördervereins. Der zitierte den Amtseid der Bundesminister und wunderte sich: Das Wort Wahrheit komme da nicht vor.