Werner und die Verner

Schwalbach. 17 Kilometer sind es bis zur Grenze. Weiter muss kein Schwalbacher fahren, um nach Frankreich zu gelangen. Und bei einer Städtepartnerschaft geht es doch um das Internationale. 20 Minuten Autofahrt, schon hat man Kontakt zum Nachbarland. Trotzdem ist die Partnerstadt der Gemeinde Schwalbach das 740 Kilometer entfernte Vern-sur-Seiche

 Helmut Loho, Vorsitzender, Marylène Neu, stellvertretende Vorsitzende, und Siegfried Weidemann, Pressewart des Partnerschaftsvereines mit der Verner Flagge. Foto: Jenny Kallenbrunnen

Helmut Loho, Vorsitzender, Marylène Neu, stellvertretende Vorsitzende, und Siegfried Weidemann, Pressewart des Partnerschaftsvereines mit der Verner Flagge. Foto: Jenny Kallenbrunnen

Schwalbach. 17 Kilometer sind es bis zur Grenze. Weiter muss kein Schwalbacher fahren, um nach Frankreich zu gelangen. Und bei einer Städtepartnerschaft geht es doch um das Internationale. 20 Minuten Autofahrt, schon hat man Kontakt zum Nachbarland. Trotzdem ist die Partnerstadt der Gemeinde Schwalbach das 740 Kilometer entfernte Vern-sur-Seiche.Kurz Vern, Ort vor der Universitätsstadt Rennes, viel Grün, wenige Einwohner. 8000 Menschen leben in Vern, Schwalbach hat 18 000 Einwohner. "Die Motivation, Schwalbach als Partnerstadt zu bekommen, war für die Verner viel größer als umgekehrt", sagt Siegfried Weidemann, Pressewart des Schwalbacher Partnerschaftsvereines. Denn für die Franzosen liegt Schwalbach nur 17 Kilometer hinter der deutschen Grenze.

1977 hatte Schwalbach begonnen, nach einer Partnerstadt zu schnüffeln. "Damals war die Gemeinde schon spät dran", sagt Helmut Loho, Vorsitzender des Vereines, "der Trend hatte Jahre vorher begonnen und viele hatten bereits eine Partnerstadt."

Der damalige Bürgermeister Georg Fleck sagte immer nur: Bitte nicht hinter Paris. Aber der Schwalbacher Karl Werner, Mitbegründer der Partnerschaft, war während des Krieges in Vern stationiert. "Er hatte es dort gut und schlug deshalb Vern vor", sagt Loho. Die Partnerschaft begann zäh, "die privaten Kontakte haben sich lange vor den offiziellen entwickelt", sagt Weidemann. Vereine lernten ihr Pendant im jeweils anderen Land kennen und mögen und trafen sich regelmäßig. Die offizielle Unterschrift folgte 1991, im vergangenen Jahr haben die Partnerschaftsvereine 20. Jubiläum gefeiert.

Heute ist die Partnerschaft ein Selbstläufer. 60 Mitglieder hat der Schwalbacher Verein, rund 100 der Verner. Ein offizielles Treffen gibt es im Jahr mindestens.

Viele Schwalbacher Vereine machen aber noch immer regelmäßig Ausflüge nach Vern. "So dass man als Partnerschaftsverein oft denkt: Moment mal, da läuft doch was!", sagt Weidemann. Aber: "Alles, was an uns vorbeiläuft, ist uns recht! Unser Ziel ist ja, dass die Bevölkerung sich näher kommt. Die privaten Kontakte sind so intensiv, so viel könnte von offizieller Seite gar nicht laufen."

Träger der Partnerschaft waren in Schwalbach anfangs ausschließlich die Karnevalsvereine. "Die Verner wollten mit Majoretten herkommen. Und die Schwalbacher dachten: Majoretten? Die haben wir im Karnevalsverein!", sagt Weidemann. Zu Karneval kamen die Verner dann auch zum ersten Mal nach Schwalbach, im Frühjahr 1983. Weidemann lacht. "Ich weiß noch, die Majoretten kamen mit nackten Beinen her, weil die die Temperaturen hier nicht kannten!"

Die Partnerschaft beinhaltet auch einen Jugendaustausch: Ein paarmal im Jahr besuchen einzelne Jugendliche eine Familie in der Partnerstadt, machen dort ein Praktikum oder Urlaub und lernen die Sprache. "Die jungen Verner, die im Austausch hier waren, sind danach auch im Partnerschaftsverein aktiv geworden", sagt Loho.

Die Verner kommen gerne, "besonders unsere Weihnachtsatmosphäre gefällt ihnen", sagt Weidemann. Jedes Jahr gibt es in Vern einen deutschen Weihnachtsmarkt. "Im Spätherbst kommen die Verner hier her und kaufen dafür alles ein, was ihnen typisch deutsch erscheint, von der Deko bis zur Nascherei."