Wenn Pädagogen am Computer ballern

Wenn Pädagogen am Computer ballern

St. Wendel. "Spielbar? - Über Sinn und Unsinn von Computer- und Konsolenspielen?!", lautete der Titel einer Fachtagung im St. Wendeler Impuls-Forum. Ziel der Verantwortlichen von Stiftung Hospital und dem Landesjugendring-Projekt Jugendserver-Saar war es, Pädagogen aus dem Jugendbereich über Tendenzen und Entwicklungen bei Computerspielen zu informieren

St. Wendel. "Spielbar? - Über Sinn und Unsinn von Computer- und Konsolenspielen?!", lautete der Titel einer Fachtagung im St. Wendeler Impuls-Forum. Ziel der Verantwortlichen von Stiftung Hospital und dem Landesjugendring-Projekt Jugendserver-Saar war es, Pädagogen aus dem Jugendbereich über Tendenzen und Entwicklungen bei Computerspielen zu informieren. Computer- und Konsolenspiele sind ein großes Thema bei Jugendlichen, und für viele Pädagogen besteht da noch Aufklärungsbedarf", betonte die Projektleiterin des Jugendservers, Claudia Eisenstein. Häufig wüssten Eltern nicht, was ihre Kinder spielen.Dann seien Pädagogen als Vermittler gefragt. "Aber dazu müssen sie sich mit den Spielen auskennen", fügte sie hinzu. Während der Tagung sollten die Teilnehmer direkt an die Konsolen herangeführt werden, um sich ein direktes und unvoreingenommenes Bild zu machen. So konnten die Pädagogen Spiele an Systemen wie der Playstation oder Nintendo-Wii ausprobieren, die bei Jugendlichen angesagt sind. Das Angebot reichte von dem Gesangsspiel Sing-Star bis zum Kriegsspiel "Medal of Honor". "Viele Erwachsene haben keine genaue Vorstellung, von solchen Computerspielen", erklärte Diplom-Psychologe Harald Groß-Chowanietz, Projektleiter der Stiftung Hospital. "Man hat etwas darüber gehört und meint zu wissen, was diese Programme so alles anrichten können." Die öffentliche Meinung sei durchgehend negativ. Das hänge unter anderem damit zusammen, dass bei unbegreiflichen Ereignissen wie Amokläufen jugendlicher Täter oft nach einfachen Erklärungsmustern gesucht und auf so genannte Killerspiele verwiesen werde. "Aber die These, dass jeder, der zum Beispiel Counter-Strike spielt, ein potenzieller Amokläufer ist, ist nicht haltbar", betont Groß-Chowanietz. Counter-Strike - ein Internet-Spiel, bei dem die Teilnehmer gezielt auf Menschen schießen. Jugendliche seien durchaus fähig, Spiel und Realität zu unterscheiden. Das bedeute aber nicht, dass Eltern ihre Kinder unkontrolliert spielen lassen sollten. "Nicht jedes Programm ist für jedes Alter geeignet, und zu viel spielen ist sicher schlecht", schränkte der Diplom-Psychologe ein. Die Erziehungsberechtigten seien aufgerufen, sich zu informieren, Präsenz zu zeigen und auch einmal "Nein" zu sagen. "Das geht aber nur, wenn ich mich auskenne", argumentierte Groß-Chowanietz. "Rede ich über Sachen, von denen ich keine Ahnung habe, disqualifiziere ich mich selbst, und die Kinder merken das." Am Ende der Tagung freute sich Groß-Chowanietz über die hohe Teilnehmerzahl. "Wir hatten mit 30 Leuten gerechnet, auf 40 gehofft, und jetzt waren es 80", sagte er. "Ich finde es klasse, dass so viele bereit waren, sich dem Thema zu stellen." "Die These, dass jeder, der zum Beispiel Counter-Strike spielt, ein potenzieller Amokläufer ist, ist nicht haltbar."Harald Groß-Chowanietz

Auf eine BlickAm SZ-Experten-Telefon gibt Harald Groß-Chowanietz am Montag, 25. Oktober, Tipps zum verantwortungsvollen Umgang mit Computer- und Konsolenspielen. Der Diplom-Psychologe ist zwischen 13 und 15 Uhr zu erreichen, Telefon (0 68 51) 9 39 69 55. vsc