1. Saarland

Wenn peinliche Videos im Internet landen

Wenn peinliche Videos im Internet landen

Haben Sie ein typisches Beispiel für Cybermobbing?Heinrich: Da gibt es viele Möglichkeiten. Zum Beispiel werden Gerüchte über eine Person über das Internet verbreitet oder Vertraulichkeiten veröffentlicht und ins Lächerliche gezogen. Peinliche oder manipulierte Fotos werden eingestellt oder es wird ein Profil mit dem Namen des Opfers erstellt, unter dem agiert wird

Haben Sie ein typisches Beispiel für Cybermobbing?Heinrich: Da gibt es viele Möglichkeiten. Zum Beispiel werden Gerüchte über eine Person über das Internet verbreitet oder Vertraulichkeiten veröffentlicht und ins Lächerliche gezogen. Peinliche oder manipulierte Fotos werden eingestellt oder es wird ein Profil mit dem Namen des Opfers erstellt, unter dem agiert wird. Gerade über soziale Netzwerke können die Täter sehr schnell ihre Freunde erreichen, Gruppen gegen das Opfer gründen und es auch Fremden vorführen. Hier im Saarland gab es einen Fall, da haben an einer Schule die Mädels ihre Mitschülerin zum Beispiel unter der Dusche gefilmt, dann eine Facebook-Gruppe gegründet, wo sie sich über sie lustig gemacht haben. Moderne Handys können für Foto- und Videoaufnahmen genutzt werden und haben eine Internetverbindung. Die Täter sind da sehr kreativ.

Ist Cybermobbing eigentlich nur ein Jugendthema?

Heinrich: Insbesondere Jugendliche sind in sozialen Netzwerken einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Hier spielt der teilweise leichtfertige Umgang mit den eigenen Daten, vor allem Bildern, eine bedeutende Rolle. Aber auch Erwachsene sind gefährdet, zum Beispiel können Lehrer Opfer von Mobbingattacken ihrer Schüler werden.

Wie kann man Cybermobbing vorbeugen?

Heinrich: Zunächst ist eine gewisse Medienkompetenz sehr wichtig. Kinder sollten wissen, dass das Internet nicht nur Vorteile hat, sondern auch Gefahren birgt. Eltern sollten darauf achten, dass ihre Kinder möglichst wenig private Informationen im Netz hinterlassen. In sozialen Netzwerken sollten nur Freunde zugelassen werden. Kontaktdaten wie E-Mailadressen, Handy- und Telefonnummern oder Wohnanschrift haben dort nichts zu suchen. In Schulen sollte die Klassenzusammengehörigkeit gestärkt werden, um Mobbing vorzubeugen.

Und was tue ich, wenn ich Opfer geworden bin?

Heinrich: Dann ist schnelles Handeln gefragt. Wichtig ist, dass die Opfer nicht mit Beleidigungen oder Ähnlichem antworten. Sonst besteht die Gefahr, dass die Situation eskaliert. Die Internetseiten mit dem beleidigenden, bedrohenden oder diskriminierenden Inhalt sollten gesichert und ausgedruckt werden, um Beweise in der Hand zu haben. Den Providern der Internetseite sollte der Vorfall gemeldet werden, die Betroffenen sollten um Löschung des Inhalts bitten.

Wir raten immer, sich echten Freunden anzuvertrauen, auch Eltern und Lehrer sollten schnellstmöglich informiert werden, um eingreifen zu können.

Was deutet darauf hin, dass jemand gemobbt wird?

Heinrich: Laut der JIM-Studie 2010 (Jugend, Information, (Multi-)Media) haben 15 Prozent der Jugendlichen schon erlebt, dass peinliche Bilder oder Videos von ihnen im Internet verbreitet wurden. Viele Opfer von Cybermobbing leiden an psychischen oder psychosomatischen Beschwerden. Schlafstörungen, Depressionen, Angst zur Schule zu gehen und damit ein Leistungsabfall sowie ein plötzliches Abkapseln können Symptome sein. Da sieht man, dass Cybermobbing bei weitem kein Spaß ist, wie viele Täter das sehen.

Ist Cybermobbing denn strafbar?

Heinrich: Einen eigenen Straftatbestand "Cybermobbing" gibt es nicht. Es muss somit auf andere Straftatbestände zurückgegriffen werden. In Frage kommen hier etwa Beleidigung, üble Nachrede, Nachstellen, Bedrohung, Recht am eigenen Bild oder Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes.

Und wie hilft der Weiße Ring?

Heinrich: Der Weiße Ring hilft durch Beistand und Betreuung, auch bei der Kontaktaufnahme zur Schule oder dem Arbeitgeber. Die Mitarbeiter begleiten Betroffene auch zur Polizei oder gar zu Gericht. Opfer erhalten bei Bedarf eine kostenfreie anwaltliche oder psychotraumatologische Erstberatung bei frei wählbaren Fachleuten.

Weil Vorbeugung der beste Opferschutz ist, klärt der Weiße Ring über Risiken auf, unter anderem im Internet und gibt Tipps zum richtigen Verhalten im Akutfall.Foto: privat

Auf einen Blick

Der Weiße Ring unterhält ein bundesweites Opfertelefon, das täglich von sieben bis 22 Uhr, unter Tel. 11 60 06 geschaltet ist. Hier erhalten Opfer von Kriminalität und Gewalt emotionale Unterstützung, sie werden über ihre Rechte und den Rechtsweg informiert sowie an die zuständigen Außenstellen verwiesen.

Das Landesbüro Saarland ist montags bis freitags morgens besetzt, Tel. (06 81) 6 73 19.

weisser-ring.de