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Nach dem Brand-Drama in Saarbrücken
Wenn Feuer tödlich enden

Der jüngste Hausbrand in Saarbrücken reiht sich in eine traurige Ckronik des Landes ein.
Der jüngste Hausbrand in Saarbrücken reiht sich in eine traurige Ckronik des Landes ein. FOTO: Peter Stefan Herbst
Saarbrücken. Der jüngste Hausbrand in Saarbrücken reiht sich in eine traurige Chronik des Landes ein. Von Frauke Scholl
Frauke Scholl

Flammen und Rauch, Schock und Trauer. Das Brand-Drama in Saarbrücken weckt Betroffenheit – und Erinnerungen. Nicht zum ersten Mal ist das Saarland Schauplatz eines verheerenden Feuers in einem Wohnhaus geworden, das mehrere Menschen das Leben kostet. Das Unglück von Sonntag hatte der Landeschef der Feuerwehr-Gewerkschaft, Detlef Schütz, die „größte Brandkatastrophe seit vielen Jahren im Südwesten“ genannt. Die bislang größte im Saarland liegt genau 25 Jahre zurück. Und die letzte verheerende spielt sich vor fünf Jahren ab, als in einem brennenden Haus in Burbach vier Kinder sterben. Ein tragischer Fall mit politischen Folgen.


Denn der Dachstuhlbrand basiert auf sozialer Not, die kein Einzelfall ist. Am frühen Morgen des 24. August 2012 verbrennen in dem Haus zwei kleine Mädchen und ihre beiden kleinen Brüder, weil ihre Familie bei Kerzenschein lebt, seit der Strom abgestellt ist, für den das Geld fehlt. Eine Kerze löst das Feuer aus. Die Mutter und ein Säugling werden gerettet. Es folgt eine politische Debatte mit dem Ziel, Stromsperren künftig zu vermeiden. In einer Initiative aus Landesregierung, Kommunen, Energieversorgern und Sozialverbänden entsteht das „Saarbrücker Modell“, das einkommensarmen Familien Hilfen bei der Stromrechnung bietet – etwa durch Ratenzahlung oder Kredit.

Ein Kurzschluss gilt als Ursache der Tragödie vom 4. April 1992, die als bislang schlimmste in der Nachkriegsgeschichte des Saarlands gilt. Neun Menschen sterben, als ein Haus in Neunkirchen-Wellesweiler ausbrennt. Unter den Opfern sind – wie 20 Jahre später in Burbach – vier Kinder. Schon 1991 erlebt die Hüttenstadt einen ähnlichen Brand mit fünf Toten. Dramatisch auch die Bilanz vom 2. Januar 1997: In einem Brand in Sulzbach-Hühnerfeld kommen sieben Familienmitglieder um – darunter ein Baby. Ursache ist wohl ein überhitztes Ofenrohr.



In der traurigen Chronik des Saarlands tauchen zudem zahlreiche Hausbrände auf, die ein oder zwei Tote fordern. So auch im November 2014, als eine Zigarette im Püttlinger Knappschaftskrankenhaus ein Feuer auslöst, das zwei Frauen tötet. Eine hatte in ihrem Zimmer geraucht und so das Drama verursacht. Zehn Jahre zuvor brennt es mit Todesfolge etwa in Weiskirchen, 2005 in Burbach und Bous, 2012 in Ottweiler und Neunkirchen, 2013 in Thalexweiler, 2015 in Beckingen und Brotdorf, 2016 in Winterbach und Burbach. 2017 zuletzt vor zwei Wochen, als zwei Seniorinnen in ihren Häusern in Völklingen und Nalbach verbrennen. Insgesamt 22 Brandtote im Saarland listet die Feuerwehr-Statistik für die Jahre 2013 bis 2015. Bundesweit sterben demnach rund 400 Menschen pro Jahr wegen eines Feuers in ihrem Zuhause.