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Wenn das Wohnzimmer zum "Gerichtssaal" wird

Wenn das Wohnzimmer zum "Gerichtssaal" wird

Dudweiler. Sie ist eine freundliche Natur, einfühlsam, aber auch entschlossen und kommt auf den Punkt. Charlotte Faulstich aus Dudweiler braucht diese Eigenschaften für ihr Ehrenamt: Sie ist seit 20 Jahren Schiedsfrau in Dudweiler und seit vielen Jahren ehrenamtliche Schöffin am Jugendschöffen- und Amtsgericht Saarbrücken

Dudweiler. Sie ist eine freundliche Natur, einfühlsam, aber auch entschlossen und kommt auf den Punkt. Charlotte Faulstich aus Dudweiler braucht diese Eigenschaften für ihr Ehrenamt: Sie ist seit 20 Jahren Schiedsfrau in Dudweiler und seit vielen Jahren ehrenamtliche Schöffin am Jugendschöffen- und Amtsgericht Saarbrücken."Ich weiß noch Tag und Stunde, als ich mich dazu entschlossen habe", erinnert sich die 65-Jährige. "Damals wurde ein Schiedsmann gesucht. Ich war interessiert, weil ich wusste, dass ich mich mit Menschen gut auskenne. Ich hab gedacht, das wagste mal. Hätte ich mich geirrt, hätte ich es abgegeben", sagt sie heute.

Faulstich trat vor 20 Jahren als erste Frau im Saarland ihr von Männern dominiertes Schiedsamt an. Die pensionierte Sonderschullehrerin kennt sich mit Zwist aus. Heute spielen sich die Streitereien aber nicht mehr auf dem Schulhof ab, sondern in Faulstichs Wohnzimmer am Esstisch. "Ich hab die derbsten Sachen erlebt: Eine Partei fuhr in einem Sportwagen hier vor, die andere war eine alte Dame mit Krückstock und starker Gehbehinderung. Die waren sich spinnefeind", erinnert sich die Schiedsfrau. Doch sie konnte helfen. "Die Dame hat sich letztendlich samt Krücken in den Sportwagen geschwungen und vom ehemaligen Gegner heimfahren lassen. So was freut mich sehr", meint sie.

Es seien vor allem die Nachbarschaftsstreitigkeiten und das Thema Beleidigungen, denen sie sich als Schiedsfrau zuwende. Dabei wüssten die Wenigsten, dass man in diesen Fällen zunächst noch keinen Anwalt einschalten müsse. "Ein Gesetz gibt ohnehin vor, dass jeder Schlichtungsfall zuerst vor den Schiedsmann muss. Es ist leider zu wenig bekannt, dass es den Weg über den Schiedsmann gibt. Eine Schlichtung kostet 50 Euro und gilt genauso wie ein Verfahren vor Gericht. Viele denken, es taugt hier am Esstisch nix", meint Faulstich. Dabei würden sogenannte Tür- und Angelfälle schon am Telefon geeinigt. "Dann geht es oft um direkte Beleidigungen über den Zaun", so die Fachfrau. Um Frustabbau ginge es überdies fast immer.

"Ich hatte mal drei Taxifahrer aus Dudweiler, die sich gegenseitig die Arbeit weggenommen und sich gemobbt hatten. Waren die böse aufeinander", erinnert sie sich. Da sei Schweigen Silber und Reden Gold gewesen. "Ich hab die Leute erstmal reden lassen. Jeder hat seinen Frust abgebaut und war hoch erleichtert, dass sie wieder miteinander sprechen konnten", sagt sie.

Erleichtert war die Schiedsfrau selbst über den Ausgang einer Schlichtungssitzung. "Ich hab schon die Polizei vor der Tür stehen gehabt, weil man mir angekündigt hat, dass eine Streitpartei als Messerstecher bekannt sei. Ich wollte vorsichtshalber die Polizei vorm Haus haben", sagt sie.

Doch der Mann entpuppte sich: "Er war bei mir ganz harmlos. Wenn eine Frau da sitzt, ist das mildernd, obwohl man denken könnte, von der lass ich mir nix sagen", so Faulstich.

Aber offensichtlich sind die Sitzungen bei Charlotte Faulstich oft erfolgreich. "Ich weiß noch, dass es nach einem Einigungsgespräch stark geregnet hat. Die beiden Parteien sind unter einem Regenschirm nach Hause gegangen", erinnert sie sich. "Es ist leider

zu wenig bekannt,

dass es den Weg

über den Schiedsmann gibt."

Charlotte Faulstich,

Schiedsfrau aus Dudweiler