1. Saarland

Wenn Stromkunden der Schlag trifft

Wenn Stromkunden der Schlag trifft

Neunkirchen. Mit harten Bandagen kämpfen vor allem überregionale Energieversorger um den Endkunden-Markt. Blumige Versprechungen werden, wie so mancher Abnehmer bemerkt hat, später ignoriert. Oder noch schlimmer: Schwarze Schafe unter den Energieberatern, die für ihr Unternehmen Kunden akquirieren, arbeiten mit ganz und gar unsauberen Methoden.Das musste jetzt auch Jasmin T

Neunkirchen. Mit harten Bandagen kämpfen vor allem überregionale Energieversorger um den Endkunden-Markt. Blumige Versprechungen werden, wie so mancher Abnehmer bemerkt hat, später ignoriert. Oder noch schlimmer: Schwarze Schafe unter den Energieberatern, die für ihr Unternehmen Kunden akquirieren, arbeiten mit ganz und gar unsauberen Methoden.Das musste jetzt auch Jasmin T. (Name von der Redaktion geändert) aus Furpach feststellen. Er komme von der Kommunalen Energie- und Wasserversorgung (KEW) Neunkirchen suggerierte vor einigen Tagen ein Mittvierziger der Furpacherin an der Haustür. Er wolle ihr helfen bei der Stromrechnung zu sparen. Die junge Frau sah keinen Hinderungsgrund, den Mann zur Beratung einzulassen. "Ich bin seit langem KEW-Kundin und im Prinzip zufrieden", so Jasmin T. zur SZ. Sie legte dem angeblichen KEW-Mann ihre Stromverbrauchsabrechnung und ihre persönlichen Bankdaten vor. Der beredte Werber deutete der Mutter von zwei Kindern an, sie könne im Vergleich zum alten Vertrag 120 Euro jährlich sparen und begab sich dabei auch auf die persönliche Schiene: Er sei selbst Vater von Kindern und könne die finanzielle Lage gut nachvollziehen.Jasmin T. unterschrieb den vorgelegten Stromvertrag, lehnte aber die ebenfalls angebotenen günstigen Telefon- und Internet-Konditionen ab. Was sie nicht bemerkte und worauf sie der Berater nach ihrer Aussage nicht aufmerksam machte: Mit dem Vertrag wurde sie nicht nur Kundin des Unternehmens Teldafax, sondern bestellte zugleich die Kreditkarde "Teldafax-Mastercard Gold". Was sie im Eifer des Gefechtes ebenfalls nicht registrierte: Der angebliche KEW-Werber ließ sie eine "Kundenbelehrung" unterzeichnen, die unter anderem besagt, dass der Berater "nicht von Ihrem örtlichen Stadtwerk" kommt und auch nicht in dessen Auftrag oder in Zusammenarbeit mit ihm arbeitet. Erst als der Mann weg war und Jasmin T. den Vorgang mit ihrer Mutter besprochen hatte, wurde sie argwöhnisch. Ein Anruf bei der KEW bestätigte ihre Befürchtungen: In Furpach waren keine Energieberater des Neunkircher Unternehmens unterwegs. Die KEW schickte der nach ihren Angaben "völlig aufgelösten" jungen Mutter ihren Außendienstmitarbeiter, der ihr aus der Patsche half: Es wurde ein Widerspruch formuliert, der den Vertragsabschluss hinfällig macht.Die KEW hat Teldafax nun nach Aussage ihres Vertriebschefs Marcel Dubois eine wettbewerbsrechtliche Abmahnung zukommen lassen. Es handele sich hier eindeutig um unlauteren Wettbewerb und die Vorspiegelung falscher Tatsachen, so Dubois unter Berufung auf eine eidesstattliche Versicherung von Jasmin T. zu den genannten Vorgängen. Im Übrigen, so Dubois, hätte die vorgegaukelte Ersparnis gegenüber dem KEW-Abo höchstens zehn Euro im Jahr betragen.Teldafax selbst, eine Firmengruppe mit Sitz in Troisdorf im Rheinland, die Telekommunikations-, Energie-, Finanz- und Touristikprodukte anbietet, wollte sich auf SZ-Anfrage wegen der "nicht abgeschlossenen juristischen Auseinandersetzung zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter äußern". "Von unlauteren Vertriebsmethoden distanzieren wir uns ausdrücklich", hieß es weiter.

Auf einen BlickDie KEW bittet Kunden, die von ähnlichen wie der hier geschilderten Methode betroffen sind, um Mithilfe. Um Ärger zu vermeiden, empfiehlt die KEW, bei Haustürgeschäften genau darauf zu achten, was man unterschreibt und was miteinander verglichen ("Äpfel mit Birnen") wird. Ein Haustürvertrag kann binnen zwei Wochen schriftlich widerrufen werden. Auf Wunsch von Kunden erledige dies die KEW. Kontakt und weitere Infos: Tel. (06821) 200 150.