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Wenn Gräber verschwinden

Wenn Gräber verschwinden

Saarbrücken. Sie wollte zum Grab ihrer Mutter. Als sie auf den Güdinger Friedhof kam, ereilte sie "ein Schock". Das Grab war weg. Stattdessen, sagt die Frau, die in dieser Geschichte nicht mit Namen genannt werden will, sei da ein "Trümmerfeld" gewesen. Das Grab war eingeebnet, Grabstein, Grablicht, Vasen, Schale und Pflanzen waren weg

Saarbrücken. Sie wollte zum Grab ihrer Mutter. Als sie auf den Güdinger Friedhof kam, ereilte sie "ein Schock". Das Grab war weg. Stattdessen, sagt die Frau, die in dieser Geschichte nicht mit Namen genannt werden will, sei da ein "Trümmerfeld" gewesen. Das Grab war eingeebnet, Grabstein, Grablicht, Vasen, Schale und Pflanzen waren weg. Auf dem Friedhof habe ihr niemand sagen können, wo die Sachen sind. Wahrscheinlich, habe es geheißen, seien die Sachen auf einer Deponie.Ein Skandal? "Ein normaler Vorgang", sagt Uwe Kunzler, der Leiter des städtischen Friedhofs- und Bestattungsbetriebs. Im Sommer 2010 sei die 20-jährige Laufzeit des Reihengrabs abgelaufen - wie die für etwa 100 andere Reihengräber auf Saarbrücker Friedhöfen. Darauf sei in einer amtlichen Bekanntmachung im Wochenspiegel, in den Infokästen auf den Friedhöfen und durch Schilder an den jeweiligen Grabreihen bereits ab September aufmerksam gemacht worden.

Es habe da eine Unklarheit gegeben, welche Grabreihe betroffen ist, sagt die Frau. Das sei aus dem Hinweis des Friedhofsbetriebs nicht genau hervorgegangenen. Sie habe angerufen, sei aber nicht zurückgerufen worden. Und überhaupt: Der Friedhofsbetrieb könne ja die Eigentümer der Gräber persönlich anschreiben und informieren.

Zu einem Anruf könne er nichts sagen, erklärt Kunzler, aber generell stehe im Vertrag, dass ein solches Grab nach 20 Jahren "abgeräumt" wird. Die Beschilderung sei auch nicht unklar gewesen. Solche Gräber, das sehe die Friedhofsordnung vor, können auch nicht über die 20 Jahre hinaus beibehalten werden. Es sei aber möglich, die Gebeine in ein anderes Gräberfeld umzubetten oder einzuäschern und in einer Urne neu beisetzen zu lassen. Dazu reiche aber kein Telefonat, dazu müsse man aufs Friedhofsamt und einen schriftlichen Antrag stellen. So etwas komme zwei- oder dreimal im Jahr vor.

Das Feld wird neu belegt

Von einem Trümmerfeld sprechen auch Menschen, die in diesen Tagen das Urnenfeld des Hauptfriedhofs besuchen. Wo bis vor kurzem noch Pflanzen wucherten, sind nun nur noch die abgesägten Stämme von Bäumen und Sträuchern zu sehen.

Eine solche Kritik sei neu, sagt Uwe Kunzler. "Bisher haben wir immer wieder Beschwerden gehabt, weil wir mit der Pflege nicht nachgekommen sind", erklärt der Chef des Friedhofs- und Bestattungsbetriebs. Seit zwei Wochen wird nun das Urnenfeld, das unter Ensembleschutz steht, in Absprache mit der Denkmalschutzbehörde erneuert. Etwa zwei Wochen werden die Arbeiten noch dauern, kündigt Kunzler an. "Der ganze Bereich wird auf Vordermann gebracht", sagt er. Dann wird das Feld neu belegt. ols