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Wenn der Imam zur Stammzellspende ruft

Wenn der Imam zur Stammzellspende ruft

Saarbrücken. Stammzellspender können Blutkrebs-Patienten das Leben retten. Für die Betroffenen einen passenden Spender zu finden, ist jedoch schwierig. Vor allem für Bevölkerungsgruppen, die in der Minderheit sind, gestaltet sich die Suche nach einem "genetischen Zwilling" schwierig, zumal deren Gewebemerkmale völlig anders zusammengesetzt sind als die von Deutschen

Saarbrücken. Stammzellspender können Blutkrebs-Patienten das Leben retten. Für die Betroffenen einen passenden Spender zu finden, ist jedoch schwierig. Vor allem für Bevölkerungsgruppen, die in der Minderheit sind, gestaltet sich die Suche nach einem "genetischen Zwilling" schwierig, zumal deren Gewebemerkmale völlig anders zusammengesetzt sind als die von Deutschen.Vor diesem Hintergrund will die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) in ihren Reihen für Stammzellspenden werben. Ditib zählt aktuell rund 6000 Mitglieder im Saarland. Ditib-Landeschef Rasim Akkaya hat jetzt angekündigt, der Verband werde zur Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) Kontakt aufnehmen und einen Spender-Aufruf starten. Dass momentan in der Region Blutkrebs-Patienten aus türkischen Zuwandererfamilien dringend nach einem "genetischen Zwilling" suchen würden, sei dem Verband zwar bisher nicht bekannt worden, so Akkaya. Dennoch wolle er in den zehn Kultur- und Moscheevereinen, die zu Ditib Saar zählen, für das Thema sensibilisieren und zur Stammzellspende aufrufen. "Die Imame könnten beispielsweise in den Moscheen für Spender werben", sagt Akkaya. Bei den Freitagsgebeten könne man so viele Frauen und Männer erreichen. Denkbar sei auch - nach Rücksprache mit der DKMS - in den Moscheen entsprechende Informationsbroschüren zu verteilen und auszulegen. Darüber hinaus wolle Ditib Saar die Vorstände der Mitgliedsvereine darum bitten, einen Spender-Aufruf zu starten.

Bei der Suche nach einem passenden Spender für eine Stammzelltransplantation spiele die Herkunft eine entscheidende Rolle, sagt Dr. Gerhard Held, leitender Oberarzt für Innere Medizin an der Homburger Uniklinik. Hauptgrund dafür sei, dass sich die Gewebemerkmale genetisch bedingt in den Volksgruppen deutlich voneinander unterschieden. So seien beispielsweise bei Mitteleuropäern die Gewebemerkmale völlig anders zusammengesetzt als bei türkischstämmigen Personen.

"Wenn in einer Volksgruppe wenig Stammzellspender registriert sind, dann ist die Chance, einen passenden Spender zu finden, sehr klein", erläutert Held. Vor allem für Leukämie-Patienten aus den Maghreb-Ländern (Tunesien, Algerien, Marokko), aus der Türkei und von der arabischen Halbinsel sei es schwierig einen passenden Spender zu finden. Bis zu zwei Patienten aus diesen Ländern pro Jahr würden an der Uniklinik behandelt und warteten auf einen geeigneten Stammzellspender, so Held.

Alternativ zur herkömmlichen Stammzelltransplantation könne man die Patienten auch mit dem Nabelschnurblut eines Babys versorgen. "Das kindliche Blut enthält sehr viele Stammzellen und es müssen nur vier von sechs Gewebemerkmalen übereinstimmen", erklärt der Mediziner. Das Problem dabei sei jedoch, dass eine Nabelschnur-Blutspende zumeist nicht ausreiche.

"Die Imame könnten beispielsweise

in den Moscheen

für Spender werben."

Rasim Akkaya,

Ditib-Landeschef

AUF EINEN BLICK

Laut der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) in Köln sind unter den deutschlandweit mehr als 2,9 Millionen registrierten Spendern 27 817 Saarländer erfasst. 215 Saarländer konnten bereits einem Blutkrebspatienten zu einer Lebenschance verhelfen. Seit 1991 haben sich im Saarland 167 türkischstämmige und 45 arabischstämmige Spender bei der DKMS registrieren lassen. Bislang kam es bei dieser Bevölkerungsgruppe in unserer Region jedoch zu keiner Stammzellen- und Knochenmarkspende. bera