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Wenn fernöstliche Tänze Kinder begeistern

Wenn fernöstliche Tänze Kinder begeistern

Oberthal. Gespannt sitzen die Kinder des Oberthaler Kindergartens im Halbkreis und lauschen den Geschichten, die Hans Müller über ein fremdes Land erzählt. Myanmar heißt dieses Land, und Müller hat viel davon zu erzählen. Schon dreimal war er mit seiner Frau Margret in Myanmar. Beim letzten Besuch im April lernte das Ehepaar dann eine junge Myanmarin mit Namen D Moe kennen

Oberthal. Gespannt sitzen die Kinder des Oberthaler Kindergartens im Halbkreis und lauschen den Geschichten, die Hans Müller über ein fremdes Land erzählt. Myanmar heißt dieses Land, und Müller hat viel davon zu erzählen. Schon dreimal war er mit seiner Frau Margret in Myanmar. Beim letzten Besuch im April lernte das Ehepaar dann eine junge Myanmarin mit Namen D Moe kennen.Die junge Frau war den beiden sehr sympathisch, und nach Rücksprache mit deren Eltern luden sie D Moe ganz spontan nach Deutschland ein.

Hintergrund: D Moe möchte in Myanmar Reiseleiterin werden, hat dafür auch schon ein Deutschstudium abgeschlossen und bekam durch die Einladung der Müllers die Chance, ihr Deutsch noch weiter zu verbessern. Nach unzähligen Behördengängen und einer Menge Schriftverkehr zwischen dem Saarland und der myanmarischen Botschaft erhielt D Moe dann am 22. Juli endlich ihre Ausreisegenehmigung und kam nach Deutschland.

Geschichten aus der Heimat

Drei Monate später sitzt sie mit Hans Müller im Oberthaler Kindergarten und erzählt den Kindern Geschichten aus ihrer Heimat. Dabei zeigt Müller auch Bilder, die er in Myanmar gemacht hat. Die Kinder sind beeindruckt, kommentieren fleißig jedes Bild, stellen viele Fragen. "Haben die keine Duschen?", fragt ein Mädchen, als ein Bild mit Mönchen gezeigt wird, die sich Wasser aus großen Töpfen über den Kopf schütten, um sich zu waschen. Als Bilder vom Essen in Myanmar kommen, rufen alle Kinder durcheinander: "Ieeeeh, sieht das eklig aus", ruft einer, "Neeein, das ist doch lecker!", hört man aus der anderen Ecke.

Dann werden die Kleinen wieder still, Müller zeigt nun Bilder von Kindern in dreckigen T-Shirts, ohne Schuhe. "Seht ihr, die haben ganz dreckige Füße, weil sie keine Schuhe haben und den ganzen Tag barfuß laufen müssen", erklärt er.

Nach einigen weiteren Bildern folgt der Höhepunkt des Tages: D Moe führt einen Tanz aus ihrer Heimat auf. Vor allem die Mädchen aus der Gruppe schauen gespannt zu und tanzen beim zweiten Tanz sogar mit. "Du hast so ein tolles Kleid", sagt eines der Mädchen zu D Moe. "Das habe ich komplett selbst genäht und bestickt", erzählt diese daraufhin. "Ohne Maschinen, nur von Hand."

Nach dem Tanz schminkt die 23-Jährige noch einige Kinder mit Schminke aus Myanmar, bevor sie sich - einmal auf Deutsch, einmal auf myanmarisch - von allen verabschiedet.

Am heutigen Samstag fliegt D Moe bereits wieder nach Hause, mit vielen neuen Erfahrungen im Gepäck. "Ich freue mich auf zu Hause, aber ich werde Deutschland auch sehr vermissen", sagt sie.

Kindergartenleiterin Getrud Getrey freute sich sehr über den Besuch. "Das war wirklich ein tolles Erlebnis für uns", erzählt sie. "Uns ist es wichtig, dass die Kinder auch mit fremden Kulturen in Kontakt kommen, das ist heute geschehen."

Projekt zur Sprachförderung

Was Sprachen und fremde Kulturen angeht, werden die Kindergärten im Saarland vom Bildungsministerium unterstützt. Dort steht aktuell das Projekt "Signal" auf dem Plan. Ein Projekt zur Sprachförderung und Integration im Kindergarten. Das Projekt unterstützt Kinder und Eltern mit Migrationshintergrund, ist aber auch in beratender Rolle für Kindergärten und die dortigen Erzieher tätig.

Stichwort

Myanmar ist ein Vielvölkerstaat in Südostasien und grenzt an Thailand, Laos, die Volksrepublik China, Indien, Bangladesch und den Golf von Bengalen. Das Land stand seit 1962 unter einer Militärherrschaft, bis diese am 4. Februar 2011 einen Präsidenten als Staatsoberhaupt einsetzte. In Myanmar leben rund 54 Millionen Menschen, mehr als 87 Prozent sind Anhänger des Buddhismus. Knapp 33 Prozent der Bevölkerung leben in Armut, die Lebenserwartung in Myanmar beträgt gerade einmal 64,9 Jahre. Zum Vergleich: In Deutschland werden die Menschen durchschnittlich 79,8 Jahre alt. tom