1. Saarland

Wenn der falsche Enkel zweimal anruft

Wenn der falsche Enkel zweimal anruft

Kaffeefahrten, Enkeltrick oder das Ausspähen von Kontodaten - Betrüger lauern an vielen Ecken. In der Serie "Vorsicht, Abzocke!" stellt die SZ die Tricks vor, mit denen nichts ahnende Bürger abgezockt werden, und erklärt, wie sie sich dagegen wehren können. Teil 3: Der Enkeltrick.

St. Wendel. "Hallo Oma, ich bin's!" So oder ähnlich beginnt oft ein Telefonanruf, der Senioren um ihr Erspartes bringen soll. Zunächst versucht der Betrüger, den Angerufenen zu überzeugen, dass er ein Enkel, ein Verwandter oder Bekannter sei. Oft macht es das ausgesuchte Opfer dem Ganoven einfach: Auf die Frage "Weißt Du, wer dran ist?" wird ein vertrauter Name genannt. "Viele ältere Mitbürger können sich häufig nicht an den Namen der Enkel erinnern oder schämen sich, dass sie die Stimme des falschen Verwandten nicht erkennen", sagt der St. Wendeler Polizeioberkommissar Karl-Heinz Fischer. Bei der Opferwahl gehen die Betrüger systematisch vor. Rudi Schmidt, Seniorensicherheitsberater im Landkreis, erklärt: "Sie durchsuchen das Telefonbuch nach Vornamen, die auf eine ältere Person hinweisen. Über 30 Menschen am Tag rufen sie an, bis sie ein Opfer finden."Durch den Anruf wird das nötige Vertrauensverhältnis aufgebaut, denn der Betrüger hat ein besonderes Anliegen: Er braucht sofort Geld. Schmidt: "Die Gauner sind kreativ, manchmal geben sie vor, der Enkel hatte einen Unfall in Frankfurt oder sonst wo, manchmal bräuchte er dringend für etwas anderes Geld." Viele Senioren wollen dem falschen Enkel helfen, stimmen zu, das Geld zu besorgen. Wenn sie den Betrag nicht da haben, gehen sie zur Bank. Geldinstitute weisen zwar ihre Mitarbeiter darauf hin, bei verdächtigem Verhalten oder ungewöhnlich hohen Abbuchungen die Kunden anzusprechen. Kontaktpolizist Fischer gibt jedoch zu bedenken: "In der Stadt ist dies problematisch. Auf dem Land kennt jeder jeden, da kann der Bankangestellte schnell mal bei der Familie der Person nachfragen." Der nächste Schritt ist die Geldübergabe: Der vermeintliche Enkel ruft wieder an und behauptet, er könne das Geld nicht persönlich abholen, schicke aber einen Bekannten. Wenn der Betrüger das Geld erstmal hat, macht er sich schnell aus dem Staub.

Damit es erst nicht so weit kommt, sollten folgende Tipps der Polizei beachtet werden: Misstrauisch sein, wenn sich die Person am Telefon als Verwandter oder Bekannter ausgibt und nicht als solcher sofort erkannt wird. Persönliche Fragen stellen, die nur Familienmitglieder beantworten können. Keine Details zu familiären oder finanziellen Verhältnissen am Telefon preisgeben. Rücksprache mit Familienangehörigen oder einer Vertrauensperson halten, wenn ein solcher Anruf eingeht. Niemals Geld an Unbekannte übergeben. Bei einer geplanten Geldübergabe eine dritte Person hinzuziehen. Die Polizei verständigen. lk