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Weniger leben auf der Straße

Weniger leben auf der Straße

Saarbrücken. Die Zahl der obdachlosen Menschen, die in Saarbrücken tatsächlich auf der Straße leben, hat sich in den vergangenen Jahren nach einem zwischenzeitlich höheren Stand reduziert. Waren es 2008 etwa 20 Menschen, wurden Ende 2011 zwischen fünf und zehn Obdachlose gezählt. 2009 waren es noch zwischen 20 und 30 Personen gewesen

Saarbrücken. Die Zahl der obdachlosen Menschen, die in Saarbrücken tatsächlich auf der Straße leben, hat sich in den vergangenen Jahren nach einem zwischenzeitlich höheren Stand reduziert. Waren es 2008 etwa 20 Menschen, wurden Ende 2011 zwischen fünf und zehn Obdachlose gezählt. 2009 waren es noch zwischen 20 und 30 Personen gewesen. Das gab Sozialdezernent Harald Schindel (Die Linke) im Sozial- und Integrationsausschuss der Landeshauptstadt auf Nachfrage der sozialpolitischen Sprecherin der Grünen, Sigrun Krack, jetzt öffentlich bekannt.Zeitgleich ist die Zahl der Menschen, die in Obdachlosenwohnungen leben, leicht gestiegen: Ende 2011 waren es 333 Menschen in 221 Haushalten, 2008 noch 320 in 210 Haushalten. Dabei trifft Wohnungslosigkeit eher Männer als Frauen: Ende Juni des vergangenen Jahres waren 138 Männer, 93 Frauen und 73 Kinder wohnungslos. Diese Verteilung von Männern und Frauen ist in den vergangenen drei Jahren konstant geblieben.

Auffällig ist, dass immer mehr junge Menschen von Wohnungslosigkeit betroffen sind. "Es gibt eine hohe Anzahl von Menschen bis 30 Jahre, die wegen Klage oder Räumungstermin von Wohnungslosigkeit bedroht sind", sagte Schindel. Allein bei unter 18-Jährigen soll die Zahl der Obdachlosen um die Hälfte gestiegen sein. Ebenso zugenommen hätten psychisch kranke und in verwahrlosten Wohnungen lebende Menschen, die schließlich wohnungslos würden, ergänzte der Sozialdezernent. Allerdings seien die Wohnheime für Obdachlose "nahezu ausgelastet", wie es in der Stellungnahme der Stadtverwaltung hieß.

Krack hatte daher die Frage aufgeworfen, ob die Siedlungsgesellschaft Saarbrücken (SGS) leer stehende Wohnungen für die Obdachlosen zur Verfügung stellen könne. Schindel musste diese Möglichkeit aber aus verschiedenen Gründen größtenteils ausschließen: "Die Leerstände betreffen oft große Wohnungen, aber leer stehende Ein-Personen-Wohnungen sind schwierig zu finden". Große Wohnungen würde zudem die Sozialhilfe den Obdachlosen kaum finanzieren. Außerdem wolle man "die problematischen Mieter" nicht in einigen Straßen oder Stadtteilen gebündelt unterbringen, sondern verteilen: "Eine Ghettoisierung wollen wir vermeiden, die Mietparteien müssen auch miteinander harmonieren".

Als weiteren Grund nannte Schindel, dass der Großteil der leer stehenden Wohnungen renovierungsbedürftig sei. Die Schwierigkeit, die sich vor diesem Hintergrund stellt, ist, dass auf akut steigende Zahlen von Wohnungslosen nicht schnell reagiert werden kann: "Bei 30 bis 40 Wohnungslosen zusätzlich, hätten wir ein Problem, sie schnell unterzubringen", gab Schindel zu bedenken. Denn bei Minusgraden habe die Landeshauptstadt eine Fürsorgepflicht gegenüber den Obdachlosen.