1. Saarland

Wenn Hasso was an der Hüfte hat

Wenn Hasso was an der Hüfte hat

Obersalbach. Thomas Weigel (55) tüftelt gern. Bleiverglasungen und ein glänzendes nostalgisches Motorrad legen Zeugnis von seinen Freizeitbeschäftigungen ab. Kein Wunder also, dass er auch einen Beruf erlernt hat, der handwerkliches Geschick erfordert. Thomas Weigel ist Orthopädietechniker. Tier-Orthopädietechniker. Er versorgt Vierbeiner mit Orthesen und Prothesen

Obersalbach. Thomas Weigel (55) tüftelt gern. Bleiverglasungen und ein glänzendes nostalgisches Motorrad legen Zeugnis von seinen Freizeitbeschäftigungen ab. Kein Wunder also, dass er auch einen Beruf erlernt hat, der handwerkliches Geschick erfordert. Thomas Weigel ist Orthopädietechniker. Tier-Orthopädietechniker. Er versorgt Vierbeiner mit Orthesen und Prothesen.Als vor fünf Jahren seine Schäferhündin an einem Tumor in der Hüfte erkrankte, dachte er bei sich: "Da müsste es doch was geben." Dem eigenen Hund konnte Thomas Weigel nicht mehr helfen. Aber das war, wie er erzählt, der zündende Funke, der Impuls für den beruflichen Umschwung.

Er gründete den Ein-Mann-Betrieb "Petsupport" und widmet sich seitdem orthopädischen Problemen von Vierbeinern. Hauptkundschaft sind Hunde beziehungsweise "aufgeklärte Hundebesitzer" wie Weigel sagt. Katzen kommen seltener, die fahren nämlich schon beim ersten Gipsabdruck die Krallen aus.

Da Thomas Weigel in seinem Metier - mal abgesehen von einem Mitbewerber im Mainzer Raum - so ziemlich der Einzige auf weiter Flur ist, kommen die Klienten oft von weit her. Aus Köln, Hamburg, München. Auch mal aus der Schweiz oder Österreich. Tierärzte, Tierphysiotherapeuten wenden sich an ihn, schicken ihm Maße und Gipsabdrücke. Zur Orthopädietechniker-Ausbildung gehört ein medizinischer Grundstock. So verfügt Thomas Weigel über Wissen und Vokabular und kann sich mit medizinischen Fachleuten austauschen.

Hinter seinem schön restaurierten Arbeiterbauernhaus in Obersalbach hat er eine Werkstatt angebaut. Mit Oberlicht und Blick ins Grüne. Die Maschinen, Werkzeuge und Materialien sind die gleichen wie bei anderen Orthopäden auch. Sattlernähmaschine, Vakuumpumpe, Wärmeapparat gehören zur Ausstattung.

An der Wand zeigt eine Anatomiezeichnung das Skelett eines Schäferhunds. Dabei ist vieles so ähnlich wie beim Menschen. Aber die Bewegungsabläufe sind ganz anders. Anschauungsmaterial dafür liefern ihm auch die eigenen Hunde. Bei Problemen mit der Pfote könne er helfen, erläutert Weigel. Allerdings gebe es in der Tier-Orthopädietechnik Grenzen. So sei eine Oberschenkel-Prothese kaum sinnvoll. Die würde den Hund nur behindern. Der Hund würde es nicht begreifen und nicht lernen, damit zu laufen.

Hunde sind, was die Körpergröße anbelangt, darüber hinaus natürlich viel unterschiedlicher als wir Menschen. Es gibt klitzekleine, die man in die Handtasche stecken kann und Riesenkerle. Deshalb kann es keine Prothesen oder Stützschuhe von der Stange geben. Hier ist alles Maßanfertigung.

Das erste Objekt, das Thomas Weigel in seiner Werkstatt angefertigt hat, war eine Kniebandage bei einem Kreuzbandriss. Zusammen mit einer Tierphysiotherapeutin hat er sie entwickelt. Maßgefertigte Bandagen sind heute der Hauptzweig in seinem Betrieb. Die werden über Internet bestellt und auch schon mal bis nach Südafrika geliefert.