1. Saarland

Wer Müll spart, der spart Gebühren

Wer Müll spart, der spart Gebühren

Merzig-Wadern. Zum 1. Januar 2011 wird die Müllabfuhr im Saarland grundlegend umgestellt. Ab dann gilt in den meisten Gemeinden im Land das so genannte Leerungs-System (Ident-System), bei dem die Höhe der Abfallgebühr sich an der Zahl der Abholungen der Mülltonnen orientiert

Merzig-Wadern. Zum 1. Januar 2011 wird die Müllabfuhr im Saarland grundlegend umgestellt. Ab dann gilt in den meisten Gemeinden im Land das so genannte Leerungs-System (Ident-System), bei dem die Höhe der Abfallgebühr sich an der Zahl der Abholungen der Mülltonnen orientiert. Die meisten Gemeinden innerhalb des EVS hatten sich vergangenes Jahr für die Einführung des Ident-Systems ausgesprochen. Die Gemeinde Losheim am See allerdings hatte, neben St. Ingbert, auf die Einführung des Verwiege-Systems bestanden. Dabei richtet sich die Höhe der Müllgebühr nach der Menge an Abfall, die zur Abholung bereit gestellt wird.

Beiden System gleich ist, dass sie für den Bürger (und Gebührenzahler) Anreize schaffen sollen, seine Abfälle besser zu sortieren und damit die Müllmenge, die über die graue beziehungsweise grüne Tonne entsorgt wird, verringert wird. Denn das Saarland hat, wie EVS-Geschäftsführer Karl-Heinz Ecker auf der Verbandsversammlung erklärte, das bundesweit höchste Pro-Kopf-Aufkommen an Hausmüll. Mit der neuen, mengenabhängigen Gebührenberechnung kann nach Einschätzung des EVS die Müllmenge um 25 bis 40 Prozent sinken.

Rein organisatorisch ändert sich ab 1. Januar 2011 für viele Bürger im Kreis Merzig-Wadern nach derzeitigen Kenntnisstand nichts. Wie EVS-Sprecherin Marianne Lehmann auf SZ-Anfrage sagte, würden die jetzt in den Gemeinden geltenden Abfuhrtage auch weiter gültig bleiben, ebenso der Wochenrhythmus, in dem zwischen der Abfuhr der grünen und der grauen Tonne gewechselt wird. Künftig muss der Bürger allerdings entscheiden, wie oft er seine Tonne zur Abholung bereit gestellt. Denn die Anzahl der Leerung wird mit Hilfe der Chips an den neuen Mülltonnen, die in diesem Jahr flächendeckend verteilt wurden, erfasst. In den Gemeinden Beckingen, Perl und Weiskirchen sowie der Stadt Wadern wird ab 1. Januar 2011 das Ident-System gelten, in Losheim am See wird zu diesem Termin das Verwiege-System eingeführt.

Noch nicht abschließend geklärt ist, wie es in der Stadt Merzig in Sachen Müllabfuhr weitergeht. Merzig organisiert die Müllabfuhr in Eigenregie. Wie Pressesprecher Oliver Nollmeyer auf SZ-Anfrage erklärte, werde der Stadtrat für 2011 die Gebührensätze selbst festsetzen. Für 2010 konnten die Sätze des EVS noch übernommen werden. Ab 2011 wird in Merzig auf jeden Fall beim Restmüll das Verwiege-System eingesetzt. Nollmeyer: "Für den Biomüll war zuerst die Erhebung einer Festgebühr vorgesehen." Da es auch sachgerechte Gründe für eine Verwiegung des Biomülls gebe, sollten die Gremien hierzu nochmals beraten.

Derweil bleibt bei den Mettlachern alles beim Alten - zumindest bis Mitte 2011. "Der Gemeinderat hat sich für eine Sonderregelung entschieden", sagt Wolfgang Kohn, Hauptamtsleiter im Rathaus. Ausgestiegen ist die Gemeinde aus dem EVS und organisiert künftig die Entsorgung selbst. Für die Bürger der zehn Ortsteile bleiben bis 30. Juni die jetzigen Gebührensätze des EVS in Kraft (siehe Info). "Der Rat hat sich für eine Sonder- Regelung entschieden."

Wolfgang Kohn, Gemeinde Mettlach

"Das Saarland hat das bundes- weit höchste Pro-Kopf-

Aufkommen

an Hausmüll."

Karl-Heinz Ecker, EVS

Auf einen Blick

Die neuen Gebühren:

Beim Leerungs-System gibt es für den Restmüll eine Basisgebühr in Höhe von 117,34 Euro (120-Liter-Tonne) beziehungsweise 197,24 Euro (240-Liter-Tonne), mit der zehn Leerungen im Jahr abgedeckt sind. Für jede Leerung mehr fallen 6,74 Euro (kleine Tonne) respektive 13,48 Euro (große Tonne) an. Die bisherige Gebührenstaffel sah eine Jahresgebühr von 179,04 für die 120-Liter-Tonne und 280,44 Euro für die 240-Liter-Tonne bei 14-täglicher Leerung vor (26 Leerungen im Jahr). Das bedeutet: Wer seine graue Tonne bis zu 19 Mal (beim 240-Liter-Gefäß: 17 Mal) im Jahr abholen lässt, spart gegenüber der jetzigen Regelung Gebühren ein, ab der 20. Leerung wird es teurer. Wer seine 120-Liter-Tonne wie bisher 26 Mal im Jahr abholen lässt, zahlt 225,18 Euro - rund 45 Euro mehr als bisher. Für die grüne Biotonne gilt eine jährliche Basisgebühr von 35,04 Euro für 22 Leerungen. Jede zusätzliche Leerung schlägt mit 1,59 zu Buche. Bisher wurden für 26 Leerungen 36,96 Euro fällig.

Beim Verwiege-System ist in der Basisgebühr von 79,37 Euro (120-Liter-Tonne) oder 135,56 Euro eine Jahres-Müllmenge von 95 Kilo (kleine Tonne) beziehungsweise 236 Kilo (große Tonne) eingeschlossen. Jedes darüber hinaus gehende Kilo Müll kostet jeweils 0,31 Euro. Für die Biotonne gilt eine Basis-Gebühr von 33,84 für 376 Kilo Müll. Jedes Kilo Biomüll mehr kostet dann noch neun Cent. cbe