1. Saarland

Wenn die Zwiebel anruft

Wenn die Zwiebel anruft

Warum ist es so schwierig, im Ausland in korrektes Deutsch übersetzte Speisekarten zu finden?Axel Hacke: Ich verstehe manchmal auch nicht, wie das passieren kann. Ich fahre regelmäßig im Frühjahr mit der Familie in ein italienisches Dorf. Dort haben wir gegessen, als der Wirt dabei war, seine Karte für den Sommer zusammenzustellen

Warum ist es so schwierig, im Ausland in korrektes Deutsch übersetzte Speisekarten zu finden?Axel Hacke: Ich verstehe manchmal auch nicht, wie das passieren kann. Ich fahre regelmäßig im Frühjahr mit der Familie in ein italienisches Dorf. Dort haben wir gegessen, als der Wirt dabei war, seine Karte für den Sommer zusammenzustellen. Er bat uns, die Speisen für ihn ins Deutsche zu übersetzen. Das übernahm mein Schwiegervater, der sehr gut Italienisch kann und dann den ganzen Mittag damit beschäftigt war. Wir kamen im Sommer wieder, und es hing eine völlig andere, falsch übersetzte Karte aus. Ich glaube, die Wirte vertrauen den Computerübersetzungen mehr als den Menschen. Man kann es sogar nachvollziehen, wie gewisse Fehler entstanden sind. Jeder Mensch würde etwa das italienische Wort "filetto" mit "Filet" übersetzen. Nur ein Computer kommt auf die Idee, daraus "Ich schneide ein Gewinde" zu machen.

Haben Sie mal versucht, das falsch ins Deutsche übersetzte Italienische wieder per Computer ins Italienische zurückübersetzen zu lassen?

Axel Hacke: Das müsste man tatsächlich mal ausprobieren. Ich hab mir aber mal den Spaß gemacht, in meiner Kolumne im "SZ Magazin" einen Satz von Angela Merkel nach und nach durch alle 17 Sprachen der Euroländer zu übersetzen. Was dann am Ende dabei herauskommt, ist schon sehr, sehr lustig.

Was ist das Lustigste, das Sie je auf einer Karte entdeckt haben?

Axel Hacke: Nach wie vor wäre das die Übersetzung von "onion rings", also "Zwiebelringe". Das wurde mit "Zwiebel ruft an" übersetzt. Das ist so simpel und kommt auf der Karte so völlig überraschend. Das nehme ich auch immer als einleitendes Beispiel bei meinen Lesungen, damit die Leute gleich wissen, worum es geht.

Müssen Sie eigentlich noch selbst Themen für Ihre Bücher und Kolumnen recherchieren, oder ist das aufgrund der Leser- post ein Selbstläufer geworden?

Axel Hacke: Ganz so ist es leider nicht. Ich muss mich schon selber kümmern. Natürlich werde ich von meinen Lesern auf Vieles hingewiesen. Dennoch muss ich mir für Kolumnen und andere Texte die Themen selbst überlegen. Das Tolle ist aber der Austausch mit den Lesern. Es dürfte nur wenige Autoren geben, die einen solch intensiven Kontakt mit ihren Lesern haben. Ich bekomme so viel zugesandt, dass ich mittlerweile davon regelmäßig was bei Facebook veröffentliche. Sowieso: Ohne das Internet hätte es manch eines meiner Bücher nie gegeben.

Auf einen Blick

Axel Hacke hat bereits zahlreiche Bücher veröffentlicht. Unter anderem darüber, wie man sich bei Musiktexten verhören kann ("Der weiße Neger Wumbaba"). In seinem aktuellen Buch "Oberst von Huhn bittet zu Tisch" geht es um Speisekarten im Ausland, die auf manchmal skurrile Weise ins Deutsche übersetzt sind. Axel Hacke liest auf Einladung der Buchhandlung Raueiser am Dienstag, 20. November, 19.30 Uhr im Schloss-Festsaal.

www.raueiser.dewww.axelhacke.de