Wenn aus Spaß tödlicher ernst wird

Wenn aus Spaß tödlicher ernst wird

Ein junger Mann steht Mitten im Leben. Selbstüberschätzung, eine zu schnelle Autofahrt - und sein Leben nimmt ein jähes Ende. Seine Freunde können den Verlust nicht fassen. Traurig blicken sie auf das Holzkreuz am Straßenrand. Der Inhalt des achtminütigen Kurzfilms "Du fehlst" löste Betroffenheit bei den Schülern des St. Wendeler technisch-gewerblichen Berufsbildungszentrums aus

Ein junger Mann steht Mitten im Leben. Selbstüberschätzung, eine zu schnelle Autofahrt - und sein Leben nimmt ein jähes Ende. Seine Freunde können den Verlust nicht fassen. Traurig blicken sie auf das Holzkreuz am Straßenrand. Der Inhalt des achtminütigen Kurzfilms "Du fehlst" löste Betroffenheit bei den Schülern des St. Wendeler technisch-gewerblichen Berufsbildungszentrums aus. Die Vorführung war Bestandteil des Verkehrsicherheitstages der Kreis- und Ortsverkehrswacht St. Wendel an der Schule.Die Betroffenheit hatte unabhängig von der Fiktion einen realen Hintergrund. "Vor vier Wochen musste ich den Eltern eines Schülers, der tödlich im Straßenverkehr verunglückte, ein Beileidsschreiben schicken", erklärt Schulleiter Hubert Gottschlich. Diese Tragödie alleine rechtfertige den Aktionstag.

"Die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen ist von Unfällen im Straßenverkehr besonders betroffen", sagt Landrat Udo Recktenwald, zugleich Schirmherr der Kreis- und Ortsverkehrswacht St. Wendel, die seit 1995 alle zwei Jahre den Aktionstag am Berufsbildungszentrum durchführt. Ziel sei es, junge Menschen für die Gefahren zu sensibilisieren. "Wir alle waren einmal jung und wissen, welchen Reiz Geschwindigkeit ausüben kann, doch leider werden die Gefahren oft unterschätzt", ergänzt Recktenwald. Deshalb fördere der Landkreis auch die Projekte Saarbob zur Stärkung der Selbstverantwortung Jugendlicher und das Nachtbus-Angebot zur kostengünstigen, sicheren Heimfahrt.

Nicht der erhobene Zeigefinger stehe im Vordergrund, sondern Aufklärung, drückt es Kamillus Schumacher von der St. Wendeler Polizeiinspektion aus. "Der siebte Sinn, die Erfahrung fehlt nun mal jungen Fahrern, darauf wollen wir hinweisen", sagt der Polizist.

Daher dieser Aktionstag unter dem Motto "Risiko raus - Schnell ist alles vorbei". Im Schulgebäude stehen Stationen, an denen die Schüler spielend an das Thema des Tages herangeführt werden. Da den Wenigsten Videospiele fremd sind, erregen die Motorrad- und Fahrsimulatoren besonderes Interesse. Der Autosimulator stellt sich nach einiger Zeit auf eine Fahrt bei 0,8 Promille Alkohol im Blut um. Die längere Reaktionszeit entspricht dabei einer Verzögerung, wenn die Bremse gedrückt wird. Die Konturen auf dem Bildschirm im Simulator werden unscharf. Grinsend registrieren die Umstehenden das Bemühen eines Schülers, unter diesen widrigen Bedingungen sein virtuelles Gefährt zu steuern. Als jedoch auf dem Bildschirm ein Kind die Straße überqueren will und der Fahrer dieses anfährt, ist es mit dem Grinsen vorbei.

Eine weitere Station ist ein Kettcar-Parkours. Die Schüler dürfen diesen einmal mit und einmal ohne spezielle Brillen durchradeln. Diese Rauschbrillen sollen die Fahrt unter Alkohol- oder Drogeneinfluss simulieren. Auch hier standen Spaß und Ernst nebeneinander. Denn nicht wenigen bereitete das Fahren mit der Rauschbrille Schwierigkeiten.

Abschließend, nach der Filmvorführung, kam es zu einer Diskussion, an der Vertreter der Polizei und Verkehrswacht, ein Rechtsanwalt sowie ein Fahrlehrer teilnahmen. Die Schüler wollten es genau wissen: Was passiert, wenn ich unter Drogen- oder Alkoholeinfluss angehalten werden? Welche Strafen blühen mir? Wann muss ich zum so genannten Idiotentest?

Dieser Tag war hoffentlich für viele Schüler eine lehrreiche Unterrichtseinheit. Peter Hinsberger, Dezernatsleiter Recht, Sicherheit und Ordnung im Landkreis: "Wenn durch unsere Aktion nur ein Verkehrsunfall verhindert wird, dann hat sich der ganze Aufwand gelohnt." red