1. Saarland

Wenn beim Wechsel des Stromanbieters alles drunter und drüber geht

Wenn beim Wechsel des Stromanbieters alles drunter und drüber geht

Eigentlich hatten Jan Mertens und seine Lebensgefährtin aus Saarbrücken nur ihre Stromrechnung bezahlen wollen – aber man ließ sie nicht. Als sie dann noch den Anbieter wechseln wollten, kam es noch dicker . . .

Mit einer für sie "extrem ärgerlichen und ungeheuerlichen" Geschichte wendeten sich Jan Mertens und seine Lebensgefährtin aus Saarbrücken an unsere Redaktion: "Ich habe zwölf Monate versucht, bei der Firma Energie SaarLorLux meine Stromrechnung zu bezahlen, aber man ließ mich nicht", berichtet er. Stattdessen drohe der Anbieter ihnen nun mit der Strom-Abstellung.

Angefangen habe alles, als das Paar im August 2012 seinen Vertrag mit dem bisherigen Billigstrom-Anbieter wegen Gerüchten über dessen drohende Insolvenz nicht verlängert habe und so automatisch in den Grundversorgungstarif seines Lieferanten Energie SaarLorLux gefallen sei. Als sie danach drei Monate von diesem keine Rechnung erhalten hätten und wieder zu einem günstigeren Anbieter wechseln wollten, hätten die beiden mit dem Grundversorger Kontakt aufgenommen, so der SZ-Leser.

Doch trotz ihrer mehrfachen Nachfragen hätten sie die angeforderte Abrechnung nicht bekommen. Mal sei ihnen mitgeteilt wurden, dass ihrem Kundenkonto eine falsche Nummer zugeordnet worden sei, mal habe man ihre Informationen im internen Computersystem angeblich nicht speichern und weitergeben können, klagt Mertens. Selbst seine Versuche, persönlich vorzusprechen, seien wegen der langen Wartezeiten im Servicecenter gescheitert. Auch zwei andere Anbieter, die die Strombelieferung des Paares übernehmen wollen, seien von dem Versorger abgewiesen worden.

Erst Ende Juli, berichtet der SZ-Leser-Reporter, habe er eine für ihn "verwirrende und fehlerhafte" Rechnung bekommen. Auf ihren Einspruch gegen die Rechnung sei nicht reagiert worden. Stattdessen erhielt das Paar eine Mahnung mit der Androhung, dass ihnen bei nicht fristgerechter Zahlung der Strom abgestellt werde. Da dies für das Paar "beruflich und existenziell bedrohlich" hätte sein können, habe man die Abschlagszahlung erst einmal zähneknirschend beglichen.

In dem beschriebenen Fall handele es sich um "das bedauerliche Zusammentreffen von mehreren Fehlern", so Stefan Eichacker, Sprecher von Energie SaarLorLux. Dafür entschuldige sich das Unternehmen aufrichtig. Die Stadtwerke als örtlicher Netzbetreiber hätten die Strom-Verbrauchsstelle ohne Angaben zum bisherigen Anschlussnutzer gemeldet, erklärt der Sprecher. Bei der Kontaktaufnahme von Mertens mit dem Kundencenter seien seine Adressdaten zudem falsch aufgenommen worden, so dass keinerlei Korrespondenz funktioniert habe. Eichacker: "Wir bedauern diesen Fehler, der sehr lange niemandem aufgefallen ist, sehr."

Wenn ein Kunde den Stromanbieter wechseln möchte, benötige der bisherige Versorger eine Kündigung, die diesem im Regelfall von dem neuen Lieferanten auf elektronischem Wege übermittelt werde. Dies sei im vorliegenden Fall jedoch nicht geschehen. Da Mertens durch die Fehler von Energie SaarLorLux viel Aufwand entstanden sei, wolle sich das Unternehmen kulant zeigen. So würden etwa die Mahnung zurückgezogen, Mahngebühren erlassen und die Abrechnung des Stromverbrauches nach einem günstigeren Tarif berechnet.

Den Tipp für diesen Artikel bekamen wir von SZ-Leser-Reporter Jan Mertens aus Saarbrücken. Haben Sie auch Spannendes zu berichten? Für Sprachnachrichten aufs Band nutzen Sie Tel. (06 81) 5 95 98 00. Oder senden Sie uns eine E-Mail an leser-reporter@sol.de oder an unser Onlineformular unter www.saarbruecker-zeitung.de/leserreporter.