Wer nicht lesen will, kann hören

Wer nicht lesen will, kann hören

Dudweiler. Ein charmantes Auditorium hat sich in den Räumen des Bürgerhauskomplexes in Dudweiler versammelt. Das Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass hatte kürzlich im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche "Treffpunkt Bibliothek" zur Eröffnung der neuen Medienbar geladen

Dudweiler. Ein charmantes Auditorium hat sich in den Räumen des Bürgerhauskomplexes in Dudweiler versammelt. Das Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass hatte kürzlich im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche "Treffpunkt Bibliothek" zur Eröffnung der neuen Medienbar geladen. "Ich bin gespannt, welche Texte für die mediale Nutzung aufbereitet wurden", meinte Christel Hofer-Alt aus Saarbrücken. Die Germanistin hatte sich unter die Gäste gemischt und verfolgte gespannt das Abendprogramm.

Bisher glänzte das seit 1978 als Arbeitsstelle für die Gustav-Regler-Forschung gegründete Archiv durch Bestände der Literatur aus dem Dreiländereck Saarland, Frankreich (Lothringen und Elsass) und Luxemburg von etwa 1870 bis zur Gegenwart. Darunter auch Tondokumente, CDs, Videos, DVDs und Dokumente aus Schriftsteller-Nachlässen. Und mit der Gründung der Medienbar soll nun das 21. Jahrhundert endgültig ins Archiv einziehen. "Für uns hat das digitale Zeitalter begonnen, wir feiern heute hierzu eine Art Richtfest", sagte Günter Scholdt, Leiter des Archivs in seiner Rede. "Schriftsteller präsentieren sich nicht mehr nur über die Feder", so Scholdt weiter. Daher gehe es um das Hör- und Sichtbarmachen von Literatur. "Die Texte wurden von Autoren gelesen und wir haben das im Tonstudio der Universität in sieben Aufnahmetagen in Bild und Ton festgehalten. Jetzt haben wir eine gute Grundlage für die neue Software", erläuterte Diplombibliothekar Marc Nauhauser. Der technisch versierte Mitarbeiter hat im Kampf um die Lesemotivation vor allem der jüngeren Generation 60 Aufnahmestunden auf zwanzig heruntergeschnitten. Denn bei dieser aufwändigen Aufbereitung der literarischen Texte hat man vor allem eine Zielgruppe im Auge: "Ein Archiv voller Bücher in dem verstaubten Milieu einer Bibliothek spricht definitiv unsere Jugendlichen nicht mehr an", erläuterte Susanne Reichrath, Koordinatorin für kulturelle Angelegenheiten der Staatskanzlei: "Wir wollen unseren Schulklassen, wenn sie das Archiv an ihren Projekttagen besuchen, an den drei PCs eine Software bieten, die mithalten kann."

Für das umfangreiche Medienprojekt fand sich in der "Melusine", der Literarischen Gesellschaft Saar-Lor-Lux-Elsass, ein Geldgeber.

Man hatte im Februar 26 Autoren der regionalen Gegenwartsliteratur angeschrieben. "22 haben mitgemacht", berichtete Torsten Mergen, Archivmitarbeiter und Gymnasiallehrer. Herausgekommen ist eine Software, die sich sehen lassen kann. Nicht nur die Dichterlesungen in Hörbuchmanier sind zu finden. Man kann sich durch so manche Originalseiten, wie etwa die des Romans "Der afrikanische Bilderbogen" vom luxemburgischen Schriftsteller Norbert Jacques, durchklicken. Dabei findet man Verknüpfungen, etwa zu dem digitalisierten Fotoalbum des Autors, das mit passenden Textstellen verbunden ist. "Wer nicht lesen will, der kann jetzt hören", meinte Mergen mit einem Lächeln am Ende seiner Präsentation.

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